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Archive for the ‘Interviews’ Category

Aus dem ehemaligen Rapper Jonesmann wurde der Sänger Samson Jones. Mit der EP “Sehnsucht” und dem dazugehörigen Video machte Samson in der letzten Woche auf sich aufmerksam. Zeit für uns ein paar Fragen zur neuen EP, zum angekündigten Album und zu einem ominösen Buch zu stellen.

Erst mal „Hallo“ Samson, „Jonesmann“ darf man wahrscheinlich nicht mehr zu dir sagen, oder?

J: Naja, nicht mehr wirklich.

Du hast mit dem Namenswechsel das Rappen ja mehr oder weniger aufgegeben. Ist das eine definitive Sache? Wirst du nie wieder rappen?

J: Ja ich will jetzt nicht sagen, dass ich nie wieder rappe. Ich konzentriere mich im Moment auf den neuen Weg mit Samson Jones. Ich will mit dem neuen Namen nur zeigen, dass ich jetzt der Sänger bin und den RnB-Pop-Weg durchziehe. Ob ich jetzt nochmal als Jonesmann ins Studio gehe glaube ich jetzt eher nicht, aber  ich will jetzt auch nicht sagen, dass ich nie wieder irgendwo einen Part rappe.

Es ist für mich halt so ein rigoroser Schritt den Namen zu wechseln. Du hast dir als Jonesmann schon einen gewissen Namen gemacht, stehst für eine bestimmte Art von Musik, hast ein Publikum und als Samson ist es wie ein Neustart, du musst die Leute erst wieder für dich gewinnen

J: Das stimmt allerdings. Ich hoffe jedoch, dass die erste Pressemitteilung in der es hieß, dass Jonesmann zu Samson Jones wird eine Menge Fans und Leute, die eben Jonesmann gefeiert haben erreicht hat.  Durch „Sehnsucht“, auf das eben viele Jonesmann-Fans gewartet haben und was jetzt eben unter Samson Jones releast wird, denke ich hat man schon eine solide Basis an Leuten. Klar, viele Leute die nicht im Internet sind und diese News nicht verfolgt haben, sich jetzt über die Sache mit dem Namen wundern, ist es natürlich schwierig. Ich denke aber, dass sich das alles in den nächsten Monaten rumspricht und es  dann der Letzte in vielleicht spätestens einem halben Jahr mitbekommen hat, dass ich, Samson Jones, eben der Jonesmann war.

Du hast die RnB-Geschichte ja schon länger verfolgt, Sachen gesungen, wie ist damals eigentlich die Entscheidung gefallen nicht nur zu rappen? Gab es ein prägendes Erlebnis, dass dich dazu bewogen hat auch mal eine Hook zu singen oder eben ein ganzes Lied?

J: Früher als ich noch mit den Chabs unterwegs war, mit Jeyz und so, also fast vor 20 Jahren, hab ich schon viel RnB gehört. Ich wollte meine Rap-Sachen aber eigentlich ohne gesungene Hooks haben, ich wollte lange Zeit diesen Underground-Film fahren. Ich war vom Gesang natürlich auch ab und an geflasht, mein Rap sollte aber immer „raw“ bleiben. Mit der Zeit hat sich das dann aber gewandelt. Im Studio hab ich, als die anderen geschrieben haben, ab und an angefangen zu summen und zum Beat zu singen. Dann haben mich ein paar Leute natürlich komisch angeschaut so wie „was geht’n mit dem ab?“. Irgendwann hab ich dann halt mal eine Hook gesungen und die Leute haben gesagt, dass es gar nicht schlecht sei was ich da gemacht hab, also hab ich dann mal für einen Song eine komplette Hook übernommen. Dann kam diese Jonesmann Solo-Phase und ich hab angefangen meine Hooks selber zu singen, Leute kamen auf mich zu, wollten Hooks von mir haben. So bin ich langsam in das Ganze reingewachsen, das Singen kam einfach aus mir raus. Irgendwann kam dann der Tag wo ich mit Lex Barkey im Studio einen RnB-Song aufgenommen hab. Es war also ein langer Prozess von der ersten Hook, zum ersten Part bis hin zum ersten Song. Natürlich hat es dann auch noch eine Weile gedauert bis ich einen Song so gesungen habe, dass ich mich getraut habe ihn zu releasen.

Hast du eigentlich eine Gesangsausbildung?

J: Nein, leider nicht. Ich hatte ein paar Gesangsstunden, aber das waren wirklich nicht viele. Vielleicht war ich vier oder fünfmal bei einer Gesangslehrerin, die auch sehr gut ist. Vielleicht mach ich da in Zukunft mal noch mehr, hätte ich auf jeden Fall auch noch nötig (lacht). Es hilft einem natürlich im Studio, das man da noch mehr machen kann und weiter kommt, aber auch vor allem live. Ich hatte ja jetzt noch nicht die Über-Shows…wenn man in einem kleinen Club auftritt und nur ein Clubset spielt, merkt man nicht dass man noch nicht so weit ist. Wenn man dann aber einen richtigen Auftritt, in einer großen Location, vielleicht sogar noch mit einer Band hat, dann stößt man denke ich schnell an seine Grenzen.

Du kennst ja jetzt sowohl die Rapper-, als auch die Sängerseite. Unterscheiden sich die Arbeitsweisen der beiden Rollen und wenn ja wie sehr?

J: Eigentlich nicht. Ich sitz genauso im Studio, bekomme Beats von verschiedenen Leuten zugeschickt, hör mir die an, geh verschiedene Ordner durch, flash dann auf einen Beat, bleib auf dem hängen und fang an zu schreiben. So war es beim Rap eigentlich auch, nur das ich heute versuche themenmäßig anders an die Sache heranzugehen. Das liegt aber vielleicht auch einfach daran das ich erwachsener bin und bestimmte Sachen anders beschreibe. Ich rede nicht mehr wie ein Jonesmann früher geredet hat, sage nicht mehr alles wie ich es früher gesagt habe. Ich versuche in manchen Dingen einfach vorsichtiger zu sein und mehr darüber nachzudenken.

Galt diese Herangehensweise auch den Themen auf der neuen EP?

J: Naja die EP ist ja jetzt nicht so entstanden das ich mir gesagt habe „Ich mach jetzt eine EP“. Wir wollten halt „Sehnsucht“ releasen und ich hab noch ein paar Songs von meinem Album dazu gepackt. Da waren fertige Songs, von denen ich eben einfach ein paar gepickt habe. Für die EP hab ich in dem Sinne nicht gearbeitet, sondern Songs zusammengeworfen und geguckt das alles passt.

Dann beschreib doch den Leuten, die die EP noch nicht gehört haben, kurz die Themen die du darauf behandelst.

J: Naja in „Sehnsucht“  geht es natürlich um Sehnsucht. Sehnsucht zu einer Frau, zu der man mehr oder weniger eine Beziehung hat, die man immer mal wieder sieht, immer mal wieder trifft, krasse Gefühle die auf einen eindreschen, wenn man ständig auf ein Wiedersehen hofft. Das war ein Kapitel aus dem Buch von Olaf Klein, was ich nur wiedergegeben und mit meinen Worten interpretiert hab. „Bis ans Meer“ ist ein sehr deeper Song, wo ich über einen guten Freund schreibe der sehr tief fällt. Ich rede ihm dann gut zu und spreche über seine Lage, weil es ihm nicht gut geht, er stolpert so durchs Leben. Ich sage ihm dann man kann es schaffen, aus dem Dschungel bis ans Meer. „Mein Star“ ist mehr so der 90er-Style RnB-Song in dem es um eine geile Frau geht. Das war einer meiner ersten Songs den ich überhaupt aufgenommen habe, das ist jetzt vielleicht so fünf bis sechs Jahre her. Ich hab schon immer überlegt ob ich den jetzt releasen soll oder nicht und bei der EP hab ich dann nicht gezögert. Lex hat den nochmal überarbeitet. „So viel“ ist dann schon fast ein Hip-Hop-Banger, wo man den alten Jones noch durchhört. Hier geht es einfach um meine Liebe zur Musik, das ich mich daran immer festhalten kann, daran klammer. Ich erzähl einfach wie sehr ich sie liebe.

Kannst du zu dem Buch von Olaf Klein etwas sagen?

J: Olaf schreibt an einem schönen Buch, zu dem er einen Soundtrack machen will, wo ein Rapper oder Sänger einen Song zu einem Kapitel schreibt. Das ganze zieht sich schon länger, „Sehnsucht“ und das Video dazu ist ja auch schon wieder ein Jahr alt. Zu dem Buch  an sich kann ich dir jetzt nicht so viel erzählen, ich hab halt nur das eine Kapitel gelesen, zu dem ich meinen Song geschrieben habe. Olaf hat gemeint er braucht noch ein bisschen, findet gerade auch keinen Verlag, also haben wir uns gedacht releasen wir den Song einfach schon mal. Da ich für die Arbeit an meinem Album eben auch noch etwas Zeit brauche, ist der Release der EP denke ich eine gute Sache. So bekommen die Samson-Jones-Fans schon etwas Material und Olaf etwas Aufmerksamkeit für sein Buch-Projekt.

Der Song „Sehnsucht“ ist schon etwas älter, das Video wie du sagtest auch schon…wann habt ihr das denn gedreht?

J: Letztes Jahr im Herbst glaube ich.

Habt ihr das alles also zurückgehalten, weil ihr dachtet das Buch wird bald fertig?

J: Ich will jetzt nicht zu viel erzählen oder mutmaßen, aber ich denke dass Olaf schon gedacht hat, dass sein Buch schneller fertig wird. Deswegen haben wir natürlich mit dem Release gewartet und alles lag halt erst mal rum. Wir haben dann mit Olaf nochmal gequatscht und er hat gemeint, dass es mit der Verlagssuche noch etwas länger dauert, so dass wir entschieden haben den Song jetzt schon zu releasen. Vielleicht gibt es dem Projekt ja auch einen Schub und es geht wieder voran…

Die EP wird nur digital erscheinen?

