Seit Anfang Mai pumpt Ihr erster bundesweiter Output, der Wortsport Lounge Sampler in den iPods (oder sollte ich im Sinne der Jungs besser sagen: in den Tapedecks?) von Rapfans mit einem Sinn für klassisch geprägten, niveauvollen Rapsound. Wir hatten vor kurzem einen Teil des sympathischen Kollektives aus Heilbronn – namentlich Dexter, Jaques Shure, Obiwan und Zeal – im Interview, um ein wenig über die gute alte Zeit zu philosophieren und mehr zu erfahren über Adenauer-MCs, Producer mit Finger im Arsch, neue Extremsportarten, End-83er South Bronx Oldschool Beats und diesen mysteriösen Sternenstaub…
RL: Wortsport Lounge war bekanntlich eine lokale Partyreihe und ist nun auch eine breite Veröffentlichungsplattform als Label. Wie kommt es, dass Ihr nach fast 10 Jahren HipHop Aktivität, erst nun bundesweit an den Start geht?
Jaques: Weil es uns vor ein paar Jahren noch genügt hat, Tapes aufm Schulhof zu verkaufen. Mittlerweile sind wir seit durchschnittlich 8 Jahren aus der Schule raus und haben versucht, das ganze Mal etwas anders anzugehen.
Dexter: Es ist einfach mal langsam an der Zeit, Deutschland zu zeigen, was Heilbronn, insbesondere die Wortsport Artists zu bieten haben.
Zeal: Früher war das einfach unvorstellbar für uns, dass wir ein eigenes Label gründen. Wir haben lange den Traum vom gesignt werden geträumt. Wie naiv. Dann ging die gesamte Industrie so halb den Bach runter und auch dem Letzten wurde klar, das wir es am Besten selbst machen. Dazu kommt, dass es auch eine gute Weile gedauert hat, bis wir alle zusammen gefunden haben. Dex und ich sind ja erst seit 2006/2007 Teil von Wortsport. Damals wurde unsere Crew Elemental Force gesignt. Dann haben wir noch mal eine ganze Weile gebraucht, bis wir diesen ganzen organisatorischen Plan hatten. Vergiss nicht, wir machen alles selbst. Mastern, Promo und der ganze Business-Kram. Da hilft uns keiner. Bis wir erst mal unseren Vertrieb hatten, verging fast ein Jahr.
Obi: Zu dem fernen Traum vom bundesweiten Erscheinen will ich noch hinzufügen: Der regionale Ruhm hat uns wahrscheinlich lange abgehalten, größer zu denken. In Heilbronn haben wir eine große Unterstützergemeinde, Auftritte hier waren immer eine sichere Bank und haben uns lange genügend Egoboost gegeben.
RL: Das Gros der Künstler auf dem Sampler kommt aus dem Heilbronner/Stuttgarter Raum. Jedoch vereint Ihr auf dem Sampler Künstler aus ganz Deutschland. Was war das Auswahlkriterium für die auswärtigen Künstler? Seid Ihr einfach auf den Sound der Leute abgefahren?
Dexter: Wir haben einfach die Leute ausgewählt, die einen ähnlichen Film fahren wie wir und mit denen wir auch persönlich gut klar kommen, und, was auch noch wichtig war, deren Musik wir selbst hören und feiern.
Jaques: Jein. Dexter fand das ganze Zeug aus Berlin so gut und lag uns damit ständig in den Ohren. Ich hab’s dann irgendwann über mich ergehen lassen und gemerkt da draußen gibt es doch noch Leute die ähnlich ticken und einen ähnlichen Background haben.
Zeal: Schönheit. Uns ging es nur um Schönheit. Wir haben die schönsten Rapper Deutschlands auf unserem Sampler. Deswegen ist es auch der schönste Sampler Deutschlands. Und “Yes Hetero”.
Obi: Genau. Der Arbeitstitel der Platte lautete: “Beauty and the Beats”.
RL: Wie kamen die Kontakte zu diesen Rappern zustande? Habt Ihr euch auf Konzerten kennen gelernt? Oder Kontaktaufnahme mit den Artists via myspace?
