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Archive for the ‘Reviews’ Category

Diese „Revue“ der grauen Herren sollte weder Momo noch der Ergo-Frau Angst bereiten. Auf ihrem dritten Album präsentieren Herr von Grau 19 Tracks auf hausgemachten Instrumentals, die für einige „Oh“- und „Ah“-Erlebnisse sorgen dürften, denn hier steht ausnahmsweise mal nicht Image, sondern Niveau auf den Fahnen.

Während in „Das Schloss“ ft. Chefket noch das Eremiten-Dasein in der eigenen Wohnung gelobt und gehuldigt wird („Meine Wohnung ist mein Schloss und ich schließ mich ein, da kann die Welt da draußen noch so schön riesig sein.“) beweist man mit „Guido“ den stilsicheren Blick auf nationale, teilweise sogar internationale Gegebenheiten. „Ein Hoch auf die Zivilisation“, bei der eigentlich alles ganz gut ist. Eigentlich…wäre da nicht der eine da.

Den Track „Vergesslich“ kann ich persönlich leider nur allzu gut verstehen. Handy, Schlüssel, Gesichter, Namen, Termine – ohne eine gute Organisation mit elektronischen Helfern oder gelben Klebezetteln geht heutzutage leider nichts mehr. Der Track gibt mir jedoch das gute Gefühl nicht allein zu sein.

Dass die Herren ab und an auch gern mal auf Reggae flashen lernt man am Ende von „Dicht“. Allerdings wird das auch im Beat von „Ruf die Bullen“ bestätigt, einem Track in dem die Herren in Grau den Herren in Grün ein Denkmal setzen. Wäre ja nicht schlecht wenn man die, wie im Text, bei jeder Kleinigkeit um Hilfe bitten könnte. Wenn halt mal wieder gar nichts klappt. Ich wäre sehr interessiert die Reaktion der Polizei auf Telefonanrufe zu erfahren, die um Mithilfe bei  Trennungsschmerz oder Langeweile bitten.  Aber eigentlich heißt es ja auch „dein Freund und Helfer“.

Zum Nachdenken bringen einen Tracks wie „Risiko“, in dem darüber sinniert wird, dass man Pläne auch mal ausführen sollte und nicht nur träumt, egal was die anderen sagen.  Sonst sitzt man irgendwann da und fragt sich was  wäre wenn. Die entgangenen Chancen häufen sich und die Zeit, die man auf der Erde wandelt ist nun mal begrenzt.

Auch „Trauermarsch“ ist ein besonderer Song, mit einem Text an ein ungeborenes, abgetriebenes Kind, sehr bedrückend und offen, macht man sich Gedanken was gewesen wäre wenn man anders entschieden hätte und warum man so gehandelt hat.

Die „Revue“ ist ein Album das vielleicht nicht beim ersten Anspielen zündet und dessen Instrumentals für meine Begriffe fast schon zu sehr in den Hintergrund treten. Das Hauptaugenmerk liegt hier ganz klar auf den Texten, die mich nach mehrmaligem Hören das ein oder andere Mal zum zustimmenden Nicken oder ablehnenden Kopfschütteln bewegt haben. Aber nicht denken die Platte wäre zu verkopft. Tracks wie „Egocreme“ oder „Ruf die Bullen“ erzeugen schon fast zwingend ein Schmunzeln im Gesicht des Hörers. Die große Stärke der grauen Herren ist allerdings schonungslose Abbilder der Wirklichkeit in einen Track zu bannen. Gerade die Paradebeispiele von „Menschenhass“ sind in der heutigen Welt nicht nur in Berlin allgegenwertig: „Kauf dir ´ne Soja-Latte und fasel von innovativen Projekten – von den zu setzenden Trends die sich da tief in Berlin noch verstecken. Ich bin sicher du spürst sie als erster auf, denn du hast doch `ne Nase für sowas – und das darin geparkte Koks sagt du bist genialer als Mozart.“

Achtung: Vom 31.08.10 bis zum 31.10.10 habt ihr Zeit eure WG oder Wohnung für eins von 5 Herr von Grau Konzerten zu bewerben. Dreht ein kurzes Video von euch und eurer WG und zeigt, warum Herr von Grau gerade zu euch nach Hause kommen soll.