J: Ja, auf allen gängigen Plattformen, wo man MP3s kaufen kann.

Hat das mit der allgemein schlechten Lage am Musikmarkt zu tun? Ich freu mich persönlich ja immer bei Vinyl-Versionen.

J: Digital ist einfach ein unkomplizierter, schneller Weg. Für eine EP eine CD zu machen ist heutzutage auch unsinnig geworden. Die meisten Majors machen keine Singles mehr. Die Single kommt digital und das Album meist als physischer Tonträger. Man muss auch darauf achten wirtschaftlich zu arbeiten. Eine EP mit vier Songs als physischen Tonträger zu releasen…da bin ich mir nicht sicher. Digital-Schnell-Boom.

Wie weit bist du denn mit der Album-Produktion? Kann man da eine Prozentzahl nennen, oder kannst du sonst irgendwas verraten?

J: Ich habe viele Songs im Studio liegen und experimentiere in viele Richtungen, wie man auch an der EP schon an einigen Stellen sieht. Ich muss noch ein paar Songs machen, an den vorhandenen hier und da ein bisschen arbeiten. Dann muss ich mich mit mir selbst noch mal unterhalten, mit anderen Leuten reden und dann schauen wir. Dann kann ich auch erst mit News rausgehen und Sachen dazu erzählen.

Letzte Frage dann: Ich hab vorhin bei Youtube noch mal dein Video angeschaut und als Kommentar stand da, dass Fans dich gern beim Bundesvision-Song-Contest für Hessen sehen wollen. Was hältst du davon?

J: Find ich auf jeden Fall cool, dass Leute sowas sagen. Ich hätt auch gern da mitgemacht. Aber das geht glaube ich nur, wenn man ein Künstler ist, der auf einem Major ist und die das dann für einen klar machen. Als ich damals bei Subworld war hat man mich auch angemeldet, aber es hat dann leider nicht geklappt. Es freut mich aber, dass die Leute den Song so feiern, und ich danke auch allen Fans die so hammergeiles Feedback geben. Ich hätte auf jeden Fall sehr gerne beim Bundesvision-Song-Contest mit dem Song mitgemacht.

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31 Aug 2010

Samson Jones Interview vom 24.08.2010

Author: holzkohle | Filed under: Interviews

Mit “Kein Happy End” releasten die Antihelden am 25.06. diesen Jahres ihr erstes gemeinsames Album. Doch in Hip-Hop-Deutschland sind Abroo und Dra-Q schon lange keine Unbekannten mehr. Hier könnt ihr erfahren was echte Helden ausmacht und  ob Rap etwas gegen soziale Ungerechtigkeit tun kann.

Antihelden ist ja ein recht ungewöhnlicher Name.  Wodurch wurdet ihr dazu inspiriert? Und was waren Alternativen?

Q:   Alternativen waren gar nicht wirklich vorhanden, Abroo kam mit der Idee an und ich hab es gleich gefeiert… es passt einfach auch gut. Die Inspiration kam aus dem Nichts

A:   So ungewöhnlich finde ich es gar nicht. Es gibt enorm viele Filme oder Bücher in denen es Antihelden gibt die jeder mag, aber sie keiner als solche erkennt. Ich habe schon immer mit den Anti-Charakteren mitgefiebert. Egal ob es der Dude aus „Big Lebowski“, Dr. Gonzo oder ein Peter Griffin ist, man mag sie viel lieber als die Helden, die einem aufgedrückt werden. So ist es auch mit der Musik-Szene! So kam ich auf den Namen.

Rapper, beziehungsweise Leute die im Rampenlicht stehen, sind für viele ja sowas wie Idole…wollt ihr mit dem Namen „Antihelden“ dem gleich den Wind aus den Segeln nehmen?

Q:   Idole sind wir nicht, wollen wir eigentlich auch nicht sein … mein Leben ist viel zu verkorkst um als Vorbild genommen werden zu können. Im Endeffekt möchten wir zwar schon etwas vermitteln, aber das sind ja unsere Ansichten, somit zwangsläufig subjektiv. Kids sollen sich eine eigene Meinung durch Erfahrungen bilden und älteren die unsere Musik hören, kann man eh nicht mehr wirklich als Vorbild hilfreich sein.

A:   Heute wachsen Kids ohne Idole auf. Früher waren es Sportler, die Eltern oder einfach kluge Köpfe wie Politiker und Schriftsteller. Für all diese Dinge interessieren sich Jugendliche heute nicht mehr. Sie hören aber noch Musik. Klar haben wir eine Vorbilderrolle, aber wir kommen eben nicht mit dem Lehrer-Ton und dem Zeigefinger um Ihnen zu sagen, was man tut und was nicht.

Im Text werden auch mal Comics erwähnt, im Booklet hat Dra-Q ein „Superman ist schwul“-Shirt an. Wie steht ihr denn zu Superhelden und Superhelden Figuren?

Q:  Ich mag Comics aber eher dieses „Graphic Novel“ Ding. Scalped ist eine Hammer Serie. In diesen Comics fehlen typische Helden komplett. Diese ganzen Superhelden sind mir schlichtweg zu langeilig … der einzige der da noch interessant ist, ist Batman, da der ja auch nicht unbedingt der strahlende Held ist – eher ein gefallener Amokläufer mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und zu viel Geld.

A:  Also ich feier den Punisher, Spawn oder auch Watchmen. Sie haben alle Dreck am Stecken und sind nicht so unbedingt moralisch einwandfrei. Das ist irgendwie menschlicher als diese glatt geleckten Superhelden wie Superman oder Spiderman. Diese scheinheilige „Welt-Retterei“ geht mir auf den Sack. Mutter Theresa im Cape will doch keiner haben. Ohne Ecken und Kanten macht  auch der beste Held keinen Spass, oder?

Wer ist für euch ein Superheld?

Q:   Ein Held ist für mich jemand, der sein eigenes Leben perfekt auf die Reihe bekommt und sich und seiner Umgebung, seiner Familie und seinen Freunden hilft und für sie da ist. Die Welt kann man eh nicht ändern – man kann sich selbst und seine nähere Umgebung aber positiv beeinflussen … und das machen die wenigsten.

A:  Es gibt keine Superhelden…das sind unsere Feinde! So Bloods und Crips Style. Außerdem ist das Wort „Super“ schon schwul genug. Klingt so nach Ausverkauf und Sell Out. Deswegen auch „Supermarkt“. Für mich sind Helden Typen die schwer schuften gehen und danach noch mit ihrem Kind spielen und ihre Frau zum Lachen bringen, obwohl sie richtig fertig sind und lieber chillen würden. Oder Notärzte die für echt wenig Kohle Leben retten und da klatscht keiner Applaus wie für Piloten bei Flugzeuglandungen. Seltsam aber wahr!

„Glühbirnengesellschaft“, „Weltanschauung“ oder „Industry is fuckt“ zeichnen kein gutes Bild der heutigen Gesellschaft, auf einen Solo-Weltretter kann man lange warten. Wie seht ihr  eure Rolle als Rapper dabei? Kommentiert ihr bloße Zustände oder denkt ihr Rap kann etwas verändern?

Q:   Wir können die Probleme nicht lösen aber wir können auf sie hinweisen und zum nachdenken anregen. Das ist es was Rapper machen können. Was Leute, die in der Öffentlichkeit stehen, machen sollten … nicht nur, wir schreiben auch Hip-Hop-Ego Battlerapshit … oder andere kranke Scheiße. Aber alles in allem denke ich, dass das Kommentieren von Zuständen dazu beiträgt, dass sie sich ändern können.

A:   Rap selbst kann gar nichts verändern. Die Menschen müssen den Schalter im Kopf ganz alleine umlegen. Die Zeit der Revolutionen ist längst vorbei. Man hat uns alle schön stumm gemacht. Das ändern auch keine einzelnen Rap-Songs. Leute in Foren unterhalten sich jahrelang über Flows und coole Sprüche. Inhalte erkennen die meisten nicht mal wenn man sie drauf hinweist. Dazu kommt, dass die heutige Generation nur noch tanzen und stumpf sein will. Da stören politische oder sozialkritische Texte doch nur. Keep on dancing!

„Kein Happy End“ als Album-Titel macht da ja auch nicht sehr viel Mut…

Q:   Stimmt, aber wer auf ein Happy End wartet, der wartet vergebens. Das Leben ist leider zu real, um schön zu sein. Die Realität zerstört Träume und fickt das Leben zu gern. Für mich ist Hoffnung mittlerweile eher ein Fluch als etwas woran ich mich festhalten kann.

A:   Dein letztes Album hieß doch „Hoffnung“ oder nicht? Hehe. Ganz so pessimistisch bin ich da nicht. Für mich bedeutet „Kein Happy End“ nur, dass man in jeder Hinsicht auf ein schlechtes Ende zusteuert. Musik, Medien, Werte, Schulsysteme, Verrohung der Menschen, Politik…alles geht den Bach runter. Aber ich würde trotzdem Kinder in die Welt setzen wollen. Außerdem gibt es Menschen, wie meine Mutter, die definitiv kein happy end hatten und sich jahrelang Richtung Tod gequält haben. Uns geht’s doch eigentlich gut. Wir müssen nur ab und zu dran erinnert werden wie klein unsere persönlichen Probleme im Bezug auf „wirkliche Probleme“ sind. Der Titel „Kein Happy End“ lässt viel Platz für Interpretation. Gut so.

In den Texten bezeichnet ihr euch oft als Ü30, „bin kein Teenager mehr“ oder „weil ich wahrscheinlich älter bin“. Geht euch der jugendliche Wahn und damit Jugendliches Gepose auf den Sack?