Zeal: Myspace!? Niemals. Alter “95″ ist das Stichwort. Also bei jedem Rapper bestand und besteht direkter Kontakt in einer Weise. Außer bei Huss und Hodn und Creme Fresh. Muss ich zugeben. Aber Huss und Hodn sind bei unserer Releaseparty und Creme Fresh kriegen wir auch noch hin. Die anderen haben wir in der Tat größtenteils bei Konzerten kennen gelernt. Voll Oldschool.
RL: Dexter, der den Großteil der Platte produziert hat, besticht durch ein breit gefächertes Soundbild. Macht Ihr bei der Produktion gewisse Vorgaben, nach dem Motto: Ich will jetzt einen 94er Eastcoast Beat oder 96er G-Funk, oder wie ist/war der Entstehungsprozess?
Dexter: Ich mache mir nie Gedanken darüber, was dabei herauskommt, wenn ich etwas produziere. Deswegen kann auch niemand zu mir kommen und sagen: “Ich hätte gerne einen Beat in dem und dem Style…”, es passiert einfach. Manchmal kommen Sachen raus, die klingen nach Detroit und Dilla, ein andermal produzier’ ich ein Electro-Stück für die Tanzfläche oder ich loope einfach nur ein Sample und komprimier es übertrieben.
Für den Sampler habe ich dann aber schon ähnliche Beats verschickt, einfach aus dem Grunde, weil wir ein kollektives Soundbild haben wollten, damit der Sampler nicht zu “samplermäßig” wird, sondern Albumcharakter bekommt.
Im Grunde kann ich dir alles Mögliche produzieren. Außer vielleicht pseudomonumentale Cheap-Synthie Beats, die mit Hilfe von zwei Fingern an der Midi Tastatur und einem im Arsch entstehen. Ach ja, ich hab es an anderer Stelle schon mal erwähnt: Ich hasse dieses Sternenstaubgeräusch, was in vielen Produktionen auftaucht. Hört bitte auf, es zu benutzen!
Obi: Produzier’ mir endlich mehr End-83er South Bronx Oldschool Beats!
Jaques: Ich finde Sternenstaub sehr romantisch.
Zeal: Ich finde monumentale Synthie Beats Hammer.
RL: Gab es konkrete Vorgaben an die auswärtigen Künstler?
Dexter: Keine Standardtracks! Der Sampler muss dope werden!
Jaques: Zeal hat da ´nen Text verfasst, den er den ganzen Rappern geschickt hat, welche Richtlinien einzuhalten sind und was wir nicht draufhaben wollen. Ich hass’ ihn heute noch dafür. Wenn ich so einen Text bekommen würde für einen potentiellen Sampler-Beitrag, würd’ ich glaub Amok laufen.
Zeal: Jaja. Das Ding ist, so haben wir auch eine legendäre Geschichte. Ich finde es nicht schlimm, wenn man den Leuten klar macht, dass wir nicht jeden Track nehmen. Letzten Endes hat aber gar nicht jeder von den Künstlern dieses Schreiben bekommen und wenn doch, fand das keiner schlimm, weil auch klar drin stand, dass wir niemandem vorschreiben, was wir gerne hätten. Außerdem, heute wird der Sampler viel gelobt. Kann also nicht so falsch gewesen sein.
Obi: Ich denke, von vornherein Arschtritte zu verteilen, belebt das Geschäft – dem Sampler ist das ominöse Schreiben sicher nicht schlecht bekommen.
RL: Was ist eure Ambition, zum einen als Künstler, zum anderen als Label. Versteht Ihr Wortsport eher als Hobby oder hegt Ihr größere Pläne?
Dexter: Ich finde das Wort Hobby irgendwie negativ belastet. Wenn ein Hobby das ist, was man nicht hauptberuflich macht, dann ist Wortsport für uns zwar wirklich nur ein Hobby, aber ich persönlich stecke wirklich jede freie Minute in die Musik. Ich habe noch ca. 2 Jahre zu studieren, was danach ist, steht in den Sternen. Jedenfalls wird dann die Zeit sehr knapp. Dennoch kann ich mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen.
Jaques: Es steht im Sternenstaub! Klar, das ist alles bloß ein Hobby! Nächstes Jahr versuch ich mich mal mit Schlager. Da geht mehr Geld und meine Oma versteht dann auch mal was von dem, was ich da mache.
