
Chuck D, B-Real, Talib Kweli, Little Brother, Freddie Foxxx – nein, dies ist nicht das Line-Up des kommenden Splash!-Festivals, vielmehr ist es ein kurzer Auszug aus der Beteiligtenliste von „Absolute Value“. Nach seinem 2003er Erstling „Balance“ sowie „Black Dialogue“, dem Kollaboalbum mit Mr. Lif und DJ Fakts One als Crew The Perceptionists, liefert der Boston MC Akrobatik über Fat Beats Records nun seinen nächsten Soloentwurf vor.
Der Eingangs erwähnte Blick auf die Gästeliste lässt erahnen, dass wir auf „Absolute Value“ konstant starkes Material zu erwarten haben. So gibt es mit „Put Ya Stamp On It“, der famosen Kweli/Dilla-Kollabo, auch gleich mal den ersten Raphit in 2008. Ein Brett von einem Beat und dazu Lines wie: „[...]so when you be creating your playlist, don’t forget that we are A-list material[...]“ – Recht hat er. Akrobatik, selbst regelmäßiger Gast europäischer Bühnen, hat beim picken der Beats mit weiser Voraussicht auch auf die Live-Tauglichkeit dieser geachtet, „A to the K“ oder „Step it up“sind definitive Crowd-Pleaser. Der Perceptionists-Track „Beast Mode“ hätte sich auch gut auf dem letzten Clipse Album gemacht und J-Zone zeigt schließlich wieder ein Lebenszeichen und sein Faible für obskure Samples. Was „Absolute Value“ jedoch so absolut wertvoll macht, sind die Inhalte die Ak über die durchweg gelungenen Instrumentale transportiert. So rappt er auf „Front Steps Pt. II“ „[...]You see ther’es more to life, than rap and crack sells, but that info ain’t made readily available to black males/they shot down the conscious rastas, with talking ’bout being a pimp you get an OSCAR/I’m sick of seing ya’ll locked up and killed and If the OG’s don’t tell you, tell me who the fuck will[...]“ Mit Unterstützung von Public Enemys Chuck D im Intro von „Kindred“ beschreibt Akrobatik herrlich bildhaft und poetisch zwei auswegslose Situationen Afroamerikanischer-Bürger, im Zusammenhang mit Hurrikan Kathrina zum Einen und zum Anderen in Bezug auf die rohe Gewalt innerhalb der Community. Großes Kino!
„Viele Köche verderben den Brei“ sagt ein bekanntes Sprichwort, im Falle von „Absolute Value“ sollte es jedoch heißen „Ein 5 Sterne Restaurant beherbergt viele hervorragende Köche.“ Ein stimmiges, druckvolles und klassisches Rapalbum ohne große Innovationen, dafür mit vernünftigen und relevanten Inhalten.
Wenn im Pressetext von “definitiven” Best Of’s die Rede ist, werde ich schon mal ungehalten. Vor allem wenn mir sofort zwei offizielle Vorgänger Best Of’s und mindesten drei Bootlegs einfallen, die es schon vorher gab. Mal ganz zu schweigen von den zu Lebzeiten veröffentlichten Alben von 2Pac, die ja so zahlreich jetzt auch nicht waren. Über die Posthum veröffentlichten hüllen wir mal den Mantel des Schweigens. So bekommt man auf den 2 CDs, passenderweise und mit Anlehnung an Pac‘s Tattoo, mit „Thug“ und „Life“ betitelt, Tracks mit dem Anspruch die definitiv besten von 2Pac zu sein. Da frag ich mich wo „Temptations“, „God bless the dead“ oder „Hit em up“ geblieben sind. Also doch nicht ganz so endgültig das Ganze. Was mich aber noch mehr kratzt ist die Tatsache, dass man sich beide Scheiben getrennt voneinander besorgen muss. Ist nämlich nix mit 2-CD-Boxset, dickem Booklet und so weiter. Beides zum Vollpreis von über den Daumen gepeilten 17 Euro ist man mit der „definitiven“ Sammlung schnell bei 34 Ocken angelangt, die man auch hätte in „All eyez on me“ und „2Pacalypse Now“ investieren können. Aber nein, man bekommt ja auch noch „unveröffentlichtes Material“. „Dopefiend’s Diner“ und neue Remixe von „Dear Mama“ und „Thug Mansion“. Auf den singenden Pac hätte aber zumindest ich verzichten können.