Q:   Machen wir doch selbst noch teilweise … hahaha … bei mir hat das ständige Hinweisen auf das Alter eher mit der Rolle von Hip Hop gerade in der deutschen Gesellschaft zu tun. Mir geht es einfach tierisch auf den Sack von irgendwelchen Mittzwanzigern erzählt zu bekommen, sie hätten „früher“ ja auch mal Hip Hop gehört. Hip Hop ist mein Leben seit mehr als 20 Jahren, ich habe das in Tinte auf der Haut. Hip Hop lebt man und folgt nicht ein paar Jahren einem Trend. Ich geh jeden Tag so wie ich bin ins Büro und hab damit kein Problem ein Fitted Cap zu tragen und weitere Hosen.

A:  Ich musste immer schmunzeln wenn FR einen „back in the days“ Song gemacht hat. Die Jugend von heute kann auch einfach gar nichts dafür, dass sie nun mal so spät geboren wurde. Das Gepose nervt aber schon ein wenig. Die lächeln alle nicht mehr und haben ein so unwahrscheinlich schweres, hartes Leben gehabt. Mit 17. Es ist cool jemanden zu kennen der im Knast sitzt. Wann war der Zeitpunkt an dem das normal wurde? Es ist tierisch cool einen Wortschatz  von 20 Worten zu haben und keinen Satz fehlerfrei schreiben zu können. Seit wann ist das der neue Swagger geworden? Generation Doomed!

Die falsche Ghettoromantik, die in den Medien oder in Texten anderer Rapper propagiert wird ist ja nicht so euer Ding…

Q:   Nö, jeder hat Scheiße erlebt … in einer Stadt wie Berlin ist jeder schon einmal mit  Drogen in Berührung gekommen … oder mit Waffen und Gewalt … aber alles was ich damit erlebt habe war nichts Schönes … warum soll ich es also glorifizieren? All diese Kids, die in ihrem Kinderzimmer vom harten Gangsterleben erzählen, haben damit doch nie etwas zu tun gehabt. Jeder der darüber rappt, wie geil die ganze Scheiße ist, obwohl er sie erlebt hat, wird irgendwann aufwachen und feststellen, dass es eben doch nicht so geil war.

A:  Ist gar nicht mein Ding! Ich wohne auf einem Bauernhof. Das ist die bessere Romantik. Natur und Tiere und so. Hahaha. Ehrlich gesagt war ich immer ein Gegner des Wortes „Ghetto“ in Deutsch-Rap-Texten. Die Gründe brauch ich ja wohl nicht erläutern. Gegen Papphütten und Seuchen-Tode sehen unsere Problembezirke immer noch gut aus. Man kann ja mal an anderen Orten auf der Welt nach Hartz 4 – Bezügen, Klingeltönen oder Public Viewing fragen.

Bemerkenswert finde ich auch das Design der CD mit dem Schuber im Grünen und dem Cover mit dem Enzeit-Szenario…was wollt ihr damit ausdrücken?

Q:   Wir wollten etwas Besonderes machen. Artwork und Booklet sind für Sammler und Musikliebhaber wichtig, sonst könnten sich ja alle einfach nur MP3s ziehen. Auf dem Pappschuber, der erst als WM Gag begann, wird die Welt eben spießbürgerlich überzeichnet gezeigt. Hinter den Kulissen sieht sie aber leider anders aus.

A:   Ich war nur Mitläufer.

Abroo, du willst bald den Kellner für Hammer& Zirkel bei deren Superfan 2010 Aktion machen, wie kam es dazu und hast du Erfahrung im Kellner-Gewerbe?

A:   Nein. Ich kenne nur die andere Seite der Bar. Ich fand ihre Aktion lustig und wollte  meine Dienste anbieten. Es wird dann eh Jägermeister geben. Nichts mit Brause.

Dra-Q, du sprichst das MCDonalds-Rapper Image mehrmals im Text an, wie lang hängt einem sowas denn nach und würdest du es wieder tun?

Q:   Jeder Blogger, Hater, Kritiker schreibt vom McDonalds Rapper, dabei reicht ein Blick auf Wikipedia, um zu sehen, dass ich noch weitaus mehr und auch weitaus früher gemacht habe. Ich muss mich für gar nichts rechtfertigen, es gab ordentlich Cash für ein paar Reime, die ich unter ein paar Werbeclips gehauen hab. So what?!? Ich würde das jederzeit wieder machen. Und ich gehe mit dem Thema einfach offen um, warum auch nicht?

Wie kam es zu dem Sabac Red Feature und wie war die Zusammenarbeit?

Q:    Sabac hatte eine spontane Show in Berlin und Manuu (DJ Illegal) hatte uns vorher per E-Mail vorgestellt. Wir waren an dem Abend 3h lang am quatschen und haben uns am nächsten Tag getroffen und sind durch Berlin gezogen… ich hab ihm ein paar Storys erzählt wie es vor dem Mauerfall war und so weiter … dann haben wir uns noch ein paar Bierchen gekauft, bei mir gechillt, Tracks und Beats gehört. Er meinte dann irgendwann, wir sollten doch einfach einen Track zusammen machen.

A:   So wars! Ich war wieder nur Mitläufer. Aber hab mich natürlich gefreut.

Wie war euer Eindruck vom diesjährigen splash!?

Q:   Ich war nicht da, die hatten kein Interesse daran uns zu booken, können sie ja nächstes Mal machen … dieses Jahr feiern wir auf dem Hip Hop Kemp!

A:   Dieses Jahr war ich auch nicht da. Vielleicht sind wir ja nächstes Jahr da auf der Bühne. Jetzt wird erst mal das Hip Hop Kemp abgerissen. 40 Minuten Show! Es wird der Endgegner-Shit!

Was kann man in naher oder ferner Zukunft von euch erwarten, oder war die Zusammenarbeit ein einmaliges Ding?

Q:   Die Arbeit am zweiten Album beginnt … ich glaube wir haben uns da musikalisch und menschlich gefunden … (no homo) Da wird noch einiges passieren.

A:   Antihelden machen noch mehr! Wir können jetzt nicht aufhören. Hat zu viel Spaß gemacht. Für uns gibt es vielleicht doch noch ein Happy End.

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25 Aug 2010

Antihelden Interview 18.08.2010

Author: holzkohle | Filed under: Interviews

Wir sprachen mit dem Firma-Rapper Tatwaffe über das neue Album “Das sechste Kapitel”. Wie wurde aufgenommen, welche Probleme gab es und was machen eigentlich Gianni und Nesti?

Euer neues Album erscheint am 28.05.2010 und heißt „Das sechste Kapitel“. Gibt es da einen Zusammenhang zum 1999er Album „Das zweite Kapitel“?

So eine Titelauswahl gestaltet sich natürlich immer schwierig. Man sucht den Titel, der 15-20 Lieder am besten zusammenfasst. Diesmal war es mit am schwersten. Alle Alternativen die wir gefunden haben waren viel zu hochtrabend, zu gewaltig, oder zu sanft. Dann haben wir überlegt, ob wir eine Zahl mit reinnehmen sollen in den Titel. Wir hatten „Das zweite Kapitel“, „Das dritte Auge“…dann haben wir gesagt wir nehmen die sechs mit in den Titel.  Außerdem war „Das zweite Kapitel“ auch schon sehr orchestral und jetzt haben wir eben mit einem Orchester aufgenommen, also hat der Titel schon gepasst.

Du hast es erwähnt, das Album wurde zusammen mit einem Orchester eingespielt. Ein 50-köpfiges Symphonieorchester hab ich gelesen…wie seid ihr auf die Idee gekommen und wir war die Zusammenarbeit?

Also ich selber war bei den Aufnahmen mit dem Orchester nicht dabei, aber ich kann dir natürlich alles berichten. Die Idee kam durch den Verleger vom Daniel (Fader Gladiator), der als wir überlegt haben in welche Richtung das Album gehen soll, gesagt hat:  „Hör mal ihr habt immer Orchester gemacht und wer weiß ob es ohne euch zu diesem orchestralen Hip-Hop-Sound in Deutschland gekommen wäre, warum nehmt ihr nicht einfach ein Orchester und macht mal.“. Das war vor 2 Jahren ungefähr. Wir haben dann erst mal so aufgenommen, als würden wir ein ganz normales Album machen und dann geschaut was davon weg kann und was mit einem Orchester gut rüberkommen würde. Als wir dann die 16 Stücke hatten, hat der Verleger (John, von Melodie der Welten) einen Arrangeur zur Hand gehabt. Der hat dann alles für Flöte, Pauken und Trompeten usw. umgesetzt. Das ging dann eine ganze Weile hin und her bis er und Daniel einen gemeinsamen Nenner hatten. Danach wurde alles für die einzelnen Instrumente in Noten umgesetzt, die durfte Daniel dann erst mal binden. 100 Seiten für 50 Musiker oder so, er hat mir auf jeden Fall leidgetan. Dann ist er nach Tschechien und hat innerhalb von einem Tag alles einspielen lassen. Für jedes Lied hat das so um die 20 Minuten gedauert. Man muss dann noch beachten, dass Musiker die von Noten spielen nicht unbedingt Hip-Hop in den Adern haben oder gar den Beat im Kopf hören. Er musste also noch alles umeditieren, sprich alles was lang und getragen war, wurde kürzer und funky. Vom Text her musste ich dann auch noch einiges umbauen: wenn du richtige Streicher hast, die sich entfalten wollen und du hast pro Zeile 24 Silben, dann nimmst du dem Orchester die Luft zum atmen. Also haben wir das Album  nochmal ein bisschen umgeschrieben, dann aufgenommen und dann waren wir nach zwei Jahren fertig.

Reine Arbeitszeit zwei Jahre also?

Genau. Wir haben eigentlich zwei Alben aufgenommen, das normale Firma-Album produziert von Fader Gladiator und dann nochmal mit dem Orchester.

Wie stellt ihr euch denn die Live-Umsetzung von dem Album vor, mit einem großen Orchester durchs Land reisen wird ja wohl nicht funktionieren?