Zeal: Solange ich damit kein Geld verdiene, sehe ich das schon als Hobby. Was auch sonst? Natürlich strengen wir uns alle an, aber ich gehe nicht davon aus, dass wir irgendwann wirklich viel Geld mit unseren Projekten machen werden. Aber Scheiß drauf. Solange ein paar Leute die Musik cool finden und uns, wie auch immer supporten, machen wir weiter. Klingt romantisch und naiv, weiß ich, sehe ich aber genau so.
Obi: Wie wäre es mit ‘Passion’ statt ‘Hobby’? Aber Spaß beiseite: Der Sampler ist natürlich sowas wie ein Prüfstein für das Label. Wenn der eine Tür öffnet zu regelmäßigen Releases, wird da keiner von uns ‘nein danke’ sagen. Aber, ob sich der zeitliche Aufwand auch in Zukunft mit unseren eigentlichen Erwerbsquellen vereinbaren lässt – siehe Sternenstaub.
Zeal: JA! Passion, das hat so was von leiden-
RL: Gibt es im Wortsport Team einen Leader, der die Gruppe anführt bzw. einen Motivator, der alle in den Arsch tritt, wenn die Deadlines nicht eingehalten werden?
Dexter: Bei uns gibt es alle Charaktere. Den Stresser, den Faulen, den Beleidigten uvm. Wenn man zum ersten Mal was deutschlandweit veröffentlicht, über Vertrieb und pipapo, kommen alle Charaktere mal zum Vorschein.
Zeal: Ich. Also ich trete zumindest allen Leuten regelmäßig in Arsch um die zweifelsohne vorhandene Motivation wieder etwas anzukurbeln. Anführer bin ich aber nicht. Deadlines sind ein ganz wunder Punkt von uns.
Obi: Gute Frage. Früher gab es mal eine Rundmail-Serie von Dexter mit dem schönen Betreff “Elektronischer Arschtritt Nr.X”. Ich war immer nur der Adressat solcher Mails… Das war aber mehr crewintern bei Elemental Force. Julian hat Arschtreten zur Extremsportart ausgebaut.
RL: Zeal, du bist nicht nur am Mic aktiv, sondern schreibst auch für diverse HipHop-Medien. Siehst du das eher als Fluch oder Segen? Was ich damit sagen will: öffnet euch das gewisse Türen oder hörst du manche Leute sagen, “die stehen jetzt nur da oben, aufgrund des guten Drahtes zu den Medien”?
Zeal: Ganz ehrlich, kam noch nie vor. Ich habe bis zum heutigen Tag damit auch immer hinterm Berg gehalten. Mir ist es ganz wichtig zu sagen, dass es ein großer Unterschied ist, ob jemand Musik macht oder diese bewertet und darüber schreibt. Das darf man nicht verwechseln. Oft habe ich das Gefühl, dass Leute bei rappenden Journalisten das nicht so ganz drauf kriegen. Ich habe übrigens zuerst Musik gemacht und über andere Sachen geschrieben. Dann kamen Rap und Journalismus zusammen. Außerdem wollte ich nie das Eine groß mit dem Anderen verknüpfen. Als ich angefangen habe, wusste bei meinem ersten Arbeitgeber keiner, dass ich Musik mache. Dann hat mich ein Kollege verraten und die haben sich unsere Musik angehört. Sie fanden es auch ganz fresh. Deswegen trenne ich auch den realen und Künstlernamen ganz straight.