Ladet euer Video bei Youtube hoch und postet den Link auf dem Herr von Grau Profil bei Facebook, Myspace oder schickt den Link an mail@herrvongrau.de.

WG Tourtrailer

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8 Sep 2010

Herr von Grau – Revue

Author: holzkohle | Filed under: CD / LP Reviews, Reviews

Nach ihren Erfolgsalben Brut de Femme und Dans Ma Bulle, das bestverkaufte Album des Jahres 2006 in Frankreich, veröffentlichte Diam’s Anfang des Jahres das Album S.O.S.

Wenig innovativ scheint das Konzept auf den ersten Blick. Eine Frau, die über Probleme, Anerkennung und Integration rappt. Diam’s die auf Zypern geboren wurde, ging mit ihrer Mutter im Alter von vier Jahren nach Frankreich und fand trotz ihres Erfolges nicht wonach sie suchte. Offen und ehrlich berichtet sie in ihrem Album S.O.S über ihre Auszeit, die sie sich zwischen den Alben nahm und ihren Reisen durch Afrika. Auf dem Album verarbeitet sie diese Erfahrungen und rechtfertigt ihre Konvertierung zum Islam welche ihr in der internationalen Presse Missmut eintrug.

In ihrer ersten Singleauskopplung des Albums Enfants Du Désert bringt sie es auf den Punkt. In den drei Jahren, die sie zwischen diesem und dem letzten Album brauchte ist sie aus der Blase, in der sie lebte, entflohen. (Je suis sortie de ma bulle) – bedeutet gleichzeitig, dass sie sich von ihrem letzen Album distanziert.

In Peter Pan zeigt Diam’s die Konsequenz ihrer Reisen und ihres Wissens um die Welt auf und kommt zum Schluss, dass es besser ist nicht erwachsen zu werden, wie eben Peter Pan, denn die Welt sei viel zu hässlich, genau wie die Pariser Metro. (le monde est moche comme le brushing de Marine, moche comme le métro de Paris). Diam’s reichte das Rappen über die Missstände, die sie vorfand nicht, eröffnete eine Stiftung und scheut auch nicht davor zurück in Si C’était Le Dernier einen Spendenaufruf zu starten.

Alles in allem ein sehr persönliches Album, das eine Spannweite von Rap bis Balladen alles aufweist. Sollte im Französisch-Regal der CD-Sammlung nicht fehlen.

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7 Sep 2010

DIAM’S-S.O.S

Author: shaaawty | Filed under: CD / LP Reviews, Reviews

Der dritte Teil der „Step Up“-Reihe leitet das 3D-Zeitalter für Tanzfilme ein. Der Soundtrack begleitet die Story aus dem New Yorker Untergrund dabei standesgemäß mit jeder Menge tanzbarem Material. Den Anfang machen Flo Rida und David Guetta mit dem sehr poppigen „Club can’t handle me“, das selbst mir als heimlichen Guetta-Fan zu weichgespült vorkommt. Der Theme-Song „My own step“ von T-Pain und Roscoe Dash ist da schon mehr meine Sache, auch wenn Auto-Tune echt nicht mehr sein muss. Trotzdem feines Polow da Don Material.

Neben obligatorischen Tanznummern, die für meine Begriffe entweder in den Film oder in die Tanzschule gehören wie „This Instant“, „Up“ oder die Latin-Helden Wisin y Yandel mit ihrem „Irresistible“, findet ihr Musik für die Liebesszenen im Film, oder in eurem Leben mit R’n'B von Trey Songz („Already Taken“) oder „This Girl“ von Laza Morgan. Die tanzende Clowns-Fraktion bekommt mit dem abgedrehten „Freak“ den perfekten Mix aus Soul II Soul, Missy Elliot und einem Zuckerschock. Auch „Wachadoin?“ von N.A.S.A., (M.I.A., Spank Rock, Santigold, Nick Zinner) weiß in einer Art und Weise zu überzeugen, die den Jungs von N.E.R.D. nicht nur durch die Namensgebung sehr nah kommt.

Neben recht neuen Tracks finden sich mit „Tear da Roof off“ von Busta oder „Move if you wanna“ von Mims auch alte Bekannte wieder, die ihre Qualität schon in diversen Club-Runden bewiesen haben. Mein persönlicher Favorit ist übrigens das housige „Fancy Footwork“, das ein bisschen nach der Mischung Timberlake – Timbaland klingt.