Stimmt, das wäre nur möglich wenn wir so viel Geld und Einfluss hätten wie Xavier Naidoo, dann sollte das kein Problem sein. Wir haben ein Schlagzeug dabei und sollte alles gut laufen, kann man sich überlegen noch ein Keyboard oder zwei Bläser dazu zu holen. Dann kann man das Gefühl wenigstens halbwegs wiedergeben. Bis dahin spielen wir die Sachen vom Band und packen das Live-Schlagzeug drüber. Natürlich wäre es schön mit einem Orchester und wenn es nur 10 Instrumente wären aufzutreten, aber gerade jetzt, in Zeiten in denen der Musikmarkt sich so reduziert, ist es einfach nur utopisch.

Ich würde gern noch auf ein paar Zitate von dir eingehen. Im Pressetext steht, dass die Firma mit dem Begriff „deutscher Hip-Hop“ nicht mehr viel zu tun hat. Also mit dem was heute als „deutscher Hip-Hop“ angesehen wird. Was bedeutet denn der Begriff für dich im Moment und wie einfach ist es für euch sich davon abzugrenzen?

Da muss ich etwas ausholen. Als ich angefangen habe und während der ersten zwei Firma-Alben ging es darum, verschiedene Leute mit verschiedenen Ansichten ihr Ding machen zu lassen. Jeder klang anders und machte seine eigene Schublade auf. Außerdem zeigte jeder Respekt dem gegenüber was der andere machte. Heute sehe ich das eben nicht mehr, für mich klingen fast alle gleich. Die paar eigenen Leuten die es gibt, sind nicht so erfolgreich wie sie sein sollten. Im Moment versucht jede zweite Gruppe zu klingen wie das was sich am meisten verkauft und das ist eben Bushido. Wenn du die ganzen Underground-Gruppen anschaust, ist der Flow der nicht wirklich einer ist übernommen. Die Punchlines, wenn es denn überhaupt welche sind, sind zum Teil eher lachhaft. Das ist leider mehr so ein Einheitsbrei geworden. Ich finde es gibt auch nicht mehr die typischen Hip-Hop-Fans, die welche die Firma geliebt haben, aber gleichzeitig auch RAG oder Asiatic Warriors cool fanden. Heute gibt es eben die Lager, Leute die Bushido nicht gut finden und auf Blumentopf-Konzerte gehen oder Leute die nur Samy Deluxe hören und sonst nix. Leute die sagen „da ist `ne Jam, da treten fünf Gruppen auf und keine klingt wie die andere – da geh ich hin“, gibt es heute nur noch selten. Das war früher der Antrieb auf Konzerte zu gehen. Vielfalt und Neues entdecken und zusammen Spaß haben. Heute sind es Massenkonzerte oder Freestyle-Battles wo jeder zweite nur „Opfer“ oder „Hurensohn“ sagt. Klar ist das jetzt etwas grob gefasst, sicher gibt es irgendwo immer noch Leute, die diese Mentalität besitzen oder im Untergrund versuchen lyrisch zu werden, aber die große Masse erstickt Eigenes leider im Keim.

Im Text ist die Rede auch von Musik für Erwachsene. Dass das Album dazu beitragen kann, ich zitiere mal eben, „das die Jugendkultur Hip-Hop auch bei Erwachsenen Anklang finden kann“. Denkst du, dass durch das Orchester dazu beigetragen wird?

Auch. Das macht eben unsere Gruppe aus. Wir haben von Anfang an auch viele 30-35-jährige auf unseren Konzerten gesehen, die über die Texte zu uns gekommen sind. Das jemand über Politik oder das Leben in seinen Texten redet war eben nicht alltäglich, aber ein roter Faden der sich durch die Firma-Geschichte zieht. Wir haben dadurch Leute zur Musik gebracht die mit Hip-Hop gar nichts zu tun hatten oder haben wollten.

Bei Live-Auftritten siehst du ja den Altersdurchschnitt der Leute die auf ein Firma-Konzert gehen. Wo liegt der ungefähr?

Ich würde sagen bei 22.

Also ist da auch etwa die Zielgruppe vom Firma-Sound?

So etwas gibt es bei uns nicht. Natürlich werden wir oft danach gefragt, nicht nur von der Presse, sondern auch von Booking-Agenturen, Labels und so weiter. Man hasst uns oder liebt uns, muss sich auf uns einlassen. Es gibt 12-jährige die sagen „Whoa“, 30-jährige die sagen „Whoa“, aber eben auch 12-jährige die sagen „Was soll das denn sein“ und 30-jährige die sagen „ah Rap, da hör ich gar nicht hin“.

Ich denke dass auch die Themenvielfalt auf dem Album einen Beitrag dazu leistet. Tracks wie „Jetzt“, ein reiner Sommertrack und dann „Keiner weiß was kommt“, der die Unbestimmtheit der Zukunft zum Thema hat: es ist schwierig für den Hörer sich ein stringentes Bild von der Firma zu zeichnen.

Richtig. Aber das kommt wahrscheinlich dadurch, dass wir eben mit Gruppen groß geworden sind, bei denen es auch nicht einfach war sich festzulegen. N.W.A., Ice Cube oder Public Enemy. Leute bei denen man schnell einen Stempel rausgeholt hat, aber wenn man sich genauer mit denen auseinandergesetzt hat oder hingehört hat, wusste man dann auch nicht genau wie man die nehmen sollte. Bei Public Enemy hab ich mich auch gefragt ob das Rassisten sind, die ich da feier. Als Hörer bist du dann gezwungen dir selbst ein Bild zu machen. Auch bei 2Pac, viele sehen da nur den Gangster, aber haben sich mit den sozialkritischen Sachen vom ersten Album noch gar nicht beschäftigt.

Schwierig find ich auch Tracks wie „Realität“ und „Traum“ auf der Platte aufeinander folgen zu lassen. Einmal heißt es „Ich bin die Realität und es ändert sich nichts“ und dann „Alles was ich brauch ist das woran ich glaub“.

Es ist einfach so, dass die Realität eben ist wie sie ist. Das einzige was dich da durchbringt ist an das woran du glaubst festzuhalten. Das ist der Grund dafür, dass solche Lieder nacheinander kommen, auch wenn es nach einem kompletten Kontrast oder Wiederspruch aussieht. Leute die uns kennen, aus dem Forum zum Beispiel, sagen dann auch „hab‘s mir angehört und bin jetzt am verdauen und sortieren“. Wir wissen, dass es schwierig ist Eindrücke in Worte zu fassen oder durchzublicken wenn du die Alben nur einmal hörst. Nach mehrmaligem hören denkst du dann vielleicht „Traum“ kommt nach „Realität“ weil die Jungs uns sagen wollen „so ist es eben, aber wir machen das Beste daraus“.

Bei den Alben sind Konzepte also auch in der Reihenfolge der Lieder verborgen?

Zum Teil. Wir reihen jetzt nicht wohlüberlegt die Themenkomplexe aneinander. Wenn wir die Lieder fertig haben schauen wir halt welche Themen wir schon haben und ob wir vielleicht noch ein Gegengewicht brauchen. Ist das zu düster, ist das zu fröhlich, wollen wir das so? Dann kommen halt so Ideen wie „Nee, lass mal „Keiner weiß was kommt“ machen. Lass uns kurz woanders hin.“. Beim Sortieren merkt man dann ob das zusammenpasst, ob die Gegensätze gut oder schlecht sind. So haben wir „Schlaf“ eben ans Ende vom Album gesetzt.

Wo du „Schlaf“ ansprichst, ein Song der sich mit dem Thema Tod befasst. Es gibt ja viele MCs bei denen ist das Schreiben eine Art Bewältigung der alltäglichen Umstände. Und dann die Line „Je mehr ich drüber nachdenke umso unsicherer werde ich“. Hier scheint das Gegenteil der Fall zu sein, als MC hilft dir der Text nicht bei der Bewältigung, sondern führt dazu, dass noch mehr Fragen aufkommen?

Ja, das liegt am Thema. Wenn man sich mit dem Thema Tod beschäftigt kann sich wohl jeder eine schnelle Antwort geben wie „Ich glaub schon das da noch was kommt“ oder „Ich glaub das war‘s dann“. Je mehr man darüber nachdenkt, desto unsicherer wird man, oder eben ich. Die schnelle Antwort wird mehr hinterfragt in dem Moment, wo man sich als Schreiber damit auseinandersetzt. Ist das was ich sage wirklich das was ich glaube oder sieht man das selbst ganz anders, in dem Falle pessimistischer oder optimistischer.

Sind Texte für Tracks wie „Sonnenbrille“ im Gegensatz dazu einfacher zu schreiben?

Kommt drauf an. „Schlaf“ hab ich in zwei Tagen geschrieben, „Sonnenbrille“ hat drei Tage gedauert. Mit der Lockerheit und dem Witz bei Sonnenbrille tue ich mich vielleicht ein bisschen schwerer als mit den ernsten Dingen des Lebens. „Alles“ war aber zum Beispiel an einem Tag fertig.

Du hast vorhin auch das Forum erwähnt, ist das für euch auch ein Blick auf die Meinung der Fans, schaut ihr da oft rein und seht nach, ob die Fans das feiern was ihr gerade veröffentlicht habt?

Ja auf jeden Fall. Unser Forum ist jetzt nicht so eine Massen-Maschinerie wie bei Bushido, wo 100.000 Leute am Tag vorbeischauen. Wir haben da so einen Hardcore-Kern und dann immer mal wieder Leute, die sich ein-zweimal pro Jahr melden. Und natürlich kommen da auch immer wieder neue Leute dazu. Beim Hardcore-Kern, bei dem du weißt die haben alle Alben und kennen uns meist auch persönlich von Konzerten, ist es natürlich wichtig zu wissen was die denken. Wenn Kritik konstruktiv ist nimmt man sie doch gern entgegen. Wenn mir jemand sagt, dass er eine bestimmte Nummer leicht verfehlt findet, denk ich natürlich darüber nach und geh das nächste Mal vielleicht in eine andere Richtung. Wenn ich aber nicht zu dem Schluss komme denk ich halt „Pech gehabt, deine Meinung, meine ist eben eine andere“. Den Leuten die einem selbst Gehör schenken sollte man aber auf jeden Fall auch Gehör schenken.