Um den eigentlichen Teil deiner Frage zu klären: Bei den großen Magazinen findet die oft vermutete Vetternwirtschaft definitiv nicht statt. Wie sollte das auch gehen. Schau dir Mal das Impressum der Juice und Backspin an. Da arbeiten so viele Leute, die mit Labels mehr oder weniger direkt in Kontakt stehen. Wenn da jeder seine Leute mit hochziehen würde und das zugelassen würde, wären beide Mags voll mit MC Hanswurst, der Dorfplatz Crew und Bushaltestellen Records und längst nicht an dem Punkt, wo sie heute stehen. Am Ende wird das Gesetz des Marktes, also einfach auch Magazine verkaufen zu müssen, nie ganz außer Kraft treten. Wenn du also Scheiß-Musik machst, die in einer Redaktion keiner fühlt, musst du damit leben. Was ich auch mal gerne sagen will, die Leute sollten
checken, dass nicht alles, was in einem Rapmagazin steht, ihnen gefallen kann. Geht mir ja auch so. Hat eben was mit Objektivität zu tun. Das krasse ist doch, kein Mensch regt sich über die News und Berichte in der Tagesschau auf. Wenn die Juice über irgendeinen Rapper berichtet, der 100 Leuten nicht schmeckt, wird aber endlos rumdiskutiert. Also soviel Mal dazu. Und, nein wir haben nicht von diesen Connections profitiert. Zumindest gab es weder einen 5 Seiten Bericht in der Juice noch in der Backspin. Die Kritiken sind ausnahmslos sehr gut bis gut. Auch da gab es keine Ausnahme oder einen Ausreißer, bei einem der Magazine, für die ich arbeite. “Wortsport Lounge- Der Sampler” fanden die meisten Kritiker gut. Allerdings profitieren wir davon, dass ich manche Sachen einfach kenne. Also das Journalisten-Nerven als wichtigstes Mittel, um stattzufinden, zum Beispiel.
RL: Der Track “95″ gibt eure HipHop-Sozialisation in 4 Minuten wieder. Hängengeblieben ist mir vor allem die Line “wir sind die Generation Tapedeck, Generation Backpack”. Backpack scheint wieder ein Trademark zu werden, Banjo sprach in einem kürzlichen Interview vom Sinnbild des Backpackers als Vertreter des “echten MCs”, bei dem Skills im Vordergrund stehen. Also Zeit die Jansports und Eastpaks wieder zu buckeln?
Dexter: Ehrlich gesagt mach ich mir echt nichts aus dem Begriff. Aber wenn es nur die beiden Extreme Backpacker vs. Gangster/ Bling Bling gäbe, dann wär ich wohl eher der Backpacker. Aber im Endeffekt scheiß ich drauf. Ich kann genauso Clipse feiern und einen Track später Madlib hören. Wenn jemand geil rappt, ist mir wurscht was er anhat oder was er vertritt, solang er kein Nazi ist.
Jaques: Ich hatte früher `nen Amigo-Rucksack. Alle Fools hatten Scout. Heute muss ich `nen Rucksack tragen um meine Brustmuskeln auszugleichen, sonst bekomm ich `nen Buckel. Warum die ganzen andren Deppen auf der Bühne und auch sonst `nen Rucksack tragen und was zum Teufel die da immer drin haben ist und bleibt mir ein Rätsel.
Zeal: Das ist eben ein Zirkel, in dem wir uns immer und immer wieder drehen. Morgen also wieder: Birkenstock, Freestylecyphers und vegane Vollkornküche. Wobei, so schlimm war es selbst damals nicht. So oder so: Spaß. Ich glaube es wird sich alles einfach wieder etwas mehr ausbalancieren. Gangstarap wird weiter bleiben, aber andere Sachen holen sich jetzt ihren verdienten Platz zurück. Der Rucksack kommt deshalb aber nicht zurück und das ist auch gut so. Abgesehen davon, dass mich dieses Rumgelaber um diesen Begriff nervt. Die einen sagen Backpack ist toll, die anderen, Backpack ist Scheiße. Ich sage “wenn Backpack für ein Extrem steht, ist er Scheiße”. Weißt du, ich spreche in dem Lied von der “Generation Backpack”. Das heißt nicht, dass alle aus der Generation heute zwingend Backpacks tragen. Die Generation Golf fährt heute ja nicht zwingend einen Golf. Es geht darum, nicht zu vergessen, was man mal gehört hat und zu seinen Wurzeln und den Regeln und Ansprüchen von damals zu stehen. Es geht darum, sich 4 Minuten zu erinnern und dann weiter zu machen. Außerdem fanden wir es geil, ein Statement mit diesem Lied abzugeben, was wahrscheinlich viele auf dem Sampler unterschreiben würden. Also werft eure Rucksäcke in die Luft.
