
Wer hätte das gedacht, in einem – aus HipHop-Sicht – eher unaufgeregtem Jahr 2007 gibt es sie noch, diese kleinen musikalischen Meisterwerke. Gemeint sind damit eher weniger notorische Großverdiener à la Kanye, Curtis und Shawn, sondern zwei echte „blue collar worker“ aus dem Sonnenstaat Kalifornien. Namentlich Blu, seineszeichen LAs größtes Raptalent, sowie Producer/DJ/Gelegenheits-Rapper Exile, u.a. verantwortlich für „Pearly Gates“, den einzigen Lichtblick auf Mobb Deeps letztjährigem G-Unit Einstand „Blood Money“.
Nachdem Blu auf diversen Touren als Supportact für Aloe Blacc und DJ Exile auftrat und man hier musikalisch, als auch menschlich harmonierte, lag es Nahe, auch gemeinsam ins Studio zu gehen. Die klassische Formel „one MC, one Producer“ bewahrheitet sich auch hier als Erfolgsrezept. Exile erschafft auf der gesamten Albumlänge ein kohärentes Soundbild, seine Beats sind mal druckvoll, mal schleppend und immer voller Seele. Eine Prise Pete Rock hier, ein Schuss Dilla da – fertig ist der “golden-rap-sound” 2007. Ähnliche Kaliber dienen dann auch Blu als Inspirationsquelle. So zitiert er an einer Stelle Nas, an anderer droppt er Namen wie DeLaSoul, Common oder CL Smooth.
Der 24-jährige versteht es den Hörer zu fesseln, sei es mit seinem scharfen, bissigen Flow, den cleveren Wortspielen oder den augenzwinkernden, persönlichen Anekdoten aus dem täglichen Leben (Job, Freundin, Familie). Lyrisch zudem alles auf einem sehr hohen Level. Einen einzelnen Track der 14 Songs herauszuheben wäre ungerecht, das gesamte Album ist in sich geschlossen und jeder Song eine Perle für sich. Der Wiedererkennungswert beim europäischen Durchschnittshörer ist hoch, keine Angeberstorys, keine Gangster-Geschichten – einfach schöne Ausschnitte aus dem Leben eines Mittelklasse-Kids. So ergänzt „Below The Heavens“ auch logisch den Katalog der sogenannten „Neo-Backpack-Arä“ von Künstlern wie Black Milk, Lupe Fiasco oder Kev Brown.
„Yo Hip Hop/started out in the heart…“ so sieht es Blu – eine Herzensangelegenheit ist auch „Below the Heavens“. Ehrliche, bodenständige Raps über ebenso verwurzelte, zeitlose Beats machen dieses Album zu einem ganz heißen Anwärter für den Titel des „Album des Jahres“. Don’t sleep!
Wie Fiddy zu dem Albumtitel kam ist schnell erzählt, er schnappte sich einfach seinen bürgerlichen Vornamen und setzte ihn aufs Cover, fertig. Dazu noch mit einer Mischung aus Wut und Verzweiflung, die Hände über den Kopf schlagend, in die Kamera geguckt und fertig ist der Hotshot. Wer jetzt, ob des persönlichen Titels und der Denkerpose ein Album erwartet, das tief ins Privatleben blicken lässt und auch mal kritisch reflektiert, liegt falsch: „From the Benzo to the Enzo (Ferrari)“ ist hier das Motto. Mehr Cash, mehr Gewalt und wenn‘s geht auch mehr Sex. So einfach kann man zusammenfassen.