Ein Soundtrack der für den Film passt wie die Faust aufs Auge und euch Gelegenheit geben sollte die Schritte von Luke und Nat zu hause nachzuvollziehen. Sollte das nicht euer Ziel sein, habt ihr hier noch kurzweilige Musik zum nebenbei hören.

Wer den Film noch nicht kennt, hier einer kleiner Auszug aus dem Plot, mit dem Versuch nicht übermäßig zu spoilern: Luke und Natalie finden sich im dritten „Step Up“-Teil mit Dance-Newcomer Moose zusammen und müssen sich in einem Contest mit den besten Hip-Hop-Tänzern der Welt messen.

Gewinnspiel: Wir verlosen zum Kinostart von „Step Up 3D“ 2 Kinokarten. Alles was ihr tun müsst, ist bis zum 02.09.2010 eine Email an gewinnspiel@raplounge.de mit dem Betreff „One Move“ zu schreiben.

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27 Aug 2010

Step Up 3D: O.S.T. und Gewinnspiel

Author: holzkohle | Filed under: CD / LP Reviews, Reviews

Cindy Mayweather, Adroid aus dem Jahre 2719, a.k.a. Janelle Monáe , lädt euch ein auf eine intergalaktische Erkundungsreise voller Soul, Funk und Rock´n´Roll. Big Boi, Chuck Lightning und Nate Wonder greifen ihr dabei mit ihren Beatgerüsten unter die Arme, um den Aufprall auf die Erde federweich abzufangen.

Um euch den Einstieg in die abgedrehte Welt von Janelle zu erleichtern sei gesagt, dass sie ihre Inspiration aus dem Stummfilmklassiker „Metropolis“, dem Cover einer Stevie Wonder LP, Salvador Dali, Peter Pan oder „Princess Leia’s cinammon burns hairstyle“ gezogen hat. Ha!

Nach der EP „Metropolis – The Chase Suite“, die ihr bereits die erste Grammy Nominierung bescherte, kommt nun also das Debüt-Album “The ArchAndroid” über Diddys Label Bad Boy. Den roten Faden dieses Albums zu beschreiben ist wie ihr vielleicht schon bemerkt habt eine recht schwierige Aufgabe. Während „Cold War“ politisch aber tanzbar abgeht wie ein Zäpfchen, ist “Oh Maker” wahrscheinlich in San Francisco unter dem Einfluss vieler Blumenkinder entstanden. „Mushrooms & Roses” dagegen ist wie eine Mischung aus Hendrix und den Franzosen von Air. Die erste Single „Tightrope“ featured Outkasts Big Boy himself und wird die Tanzflure entern: „You gotta tip on the tightrope”, funky wie James Brown. In bester Androiden-Manier auch “Make the Bus”, ein Feature mit der Dance-Punk-Formation Of Montreal, die beweist dass Roboter auch mal nonsense verzapfen können: “I’m standing over you eating juicy fruits till it gets in your eye”.

Wenn Diddy sagt “Janelle Monáe ist eines der wichtigsten Signings meiner Karriere” und Andre 3000 sie als “lebende, singende, Babydoll” bezeichnet darf man getrost aufhorchen. Zwar sind einige Konzepte sehr, sehr abgehoben, bleiben musikalisch aber zum Glück bodenständig. Ich für meinen Teil feier das Ding sehr und bin gespannt wie Ms. Monáe die Energie der Platte live umsetzen kann.

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19 Aug 2010

Janelle Monáe – The ArchAndroid

Author: holzkohle | Filed under: CD / LP Reviews, News

Eko Fresh, dass sind 10 Jahre im Game voller Erfolg, Missgunst, Peinlichkeiten und Streitereien. Als gehypter 16jähriger fing er damals an und ist als 26jähriges „gebranntes Kind“ zurück, um mit einem neuen Album allen Neidern zu beweisen, dass er eben doch mehr kann als Pop-Tracks schreiben.