Obi: Diese Generation ist in sich widersprüchlich vielfältig und nur schwer auf diesen Begriff zu bringen. Meine Einflüsse sind auch hauptsächlich zwischen 1979 und 1984 rausgekommen. ‘Generation Tapedeck’ gefällt mir als Begriff viel besser. Ich assoziiere mit Backpack auch nervige Freestyles bei Open Mic Sessions, deren Inhalte das vorwegnahmen, was Gangsta-Rapper heute ernsthaft auf Albumtracks unterbringen. Wir haben, glaube ich, immer eher textliche Wertarbeit beschworen. Backpacker steht vielleicht auch für Trittbrettfahrer – im Unterschied zu Bizness. Vielleicht lässt sich die unheilige Allianz von Bizness und Gangsta ja langsam aufbrechen in einer Zeit in der Eastpak nicht mehr nur hässliche Säcke herstellt.
RL: Eben genannter Song “95″ ist voll mit Zitaten aus der sogenannten “Golden Era”. Ich habe mal ein paar Tracks aus dieser Epoche heraus gesucht und möchte dazu gerne Eure Assoziationen oder Meinungen abfragen.
Wu-Tang Clan: ”Protect Ya Neck”
Dexter: Die erste offizielle Single des Clans. Anscheinend haben sie die 12″ aus dem Kofferraum raus verkauft. Ein großartiger Track und der Grundstein für die weltweite Wu-Tang Bewegung. Ohne Hook, nur großartige Rapparts von großartigen MCs. “Raw I´m a give it to ya-”
Jaques: Bring the motherfuckin rockus.
Zeal: Dex kam damals mit denen an. Ich habe mir dann recht spät über das erste Method Man Album Zugang geschaffen. Dann kam Wu-Tang Forever und ich war Fan. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir diskutiert haben, ob Wu-Tang Kommerz und jiggy oder doch noch real ist, als die Kleidermarke und all das kam. Verdammt waren wir damals auch dogmatisch.
Mobb Deep: “Hell on earth”
Dexter: Alle Tracks die du hier anführst, sind Klassiker. So auch dieser. Mann, dieses Sample ist genial und vor allem Prodigys Part kann jeder auswendig, der auch nur ansatzweise Plan von Hip Hop hat.
Zeal: Dex hat völlig recht. Ich weiß gar nicht, was man zu diesem Lied sagen soll. Hat doch jeder Mal irgendwo gehört. Ist für mich irgendwie HipHop-Konsens.
Obi: Den Part auswendig können müssen, HipHop-Konsens? Jetzt mal bitte nicht die Dogma-Tour. Ich kenne nur die 7-min. Version von “Rapper’s Delight” auswendig. Null konsensfähig, klar.
Zeal: Das doch nicht. Ich meine das Lied kennen. Den Part kann ich auch nur die ersten 6-7 Zeilen mitrappen.
Show & AG: “Next Level”
Jaques: Hat mein großer Bruder damals auf Platte angebracht und ich hab es gefeiert. Ich kenn von denen aber sonst überhaupt keinen Track.
Zeal: AG gehört zu den MCs, die ich erst viel später über ein geiles neues Album für mich entdeckt habe. In seinem Fall war es das Album von 2007. Das habe ich damals gefeiert. Hat Madlib viel drauf gemacht, war geil. Dann habe ich mir für wenig Geld bei HHV alte Sachen von ihm geholt und mag den Kram.
Nas: “It Ain’t Hard to Tell”
Dexter: Hammer. Wie das Album. Wobei mir “NY State Of Mind” oder “The World is Mine” noch besser reingelaufen sind bzw. noch immer laufen.
Zeal: Ich weiß noch, wie ich das Lied damals zum ersten Mal gehört habe. Killer, Hammer. Zu dem Zeitpunkt hatten auch Public Enemy eine neue Single draußen. Ich glaube das war “There’s a poison going on”, bin mir aber nicht sicher. Nas fand ich jedenfalls viel besser.
Obi: Tolles Beispiel für den nie alternden NY-Sound, mit dem ich gleich auch Main Source, Gang Starr uvm. assoziiere.
The Pharcyde: “Runnin’”
Dexter: Dilla! Was will man da noch sagen. Ich liebe den Vibe, die MCs, den Basslauf, der nur in der Hook reinkommt. Einer der perfektesten Tracks der Hip Hop Geschichte.
Jaques: Dieses Lied ist ein scheiß Meilenstein! 1,0, 100 Punkte, 1.Platz!?
Zeal: HipHop-Konsens. Dilla Klassiker, Supersong. Ich muss da immer an Obiwan denken. Er war immer Riesen-Pharcyde Fan und hatte alle Alben von denen. Obiwan, sag mal was zu dem Song.