Als das Album angekündigt wurde hatte ich vermutet dass von den Features vielleicht auch wieder die alten LaCosaMia Leute Nesti und Gianni dabei sein werden. Hier ist jetzt „nur“ Curse dabei. Wie kamt ihr auf den und was machen die anderen zwei?

Gianni wird bald zu hören sein auf einem Track den ich mit ihm zusammen aufgenommen habe: „Keiner kann uns stoppen“. Über Jadakiss‘ „Can‘t stop me“, vom letzten Album. Aber ansonsten ist der Gianni in Rap-Rente, wie er selbst sagt. Er hat mittlerweile drei Kinder und arbeitet viel, aber wenn das Geld stimmt rappt er ab und an (lacht). Nesti bleibt immer noch dabei und arbeitet an Sachen, aber wann da was kommt kann ich dir nicht sagen. Durch den speziellen Entstehungsprozess des Albums, aufnehmen, umschreiben, neuaufnehmen war es für uns schwer zu Leuten zu gehen und zu sagen „wir brauchen dich für ein Feature, mach mal hier was und dann nimmst du in einem Jahr nochmal auf“. So haben wir das Ding erst mal mit dem Orchester fertig gemacht und hatten dann extrem Zeitdruck. Mike war einer von den paar Leuten, die ich gefragt habe, der Zeit hatte und auch direkt zur Stelle war.

Das hat jetzt aber nichts damit zu tun, dass er schon mal mit einem Orchester aufgetreten ist?

Ist er? Nein das wusste ich gar nicht. Curse war ja auch auf unserem ersten Album und wir hatten ihn auf unserer zweiten oder dritten Tour als Support mit dabei…bei ihm wusste ich, dass es passt und es gibt sicher ein paar Leute da draußen die sich freuen das wir nochmal was zusammen gemacht haben. Ansonsten hatte ich noch mit Sido gesprochen, aber der hatte einfach zu viel um die Ohren.



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15 Jun 2010

Interview Tatwaffe 25.05.2010

Author: holzkohle | Filed under: Interviews

Foto von Ondro

Franky sagt “Guten Morgen Deutschland” und ist zurzeit mit Savas und Olli Banjo auf Tour durch Deutschland. In Dresden trafen wir den Stuttgarter Jung und redetet über sein neues Album, Image und die Vater-Rolle.

Wie lief die Tour bis jetzt?

Der Hammer, Berlin gestern war bombenvoll, alle waren textsicher, jeder hat mitgeschrien.

Das Konzerte heutzutage nicht mehr so gut besucht sind stimmt also nicht?

Nein, bei uns kann man das jedenfalls nicht sagen.

Dein Streetalbum „Guten Morgen Deutschland“ wirst du auf der Tour verkaufen?

Ja wollte ich eigentlich, ich hatte ein paar Lieferprobleme und bekomme die erst am Montag. Das ist ein bisschen traurig, denn so verlier ich ja auch ein Haufen Knete. Die Sachen die ich verkauft hätte, kann ich jetzt nicht mehr verkaufen, aber ich bin froh das es jetzt am Montag klappt, die Sachen sind wohl schon im Hotel angekommen.

Wird das sowas wie eine Vorabversion sein, die du auf der Tour verkaufst?

Ja ich hatte eigentlich vor, das Album auch richtig in die Läden zu stellen, also über einen Vertrieb zu gehen. Diese Version vom Album wird es nach der Tour auch online geben und dann setz ich mich eben nochmal hin. 5-6 Songs und ein paar Features hab ich noch zurückgehalten.  Ich will auch noch ein Video drehen, aber realistisch gesehen wird diese Version noch 2 Monate dauern.

Wer ist als Feature bis jetzt dabei?

Melania hat drauf gesungen, dann Moe natürlich und dann hab ich noch Scotty 76 die Stuttgarter B-Boy Legende dabei.

Wie kann man „Dramaking“ mit dem neuen Album vergleichen?

Auf Dramaking waren auch schon 1-2 Lieder die in die Richtung gehen. Vom Sound her ist es wohl eher so „Meine Melodie“ oder „Wo ich herkomm“. Den Track hatte ja Shuko produziert und er und sein Team haben ja auch Sachen für das neue Album gemacht. 7inch aus Berlin, der Günna aus dem Sauerland und Shuko selbst. „Dramaking“ war eben sehr vielseitig, aber dieses Album hat durchweg einen positiven Vibe. „Dramaking“ war ja eher verkopft und ein bisschen nachdenklich, das ist hier jetzt ein Album was man auch mal nebenher hören kann. Ich denke es passt auch sehr gut zu gutem Wetter und zum Sommer.

Der letzte Track „Mein letzter Song“ klingt jetzt aber nicht ganz so positiv.

Naja doch ich denk schon das der sehr positiv ist. Ich sag ja jetzt nicht „Ich hör auf zu rappen weil alles so Scheiße war“ sondern eher so „Lass uns noch ein letztes Mal richtig durchdrehen“. Ich will da natürlich auch mit Spekulationen spielen, dass die Leute sagen „Hört er vielleicht auf?“. Viele wünschen sich das ja.

Na gut wenn man dann aber den Track „Kein Ende“ entdeckt, sind die Spekulationen relativ schnell hinfällig.

Genau.

Auf dem Track „Fresh“ gibt es auch ein paar Lines, in denen das Game nicht sehr positiv wegkommt.

Ja aber das ist ja auch alles mit nem Lächeln gerappt, mit viel Ironie. Es gibt halt viele Sachen, die einem als Rapper vorgeworfen werden und ich hab eben mit diesen Klischees gespielt. „Boah jetzt bist du eine Rapper, jetzt kommst du dir cool vor.“, sowas sagen ja viele Leute und darauf hab ich den Song dann eben aufgebaut. Das Ganze ist natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

„Vorher war ich pleite – jetzt bin ich broke“

Ja die Line passt auch super, alle hängen sich so Plasteketten um den Hals, fahren mit Mietwagen durch ihre Videos aber verkaufen keine Platten. Die Kids glauben das aber und denken wir sind superreich. Und dann natürlich das Anglizismen-Ding. Bevor man rappt benutzt man deutsche Worte und jetzt ist alles gleich und nur auf Englisch.

Dein Partner auf „Ghettoblaster“ ist Scotty 76, wie war es mit dieser Oldschool-Legende zusammenzuarbeiten?

Scotty ist einer meiner besten Freunden und wir hängen sowieso oft zusammen rum. Er ist halt in der ganzen Welt unterwegs, zurzeit ist er glaube ich in Shanghai. Seit ‘nem dreiviertel Jahr tätowiert er jetzt auch und hat mich schon komplett zugeballert, ich war sozusagen sein Testobjekt, aber er ist ziemlich gut auf jeden Fall.  Scotty hat ja auch, das wissen nur wenige, ein Album gemacht, das auch schon fertig ist. Er weiß noch nicht genau wann, wie, wo und deshalb wollt ich ihn auch ein bisschen pushen. Run DMC hatten ja auch immer diesen Flow bei dem sie sich abgewechselt haben und ich hab dieses Stück halt in dem Flow geschrieben. Ich hab den Song dann erst allein eingerappt, aber dann gedacht  dass irgendwas fehlt. Scotty hat diese geile Schreihals-Stimme, der klingt ein bisschen so wie DJ Khaled. Da musst du mal drauf achten wenn du DJ Khaled hosten hörst, die klingen 1 zu 1 gleich.

Auf dem Song kommt ein bisschen das Feeling rüber das dir die 80er Geschichte sehr zugesagt hat.

Naja ich bin ja auch nicht so alt…

Aber du erwähnst 2-3-mal auf dem Album das du bald 30 wirst.

Ja das stimmt, aber weil die Leute auch oft sagen mit 30 ist man schon zu alt zum Rappen. Und ich war immer der junge Typ und dann sind 1-2 Jahre vergangen und auf einmal war ich der Oldschool-Rapper.  Das ist strange auf jeden Fall und damit wollte ich eben spielen. Außerdem soll es auch eine Hommage an die Oldschool sein.

Ist es für dich manchmal ein Problem als fast 30jähriger auf der Bühne zu stehen und vor sich nur Kids 12-18?

Überhaupt nicht. Ich fühl mich in dem Augenblick in dem ich auf Tour bin höchstens 20. Mein Sohn war in Hamburg auch auf dem Gig, dann hab ich ihn abgeholt und nach meinem Part hab ich ihn direkt nach Hause gebracht, ins Bett gelegt und dann wieder zurück. Dann war es für mich natürlich schon ein ganz anderer Film. Ich muss dann immer ein Auge auf ihn halten und trotzdem noch performen. Wenn ich bei meinem Sohn bin, der ist ja auch schon 10 jetzt, fühle ich mich wie ein Familienvater. Das ist voll das zwiespältige Leben was ich führe. Auf der einen Seite ein Lifestyle wie ein Jugendlicher und auf der anderen Familienvater. Aber ich fühle mich jetzt nicht zu alt zum Rappen oder so, ich glaube ich werde das auch noch eine Zeit lang machen.

Es ist auch nicht schwierig die Situation unter einen Hut zu bringen?

Nee, er wohnt ja bei seiner Mom in Hamburg, ich in Stuttgart – da liegt ja schon eine gewisse Strecke dazwischen. Aber ich bin trotzdem mindestens einmal im Monat da, immer ein langes Wochenende, wenn ich es schaffe auch öfter.

Ist dein Sohn eigentlich dein ehrlichster Kritiker, derjenige der sagt „Papa, das war jetzt grad nicht so…“?