Es ist toll, Eko Fresh zu sein. Schließlich bin ich der medienkompatibelste Rapper des Landes, der es mit Talent und Können bis in die Mainstreammedien geschafft hat.“

Naja der zweifelhaft ruhmreiche Titel des medienkompatibelsten Rappers des Landes wird mittlerweile ja heftig umkämpft und einen definitiven Gewinner kann ich da noch nicht ausmachen. Mit Tracks wie „Königin der Nacht“ oder „Frei wie ein Vogel“ legt Ek die Messlatte aber ganz schön weit nach oben. Als jemand der die Charts jedoch nur bedingt genießen kann und noch nie „Hit 1“ an die 8878 geschickt hat, muss ich von solchen Kompositionen leider Abstand nehmen.

„Frei wie ein Vogel“ hätte er meiner Meinung nach auch für andere schreiben können und das Singen somit den Leuten überlassen die etwas davon verstehen. Zum Beispiel CJ Taylor. Hat ja bei „Heb ab“ auch gut funktioniert.

Ich bin einfach nur im Reinen mit mir und das hat sich auch auf die Albumproduktion übertragen. Ich bin nicht mehr bloß ein Rapper, sondern über die Jahre zu einem richtigen Songwriter gereift. Und in das Lied „Königin der Nacht“ hab ich all das von mir reingelegt, was ich als Songwriter zu geben imstande bin.“

Offensichtlich war er bereit eine große Portion Dr. Alban in den Beat zu legen und vermischte das Ganze mit Schmalz, Butter und Jelly.

Besser sind da schon die „richtige“ Raptracks wie „Wieder Fresh“ (v.B.z.P.z. = vom Bordstein zur Punchline zurück), „G.D. Anthem“ mit Farid Bang oder „Widerstand“ mit Summer Cem, Farid Bang und Bass Sultan Hengzt, auch wenn ich auf den einen oder anderen Chorus gern verzichtet hätte. Die klingen doch manchmal eher wie nachträglich und auf Druck eingefügt.

Weiter nach unten geht es dann mit „Ek lass nach“: „Oh Schreck Oh Schreck der Ek ist weg wo hat er sich versteckt? Der frühe Vogel fängt den Wurm, er flattert nicht mehr weg. Das Plattenbiz will Ek, aber Eko ist jetzt Modezar. Was ich von euch hör’ ist leider nur so lala. Au revoir, bye bye, hasta la vista, ich steig in die Business-Class mit einem Wasserkanister.“ So eine Aneinanderreihung von nichtssagenden Reimen hab ich seit dem letzten Eko-Album nicht mehr gehört. Getoppt, im negativen Sinn, wird das Ganze nur noch durch „Ich komm krass“ ft. Stefan von Erkan & Stefan, zu dem mir mal gar nichts mehr einfällt außer : „Aua!“.

„Was kostet die Welt?“ oder wie ich es gern nenne „Wer hat Eko diesen dämlichen Zylinder aufgesetzt?“, ist die Ego-Fahrt von Ekrem Bora auf Albumlänge 2010. Nichts was man nicht schon in den vorherigen Veröffentlichungen gehört hätte. Nicht dabei sind ein Rezept für Yayla corbasi, oder ein Martin Rütter Feature, dafür haben Phat Crispy, Monroe und Serious Sam produziert. Ich würde entweder zur Instrumental LP greifen (als wenn es so etwas heute noch geben würde) oder das Ding im Regal stehen lassen.

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23 Jul 2010

Eko Fresh – Was kostet die Welt?

Author: holzkohle | Filed under: CD / LP Reviews, Reviews

Dyme Def bestehen aus den drei Rappern Fearce, SEV und Brainstorm und machen seit 1999 zusammen Musik. Nach der „Panic“ EP und dem Debut-Album “Space Music”, haben sie sich mit dem Shirt-Hersteller Two In The Shirt (T.I.T.S.) und 800LB zusammengeschlossen und releasen ihr Konzept-Album „Sex Tape“. Wie der Name schon vermuten lässt bekommt ihr 11 frivole Tracks produziert von Brainstorm, BeanOne, Tryfe und Tha Bizness. “The Panic EP was our first themed project, where we were talking about the economy, and we wanted to do another one,” sagt Fearce zum Tape, “this time we wanted to lighten it up and talk about sex.” Und genau das ziehen sie auch über Album-Länge durch. Eine gewisse thematische Beschränktheit lässt sich dabei nicht verleugnen.  „First Time“, „All night long“, „Wet Dreams“, irgendwann kennt man das Schema ohne den Track vorher gehört zu haben. Allerdings wird durch den guten Flow und Produktionen die sich zwischen Timbaland und Cool Kids ansiedeln, keine Langeweile aufkommen.