Obi: Ihr habt eigentlich schon schöne Superlative gefunden. Stimme ich hier auch voll zu. Meine Wellenlänge – auch die ganzen kongenial gemachten Pharcyde-Videoclips.
Group Home: “Livin’ Proof”
Dexter: Das ist für mich ein perfektes Beispiel für einen minimalistischen Loop, der sich zwar ständig wiederholt, aber dennoch nie langweilig wird! Premo hat in letzter Zeit aber nicht mehr derartig Dopes zustande gebracht-
Zeal: Yes! Die Jungs bringen dieses Jahr ein Album oder ne EP. Jedenfalls haben die `ne neue Single: “Rastafari”. Killerdings, klingt uralt und ohne jede Innovation, ist aber einfach Killer. “Living Proof” finde ich bis heute geil.
Onyx: “Last Dayz”
“America´s nightmare, young black and just don´t give a fuck, I just wanna get high, live it up!” Sticky Fingaz ist so genial böse. Der Track hat seit 8 Mile bei vielen ein Revival gefeiert bzw. kennen ihn viele erst seit dem Film. Wenn man die Samples kennt, die bei Last Days verwendet wurden, muss man auch Respekt für die Produktion geben. Da hat sich jemand echt Gedanken gemacht. Ich weiß grad nur nicht mehr wer…
Jaques: Ich konnte mit ONYX nie was anfangen.
Zeal: Bei Onyx muss ich immer an Jay-Z denken. Ich hab damals in London das zweite Onyx Album mit “In My Lifetime Vol. 1″ gekauft. Beides geile Alben.
Ghostface Killah “Daytona 500″
Dexter: Super! Auch das Tony Starks Zeichentrickvideo dazu. Mir gefällt auch das Original von Bob James sehr gut.
Obi: Yep. Geiler Beat & Rap + unkonventionelles Video = super.
Zeal: Der Geistgesichts Töter halt. Ich glaube, ihn zu kritisieren wäre wirklich ein Schuss ins eigene Bein. Ich finde aber sein “Pretty Toney” Album seine geilste LP. Das hat aber was mit guten Erinnerungen und geilen Lox-Features zu tun. Sieht wohl sonst auch keiner so auf dieser Welt.
Gang Starr: “Mass Appeal”
Zeal: Gang Starr ist eine der Gruppen, von denen ich mir blind Alben gekauft habe. “Step in the Arena” zum Beispiel. Dann später auch dieses Best-Off-Album. Von daher war das in diesem Fall nicht besonders mutig. Ich fand die Band immer geil. Wobei ich Guru für jemanden halte, der es einfach nicht versteht, in Würde zu altern. Die letzten Releases und Superproducer Solar waren oder sind wack. Mass Appeal ist ein unzerstörbarer Klassiker. Aber ich habe den totgehört. Frag doch mal was zu Delinquent Habits, die habe ich früher ernsthaft gepumpt. Oder zu UK-Rap. Das war meine andere Leidenschaft am Anfang. Phi-Life Cypher, Mark B & Blade, Nextmen und vor allem Roots Manuva und Ty. Killer. Bis heute.
Obi: Supergut. Ein Lied für jede Jahreszeit. Noch mehr Respekt gebe ich Guru aber für Jazzmatazz 1 und 2, von denen ich jahrelang nicht genug bekommen konnte.
Snoop Doggy Dogg: “Gin & Juice”
Zeal: Ich fande und finde Snoop als Typen wirklich cool, aber als MC war er für mich nie so relevant. Ich war eher auf Ice Cube.
Obi: Ooh! Doggystyle! Wie lange hab’ ich das nicht mehr gehört! Das war ein großer Einfluss für mich und Karter (auch von Elemental Force), der sich alle Westcoast-Alben der Neunziger kaufte. Snoop ist für mich auf jeden Fall als MC relevant. Der Sound dieser frühen Lieder – “21st Jump Street” ist da mein Lieblingstrack – ist bei mir immer gelinkt mit Warren G, Tha Dogg Pound, Twins, sowie mit Streetball-Sessions und Filmen wie “Above the Rim”, “White Men can’t jump”, “Schieß’ auf die Weißen” uvm.