Nein ich hör mir meine EP ja auch an und denke mir „Verdammt, ich konnte nicht rappen damals“. Es klingt heute halt komisch, aber es war damals mein Style. Ich hatte da Bock drauf. Ich verstehe schon warum ein Kind das geil findet oder warum viele Jugendliche das feiern. Mein Anspruch bei der EP 2001 war ein anderer. Damals war Deutschrap noch nicht so weit und es gab sehr viel was noch nicht  gemacht wurde. „Staatsfeind No.1“ zum Beispiel, eine total verrückte Story die James-Bond-mäßig anfängt und Rambo-mäßig ausartet, ohne Refrain, ohne alles, 3 Minuten durchgerappt. Das Ding hatte einfach einen krassen Spannungsbogen, obwohl es eine total absurde Geschichte war, die mit meinem normalen Leben absolut nichts zu tun hatte. Mittlerweile ist es für mich eine noch größere Kunst,  wenn das was man erzählt auch wirklich zu der Person passt. Wenn die Geschichte unfassbar spannend ist, aber auch echt sein könnte.  Ich will mit meinen Texten näher an der Gesellschaft sein.

Ich glaub es war bei „Ghettoblaster“, wo du sagst, dass dein Sohn deine Texte nicht mag.

Ich zitier bei „Ghettoblaster“ immer 4 Takte meinen Sohn. So wie „Daddy hör mir zu, du bist 30, in deinem Alter rappen ist das cool, ich weiß nicht.“. Das ist natürlich alles Ironie und spaßig gemeint. Obwohl der Kerl schon ziemlich frech ist manchmal. Er feiert aber meine Musik und vor allem meine EP von 2001. Die kann er auswendig. Und manchmal sagt er auch „man rapp doch mal wieder  so und so“, was sich ja viele Leute auch wünschen. Er feiert die alten Sachen von mir mehr. Er ist da schon ziemlich straight und gerade aus. Aber „Ghettoblaster“ und auch „Fresh“ findet er schon superlustig.

Apropos „Fresh“. Im Pressetext stand drin, dass du das Album in 3 Wochen aufgenommen hast.

Naja den Hauptteil. Ich hab ja auch noch ein paar Songs weggebunkert. Ich hab die Beats geschickt bekommen von den Jungs, das waren 75  Beats, und hab dann in 2 Wochen 15-16 Tracks gemacht, geschrieben und recordet. Moe war in der Zeit auch bei mir deswegen ist er auch sooft drauf. Er hatte auch viele gute Ideen. Ich hab mir aber darüber hinaus auch weiter nen Kopf gemacht, Beats angehört, mal auch 3 Monate gar nix gemacht, dann kam diese John Bello Sache dazwischen.  Ich hab auch viel fürs „MMS“-Album geschrieben mit Savas und Moe. Da musste ich mein Projekt erst mal ein bisschen hinten anstellen.

Nun gibt es Leute die sagen das ist alles sehr fresh und spontan entstanden, andererseits gibt es aber bestimmt auch welche die sagen, das ist alles nur schnell und ohne Konzept hingerotzt.

Nein, aber das ist es ja gar nicht. Ich hab auf meinem letzten Album so verkopfte Sachen gemacht und auch echt kranke Sachen ausprobiert, die es noch nicht gab. Songkonzepte, Ideen, das waren alles Songs die man nicht so schnell machen konnte, die einen Haufen Planung gebraucht haben. Zum Beispiel „Press Rewind“ wo ich rückwärts gerappt habe – sowas schreibst du nicht in ner Stunde im Studio. Und auf diesem Album sind eben viele Songs drauf die man schnell umsetzen konnte, wo die Beats mich auch inspiriert haben. Ich bin ganz locker drangegangen, hab mir die Beats angehört und drauflos geschrieben. Ich hab jetzt durch die ganzen Alben mittlerweile auch die Erfahrung zu wissen, was ein Albumtrack und was ein Mixtapetrack ist. Ich denke auch dass viele von den Die-Hard-Rap-Fans dieses Album als mein bestes ansehen werden, weil es eben straighter Rap ist. Ich hab versucht ein Album zu machen, das auch Leute in meinem Alter anspricht, um sie wieder zurück zum deutschen Hip-Hop zu bringen. Aber diese Leute haben sich halt abgewendet, hören Elektro oder was auch immer und gehen nicht zum Deutschrap-Regal.

Meinst du es gibt die Möglichkeit Leute, die sich abgewandt haben, wieder zum Rap zurückzuholen?

Naja schwer. Ich denke aber es gibt viele Leute die gar keinen Rap auf Deutsch mehr hören weil alle nur an der Oberfläche kratzen. Diese ganzen Imagerapper sind halt nicht deren Fall. Rap auf Englisch ist halt einfacher, da brauchst du nur mit einem Ohr hinhören und dir die Scheiße von der geredet wird nicht reinziehen.

Grad in Amerika ist Image aber auch oft wichtiger als alles andere.

Ja, aber du weißt ja wie es ist. Die Leute hören nicht darauf was gerappt wird, sondern sagen „boah der Beat ist geil, coole Stimme.“

Der Beat von „Kings“ ist übrigens auch super.

Den hat mein Nachbar gemacht. Wir waren auf Sauftour, sind nach Hause gekommen, er hat die Beat-CD geholt, angemacht, ich war total zerstört, hab den Beat gehört und genau gewusst das ich den brauch. Eigentlich wollt ich ja nur die Hustle-Hard Jungs dabei haben, aber der Beat musste mit drauf.

Ein Video zu dem Album willst du auch noch drehen?

Ja ein Video hab ich ja schon gemacht, ich weiß nicht ob du es schon gesehen hast? Ein Splitvideo zu „Oh nine“ und „So viel besser“. Das ist seit gestern online bzw. vorgestern Nacht.  Das hat schon über 10.000 Klicks gehabt. Vom Look her bis jetzt mein bestes find ich und es sieht auf jeden Fall auch am teuersten aus.  Die Leute sind auch sehr überrascht. Alle denken ich sei  ohne Label und broke und komm dann mit so einem Major-Video. Ich zahl das ja alles selber, wenn man sich nicht total blöde anstellt kann man das aber auf jeden Fall hinkriegen.  Regie hab ich geführt, die Organisation hab ich auch in die Hand genommen, auch wenn das keiner meiner Kumpels glauben kann. (lacht)

Vielen Dank für das Interview.

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19 Mai 2010

Franky Kubrick Interview 15.05. 2010

Author: holzkohle | Filed under: Interviews

Foto von Katja Kuhl

Sein neues Album „Kopfdisco“ steht in den Startlöchern und wird am 28.05.2010 das Licht der Verkaufsläden erblicken. Wir trafen Olli Banjo in Dresden, wo er am 15.05. mit dem John Bello Tourtross halt machte.

Heute abend Pokalfinale! Wirst du leider gar nicht sehen können, oder?

Doch! Ich hab alles organisiert – ich hoffe das wird auch so gemacht. Ich hab  mir einen Fernseher organisiert und ich werde zwischen den Songs gucken. Nächste Woche in München beim Championsleague-Finale werde ich das wohl genauso machen müssen, das ist ja noch viel wichtiger. Und ausgerechnet in München – das werde ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

Letztes Jahr hast du die Kollabo mit Jonesmann gemacht, dann wurde „Dein Freund“ angekündigt und jeder hat eigentlich gedacht, dass das dein nächstes Release wird.

Ja, das wird auf jeden Fall noch kommen, aber das erfordert so viel Aufmerksamkeit und so viel Detailarbeit, dass es einfach noch nicht fertig geworden ist. Ich hoffe, dass es nicht mein persönliches „Detox“ wird. Ich bin dran – das es rauskommt ist sicher – nur wann genau weiß ich eben noch nicht. Ich hoffe Ende des Jahres.  Aber ich hatte eben jetzt die Rap-Platte fertig und hab mir gesagt „Warum damit warten?“.

Es ist diesmal eine richtige Solo-Platte geworden, von den Features her hältst du dich sehr zurück.

Zwei Features: Savas und Xavier. Aber das sind so hochkarätige Features, das reicht dann auch. Ich halt mich ja auch für einen hochkarätigen Rapper insofern…(lacht). Ne ich find das auch OK wenn  das nur so wenig sind. Wenn ich mir ein Solo-Album von jemandem kauf will ich auch denjenigen hören.

Das Cover in Camouflage, dann der Track „Charlie“, glaubst du, dass das Leuten die mit Armee und Militär nicht viel am Hut haben sauer aufstoßen könnte?

Das könnte natürlich sein, dass der ein oder andere Pazifist sagt „Oh Gott, muss man denn mit den Symbolen spielen?“ aber guck mal, ich war Zivildienstleistender, ich habe verweigert. Gewalt hat in meinem Leben gar keinen Platz. Außer im Sport – Kampfsport find ich schon gut. Aber abgesehen davon hab ich mich Gewalt rein gar nix am Hut. Musikalische Gewalt ist für mich dabei nur ein Instrument, um die Thesen zu untermauern, die ich auf Charlie vorbringe. Das sind meiner Meinung ja auch ritterliche Motive. „Wir kämpfen für Liebe und gegen Ungerechtigkeit“ und so weiter und so fort. Ein wichtiger Satz für mich ist auch „Gewalt gegen Dummheit“. Dann hab ich den Track „Schrei nach Liebe“ auf dem Album…

Der Track hat mit dem Song von den Ärzten „Schrei nach Liebe“ nix zu tun?

Ja, das war der Track gegen Nazis, damit hat der aber nix zu tun. Das ist eher so mein Schrei nach den Werten die  in der Gesellschaft verloren gehen.

„Mein Weltbild“ mit Xavier ist auch sehr politisch geworden.  Wie schwierig ist es so einen politischen Track zu machen?