Musikalische Nähe zu Kid Cudie gespickt mit der sexuellen Prahlerei eines Orgi oder Frauenarztes. Das gab’s meiner Meinung nach noch nicht und es kann für ein paar Spins gewiss unterhalten. Übrigens wird T.I.T.S. zu jeder Single des Albums ein limitiertes Shirt veröffentlichen.

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14 Jul 2010

Dyme Def-Sex Tape

Author: holzkohle | Filed under: CD / LP Reviews, Reviews

Dwel kommt aus Hamburg und fing im Jahr 1998 damit an, Texte auf Deutsch zu verfassen. Mit „Megaherz“ veröffentlicht er nach „Bis hier – Best of Unreleased 2001-2008“ seine zweites Werk. Hören konnte man ihn jedoch auch schon auf dem Raportaz Sampler „Unter Wert“ von 2007. Doch worum geht es nun bei „Megaherz“? Diese Antwort gibt Dwel im gleichnamigen ersten Track des Albums: „Es geht um die Pflicht, es geht um die Kür, es geht um ein’ Fuß im Game, ein’ in der Tür. Um Rap von der Straße voll Hoffnung und Liebe.“

Und ja ich muss zugeben, den Fuß im Game hat er mit dem Album definitiv. Mit „Live dabei“ schafft er es einen hellwachen Motivationssong zu schreiben, der Lust auf Aktion, Lust auf den kommenden Tag macht. Fröhlich und Uplifting und im krassen Gegensatz zu vielen anderen Songs der CD. Denn schon der Nachfolger „Gardinenpredigt“ zieht einen mit dem gesampelten Regen magisch nach unten. Ein Misanthrop der sich zu hause verkriecht, in Depressionen badet und seinen miesen Gefühlen freien Lauf lässt: „Zieh die Gardinen zu, trink einen rauch’ eine, lass die Gardinen zu, trink einen rauch’ einen, zünd die Gardinen an, trink einen atme Rauch einen – bis das Licht erlischt und ich nicht mehr bin“. Auch „Vier Wände“ die Geschichte über die eigene Wohnung und den Leuten, welche sie vielleicht schon beherbergt hat kommt nicht viel optimistischer um die Ecke. Das mit heiterem Sample und Gesang viel versprechende „Homie“ nimmt einem schnell den anfänglichen Enthusiasmus. Klar, der berappte Gast, den Dwel nach langer Zeit wieder bei sich aufnimmt und sich im Grunde über das Wiedersehen freut, ist eine gute Sache, das schlechte Gewissen das der Song bei mir erzeugt, sich viel zu lange nicht bei alten Homies  gemeldet zu haben, hinterlässt jedoch einen faden Beigeschmack.

Zum Glück gibt es da noch die letzten beiden Tracks, ohne die man das Album fast schon so depressiv einschätzen könnte wie eine Smiths LP: „Suchmaschine“ und „Große Freiheit“. Während ersteres sich mit den Suchanfragen des Lebens beschäftigt („Ich such bis „er hat’s gefunden auf meinem Grab steht““) fühlt sich der letzte Track wie der sprichwörtlich fallende Stein vom Herzen an. Die Last, die von Dwel mit dem Album-Release fällt, ist hier in jedem Takt spürbar. Geschlossen wird der letzte offizielle Track mit den Worten von Peter Altenberg „Gott denkt in den Genies, träumt in den Dichtern und schläft in den übrigen Menschen.“

Ein Album für „Mind, Body und Soul“ das, so sagt es der Waschzettel, in „zahlreichen schlaflosen Nächten aus Texten von ’05 bis ’09“ entstanden ist. Ich denke die verschiedenen Gemütszustände während des Schreibens, zeichnen sich perfekt in den einzelnen Songs ab. Zum nebenbei Hören definitiv zu schade.

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13 Jul 2010

Dwel-Megaherz

Author: holzkohle | Filed under: CD / LP Reviews, Reviews