Es ist schon schwierig. Es ist natürlich immer eine Grat-Wanderung zwischen  gefährlichem Halbwissen und Pathos. Man muss schon aufpassen, dass man da nicht irgendwelche Halbwahrheiten erzählt oder Verschwörungstheorien unters Volk bringt. Ich hab aber auch gar nicht den Anspruch von allen Seiten abgeklopfte Thesen zu untermauern oder wissenschaftliche Beweise anzubringen, sondern ich will einfach meine menschliche Sichtweise näherbringen. So wie ich das sehe und vor allem ohne Gewähr. Ich spanne den Bogen auf dem Track ja von Innenpolitik bis zu weiblicher Beschneidung in Äthiopien. Ich kotz mich halt einfach mal aus über die politische Lage.

Wenn  man sich politisch äußert macht man sich, so war es ja letztens bei Afrob, leicht für andere Leute angreifbar, insofern find ich sowas sehr mutig.

Ja, aber es ist auch wichtig als Rapper auch mal sowas zu sagen.

Zur Kopfdisco gehört neben der Party halt auch sowas. Kannst du das „Kopfdisco“-Konzept noch einmal kurz erläutern?

Ja es ist halt meine Gehirn-Kollage, meine Vielseitigkeit als Mensch, mit der ich auch meine Musik auszeichne.

Von politischen Tracks bis hin zu „Zicke Zacke“  ist es auch ein weiter Weg…

Richtig(lacht).

Auch „Quando“ fällt mir da grad ein, das kannte ich bis dahin nur von Roberto Blanco. Wie kam es zu der Adaption?

Mein DJ  (DJ Flow) hat den Beat produziert. Wenn wir zu Auftritten fahren sind wir immer so eine lustige Gesellschaft und singen sehr viel im Auto, Volkslieder oder wenn Weihnachten ist auch schon mal Weihnachtslieder, texten die um, machen eigene Rapversionen draus.  „Sag mir Quando sag  mir wann“ lief dann eben irgendwann einmal im Radio – also haben wir die Idee entwickelt. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich nochmal vom Text her so ein Oldschool-Olli-Banjo-Ding bring. Aber es hat sich eben einfach angeboten.

Distanzierst du dich von den alten Sachen von dir?

Nein, auf keinen Fall. Es gibt aber so 1-2 Sachen die ich heute nicht mehr schreiben würde. „Quando“ geht halt schon in die Richtung, ist aber nicht so sinnfrei wie „Zwei McRib bitte“. Damals wollt ich eben einfach nur witzig sein.

Worum geht es im Track „Randale in der Sonderschule“?

Inspiriert hat mich zum Beispiel die Pisastudie. Ich reg‘ mich auch über Leute auf, die andere terrorisieren, und brachliegendes Bildungsniveau.

Ein Verweis auf Kurt Cobain und ein Schuss sind auch zu hören.

(Rappt)Da ist ein 3 Meter großes Monster in meinem Kopf drin. Den ganzen Tag sagt es mir das ich bekloppt bin. Ich mach Randale, Randale in der Sonderschule. Ich mach Randale, Randale in der Sonderschule. Nananana – Nananana – frag Kurt Cobain: alles wird gut- Klick Klack boom.

…und dann kommt dieser Schuss.

Ist der Track vielleicht im Zuge von irgendwelchen Amokläufen an Schulen entstanden?

Nein, um Gottes Willen. Das hat damit gar nix zu tun und auch dieser Schuss soll da gar nichts suggerieren.

Wie sieht’s mit „Straight Outta Compton“ aus, N.W.A. lassen grüßen…

Es geht darum, warum denn eigentlich immer nur Jungs Gangstarap sind oder hören und Mädchen nicht. Es geht um ein 12 jähriges Mädchen Sabine, die total süß lieb und nett ist, aber voll der N.W.A.-Fan. Sie wünscht sich immer Knarren dabeizuhaben und will den Lehrern in die Beine schießen, aber keiner traut es ihr zu. Die Hook verrat ich jetzt nicht, sonst ist der Witz weg.

Im Pressetext war auch die Rede von einfühlsamen Tracks…“Lichtplanet“ zum Beispiel.

Ja da geht’s um Abhängigkeit. Ich war in meiner alten Heimat in Aschaffenburg, da hab ich einen Freund getroffen der jetzt seit mehreren Jahren auf Heroin ist. Am nächsten Tag hab ich dann halt den Song geschrieben, es geht  darum, was Heroin mit einem macht, was es einem an Licht verspricht „Wir gucken solang in die Sonne bis wir nichts mehr sehen“.  Dieses zwanghafte Streben nach Geborgenheit und dem Heimathafen. Heroin  verspricht einem das ja, es holt einen quasi zurück in den Mutterleib.

Ist es schwierig so emotional zu werden?

Überhaupt nicht. Das fällt mir gar nicht schwer. Ich schreib die Songs einfach und dann kann ich ja immer noch entscheiden ob mir der jetzt zu persönlich ist und dann brauch ich ihn ja nicht benutzen.  Ich brauch mich vorher nicht zu beschränken, weil ich vor der Thematik Angst habe oder so. Dieser Seelenstrip ist natürlich halt immer so eine Sache. Man muss schon mutig genug sein, weil man ja auch Schwächen von sich preis gibt, aber damit hab ich kein Problem.

Ich mein, grad weil du halt jemanden kennst der mit Heroin diese Probleme hat…

Ich hab ja keine Namen genannt.  Ich hab ja auch auf „Mehr Tränen“, damals auf dem Jonesmann Album, 2 Freunde mit Namen genannt, die an Heroin gestorben sind.

Auf der Premium-Edition ist Badesalz vertreten…

Das ist ein Skit von Badesalz dabei, ja! Und ich bin sehr froh darüber und stolz darauf. Das ist für mich krasser als ein Eminem-Feature. Ich hab die abgefeiert, seit ich ein kleiner Junge bin. Ich komm aus Aschaffenburg, das ist zwar noch in Bayern aber eigentlich hessisch von der Kultur her.  In unserer Gegend sind die einfach Superstars, die finden alle prima, über alle Generationen hinweg. Da  der Sohn von dem einen ein Fan von mir ist und mich im Internet angeschrieben hat, dachte ich mir „Oh krass ich muss unbedingt einen Skit von seinem Papa drauf haben“, dann hat das halt noch geklappt und ich bin richtig stolz drauf.

Sind diese Premium-Editionen von den Alben eigentlich Ideen von dir oder vom Label?

Ich persönlich würde gerne 50 Lieder auf ein Album pressen.  Dann wird einem aber immer gesagt „mach doch weniger Tracks auf dein Album drauf“. Ich setz mich dann aber meistens durch, indem dann wenigstens noch eine Premium-Edition vom Album angeboten wird, wo man Leuten die Bock drauf haben viele, viele Tracks gibt und denen die nicht ganz so viel Geld haben eben die normale Version. Die Premium ist mit 27 Tracks auch Pickepacke-Voll. In heutigen Zeiten, wo immer weniger Platten gekauft werden ist Qualität denke ich ein wichtiger Faktor. Qualität setzt sich eben durch und man muss den Leuten für ihr Geld etwas bieten. Das sind jetzt keine B- oder C-Seiten sondern alles A-Klasse Tracks.

Spielst du Live von der neuen Platte schon Sachen?

Jetzt auf der Bello-Tour noch nicht, aber ich werde auf den Festivals damit anfangen. One Love, Splash und im Herbst wird es noch eine eigene Tour dazu geben.

Vielen Dank für deine Zeit.

Olli Banjo – Kopfdisco (Offizielles Snippet) by Classic Media

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17 Mai 2010

Olli Banjo Interview 15.05.2010

Author: holzkohle | Filed under: Interviews

Hallo Gerard und vielen Dank für deine Zeit.

Dein zweites Album “blur” ist seit kurzem auf dem Markt. Ich würde es als experimentell bezeichnen, stimmst du mir da zu?

Jein. Wir haben einfach probiert bzw. probieren weiterhin einen eigenen Sound zu etablieren. Man muss einfach aus der unglaublichen Masse von Hip Hop Alben irgendwie herausstechen. Sind wir uns mal ehrlich…es dreht sich einfach sehr viel im Kreis. Es gibt DIE 5-6 Hip Hop Deutschrap Produzenten, die einfach in den letzten Jahren für sämtliche Veröffentlichungen produzierten und leider war da einfach viel zu viel Einheitsbrei. Austauschbare Alben. Austauschbare Rapper. Ich will, dass man ein paar Takte hört und sich denkt „ah..das ist wohl von gerard“. Egal ob das jetzt feiert oder nicht. Originalität einfach. Ich hoffe der Sound entwickelt sich mehr und mehr zu etwas ganz eigenem.

Gerade Tracks wie “Gelbgrünblau” und “Dunkelblauundgelb” sind ohne den Kontext des gesamten Albums bestimmt keine leichte Kost für das Publikum.

(lacht) ja also vor allem „gelbgrünblau“. Das war mir auch durchaus klar. Was ich mir dabei gedacht hab, dazu ein Video zu drehen weiß ich jetzt ehrlich gesat auch nicht mehr (lacht). Ich wollte etwas provozieren, bisschen polarisieren. Auch mit dem Video. So ironisches Augenzwinkern. Aber das kam glaub ich nicht wirklich an. Aber egal, ich mach ja Kunst der Kunst willen und denke nicht nach, inwiefern das jetzt schwere Kost oder nicht ist…

Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass sich dein Stil, Texte zu verfassen, im Vergleich zu “Rising Sun” verändert hat.

Man muss halt bedenken, auf „Rising Sun“ waren noch Texte die ich noch mit 15, 16 Jahren geschrieben habe. Natürlich ist man in der Zwischenzeit gereift. Und das spiegelt sich natürlich auch in den Texten wieder. Ich persönlich find´s sehr schön, dass die beiden Alben so unterschiedlich klingen. Nichts schlimmer, als austauschbare Alben. Ich bin selber gespannt wo das nächste Album soundtechnisch und textlich hingeht.

Welchen Einflüssen bist du diesmal unterlegen?

Alkohol(lacht). Nein, ich bin etwa sicher für 1 Jahr auf keine Hip Hop Veranstaltungen mehr gegangen, weil mir einfach alles schon viel zu sehr zum Hals raushing. Ich war zum Beispiel wirklich in sehr unterschiedlichen Clubs fort, mit sehr unterschiedlicher Musik. Manches war auch viel zu schräg, aber ich hab mich bemüht immer irgendwie etwas für mich zu entdecken, was ich in das Album einbauen konnte. Das hab ich dann probiert bestmöglich meinen Produzenten Mainloop, Clef und Fid Mella weiterzugeben, bzw. kamen die halt dann auch schon teils mit neuen Sachen an, die genau passten. Und sonst halt das allgemeine Leben…Liebe, Enttäuschung, Fröhlichkeit, Zukunftsangst, Glück, Selbstzweifel und und und…

Was bedeutet dieses Album für dich?

Sehr viel. Es ist eine Momentaufnahme meines Lebens. Es ist ein Manifest und das wichtigste: es bleibt. Man kann es lieben oder hassen, aber es ist nun mal da. Und das ist ein sehr schönes Gefühl. Und Menschen, denen ich noch nie begegnet bin können jetzt anhören was ich mir so für Gedanken zur Welt mache. Und das können sie auch noch in 5 Jahren. Oder 10. Rein theoretisch sogar noch in 100 Jahren, wenn ich schon gar nicht mehr auf dieser Welt bin. Man hat was hinterlassen. Es ist vielleicht klein und unbedeutend, aber es ist da. Ein ganz ganz kleines Stück Unsterblichkeit. Das ist ein verdammt gutes Gefühl.

Was bedeutet “blur” für dich? – Erkläre mal bitte dieses “make or become unclear or less distinct” auf dem Front-Cover.

Es geht einfach um diese Planlosigkeit mit der man teils durchs Leben geht. Vor allem eben in dem Alter wo ich jetzt bin weiß man halt noch GAR nicht wo das Leben mal hingeht. Also vielleicht andere schon, ich aber nicht. Bis zur Matura bzw. euren Abi ist man ja in so einem System. Da wird dir gesagt mach das und das und dann steht da diese Endprüfung und viel weiter denkt man auch nicht. Aber dann stehst du halt da, und von einem Tag auf den anderen muss man plötzlich selber entscheiden wie die nächsten 60-70 Jahren deines Lebens ausschauen werden, in welche Richtung es geht. Man sucht Hilfe und Antworten in irgendwelchen zwischenmenschlichen Beziehungen. Die dich schlechtesten Falls dann auch noch völlig enttäuschen. Dann ist aber wieder plötzlich alles super und alles macht Sinn. Dieses Hin und Her. Alles unklar. Alles verschwommen.

Die Geschichte im Booklet kommt wohl vielen (jedenfalls mir =) sehr bekannt vor. Deswegen wahrscheinlich “das Lebensgefühl einer ganzen Generation”…

Zumindest das Lebensgefühl von dem Umfeld in dem ich mich bewege (lacht)

Du weißt das man nicht immer Zweiundzwanzig bleiben kann?

Ja, spätestens seit Anfang diesen Jahres, als ich doch tatsächlich 23 wurde. (Lacht)

Wo siehst du dich mit deiner Musik denn im Augenblick selbst, wahrscheinlich musst du dich entscheiden wie es damit weitergeht in deinem Leben, oder ist diese Entscheidung vielleicht sogar schon gefallen?

Ich werde immer künstlerisch tätig sein. Sei es jetzt durch Musik, Bücher oder wie auch immer. Vielleicht geht ja irgendwann der Knopf auf und es geht hauptberuflich. Vielleicht würde mich das aber auch nicht glücklich machen, vielleicht brauche ich eine gewisse Konstante in meinem Leben. Dann halt weiter nebenbei. Aber „nebenbei“ nicht im Sinne von „halt so hobbymäßig“; sondern eben wie jetzt 50/50. Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht. Aber wie sagt Vince in Entourage immer so schön: „it will all work out…the universe always had it´s plan“

Im Booklet wird der Satz “Ein DJ ist ja auch eine Art Lehrer” verneint. Ist ein MC auch keine Art von Lehrer? Nichts mit Vorbildfunktion?

Also Lehrer und Vorbildfunktion sind ja schon mal für mich völlig verschiedene 2 Paar Schuhe (lacht). Ich hab doch überhaupt keinen Plan vom Leben, da kann ich schonmal keinem anderen etwas beibringen. Wenn man mich jetzt trotzdem als Vorbild hernimmt, dann ist das die Schuld von demjenigen, der das tut, da kann ich nichts dafür (lacht).

Wie sieht die nahe Zukunft aus? Wird es eine Tour zum Album geben? Ist dein Festival-Sommer schon verplant?

Wir werden einige Live Gigs spielen ja. Festival mäßig ging leider nicht soviel wie erwartet. Aber zurzeit ist das alles allgemein sehr schwierig wie ich aus verschiedenen Ecken gehört habe, also nicht nur bei mir. Aber wird schon, wird schon…

“Was bleibt”?

Nicht viel! Aber irgendetwas Immer. Immerhin

Vielen Dank für das Interview.

Ich bedanke mich!!!!!!

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25 Jan 2010

Gerard MC Interview 25.01.2010

Author: holzkohle | Filed under: Interviews

Lil CengEr ist das Wunderküken der Berliner Breakdance-Meister Flying Steps. Und mit 18 Jahren bereits einer der besten B-Boys der Welt. Am Mittwoch tritt er beim Red Bull BC One in New York gegen die 15 Größten seiner Zunft an. Im Vorab-Interview spricht der Saarbrücker über sein hartes Training, die koreanische Konkurrenz und NYC-Shopping.

Lil’ Ceng, nächste Woche trittst du als einer von 16 B-Boys beim Red Bull BC One an. Du steckst vermutlich schon voll in den Vorbereitungen, oder?

Genau. Ich bin die ganze Zeit am Trainieren. In den letzten Wochen waren wir (Flying Steps, Anm.) zwar die meiste Zeit auf Tour in Kanada und Irland, aber jetzt, die letzten Tage vor dem Red Bull BC One, nehme ich mir so viel Zeit wie möglich dafür.

Wie sieht dein momentaner Tagesablauf aus?

Wenn ich aufstehe geh ich erstmal joggen, mache Liegestütze und Sit-Ups. Kondition ist beim Breakdance besonders wichtig. Dann mach ich mich warm, fang an zu tanzen und gehe meine Sets durch. Meistens in der Flying Steps Dance Academy in Kreuzberg, gelegentlich aber auch bei mir daheim in Charlottenburg.

Spielt bei der Vorbereitung auf einen derart wichtigen Contest auch die Ernährung eine Rolle?

Klar, da achte ich sehr darauf. Nicht zu viel Brot, wenig Fettiges, dafür viel Fleisch, weil das Power gibt. Oder Gesundes, wie Salat oder Obst. Wenn du viel unterwegs bist, dann ist es oft etwas schwierig Überblick über die Ernährung zu behalten. Aber wenn ich in Berlin bin, dann koch ich meistens selbst mit meinem Flying-Steps-Kollegen Benny in unserer WG.

Was machst du denn abends? Beziehungsweise in den Momenten, in denen gerade mal nicht Breakdance angesagt ist?

Genau wie am Morgen: Konditionstraining. Sit-Ups, Übungen für die Bauchmuskeln. Danach schlafe ich meistens sehr gut. Und wenn ich wirklich mal abschalten will, dann gehe ich auf Partys.

Erzähl mal, mit welchen Moves wirst du diesmal beim Red Bull BC One glänzen?

Schwer zu sagen, du musst dich immer auf deinen Gegner einstellen. Und noch kenne ich meine Kontrahenten nicht, die Duelle werden erst in New York ausgelost. Ich muss auf alles gefasst sein. Und gerade beim ersten Battle holt jeder die besten Sachen raus, da ist es richtig gefährlich auszuscheiden.

Und du entscheidest eigentlich erst auf der Bühne, wie du deine Show anlegst?

Nein, ganz so ist es auch nicht. Einen Tag davor wird dir gesagt, gegen wen du antrittst. Und weil ich alle meine Red Bull BC One-Kollegen kenne und ihren jeweiligen Tanzstil genau studiert habe, überleg ich mir mein Programm dann schon am Tag vor dem Wettbewerb. Trotzdem ist es eine große Herausforderung: Jeder Tänzer hat andere Stärken und Schwächen.

Wie würdest du in diesem Jahr deine eigenen Stärken einschätzen?

Meine Stärken sind ganz klar Power-Moves. Ich bin jetzt auch im Tänzerischen sehr gut, also im flüssigen Verbinden verschiedener Flips und Schritte.

Wer wird in diesem Jahr dein stärkster Konkurrent sein?

Alle sind stark! Aber die Koreaner sind echt krass! Die tanzen sehr sauber und gut. Bei den Amerikanern bin ich schon sehr auf Cloud gespannt. Aber ganz ehrlich, wirklich alle sind dieses Jahr richtig stark.

Letztes Jahr in Paris bist du im Halbfinale ausgeschieden…

In dem Moment war das schon sehr hart, natürlich wollte ich gewinnen. Aber ich war einfach nicht gut genug vorbereitet, was wohl am vielen Touren kurz vor dem Wettbewerb lag. Ich hatte das Training etwas vernachlässigt, ich war müde wegen der Jetlags, einfach echt erschöpft. Das wird in diesem Jahr anders sein.

Warst du denn schon einmal in New York?

Nein.

Mal abgesehen vom Wettkampf: Worauf freust du dich am meisten?

Ehrlich gesagt, aufs Shopping. Ich hab gehört, man kann dort richtig gut Klamotten und Sneakers einkaufen. Vor allem ist es halt sehr aufregend für mich, weil New York die Wiege des Breakdance ist. Ich freue mich schon irrsinnig!

Weitere Informationen unter www.redbullbcone.com,

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17 Nov 2009

15 gegen Lil’ Ceng

Author: holzkohle | Filed under: Interviews