Jay-Z: “Dead Presidents”
Jaques: Jay-Z in Höchstform. Ich liebe diesen Mann. Ich habe ihn geliebt! Unter anderem für diesen Track! Kommerz hin oder her! Beyonce hat geile Schenkel und ich würde auch mit ihm schlafen für ein Feature! Wobei der is schon hässlich ne.
Zeal: Unglaubliches Lied. Geiler Beat. Wenn man bedenkt, auf was für Beats Jigga heute rappt. Nicht, dass ich die Scheiße finde, aber trotzdem. Richtig Fan wurde ich aber, auch wenn das nicht real ist, 98 als er “City is Mine” raus brachte. Blackstreet Feature, ganz großes Kino. Ich habe dieses Lied 10 Mal nacheinander angehört und dann noch mal. Ich finde es immer noch geil und das Video: Die üblichen Verdächtigen-Styles. Great!
Lootpack: ”Whenimondamic”
Dexter: Das Stonesthrow Ding habe ich wirklich von Stunde 0 an mitverfolgt. Dazu gehörte dieser Track auch. Das brachte echt wieder eine gewisse Dreckigkeit in das Hip Hop Geschehen. Produziert von Madlib, der damals wohl nicht ahnen konnte wie groß er einmal sein wird. Oder vielleicht doch?
Obi: Du regst dich ja noch heute auf, dass das Lootpack-Album (vielleicht wegen des Cover-Artworks??) damals nur drei Kronen in der Juice bekam. Du wolltest damals wegen Stonesthrow nach Kalifornien auswandern… das Lied finde ich auch großartig, ebenso das Video. Ich liebe Wüste.
Capone-n-Noreaga featuring Tragedy: “T.O.N.Y. (Top of New York)”
Jaques: Läuft heute noch bei mir im Auto. Geiles Video, geiles Lied, war auch ne geile Platte.
D.I.T.C.: “Day One”
Dexter: Ein Brett von Diamond D. Genauso hätte ich das Sample auch geloopt, hätte ich es zuerst gefunden. Habe ich aber nicht. Ein Schnipsel von dem Beat haben wir auch in unser “95″ vom Sampler unter Dennis Da Menace´s Part gebaut. Als Hommage, versteht sich…
La Familia: ”Harte Zeiten”
Jaques: Wir hamm das damals gefeiert wie verrückt! Börsencrash, Absturz wie Johnny Cash!
Kool Savas: ”L-M-S”
Jaques: Hab ich vom DJ im Vorprogramm von unsrem allerersten Auftritt gehört in nem Kuhdorf im Schwäbischen Niemandslied. Ich dachte nur: Fuck was isn des jetzt?
Zeal: Ich weiß noch, wie Dex mir eines der ersten WBM-Tapes natürlich als Raubkopie vorspielte und ich völlig verwirrt war. Damals hat mich das echt überfordert. Dann habe ich lachen gelernt. Es ist schon krass, da schaust du nach Stuttgart, Hamburg, Heidelberg und München, nimmst jedes Wort ernst und musst erstmal lernen, dass es eben nicht immer so ist. Ist ein Killertrack über den wir viel diskutiert haben.
Obi: Ich fand’s von Stunde Null an riesengroßen Scheiß, unter aller denkbaren Kanone. Trotz des Flows. Für mich war das keine Frage von Ernst oder Spaß. Damals habe ich in unseren beinharten Diskussionen immer gesagt: Das ist eine Frage von Anstand und moralischer Integrität. Ich kann immer noch nicht über die Masse von maroden und für mich ultra-langweiligen Selbstbeweihräucherungen lachen, die das im deutschen Hip-Hop so nach sich gezogen hat. Von daher war das natürlich ein Meilenstein.
RL: Viele dieser Songs entstammen Alben, die auch heute noch als zeitlose Klassiker gelten. Welches war denn das letzte Rap-Album, das Ihr als “Classic” bezeichnen würdet?
Dexter: Jaylib “Champion Sound”
Jaques: JAY-Z “Black Album”
Zeal: Jaylib definitiv aber bei mir rotiert das letzte Slum Village Album. Dann das vorletzte Sean Price, Guilty Simpson und Dizzee Rascal um mal was ganz anderes zu erwähnen.
Obi: Weil das meines Wissens erst jetzt richtig rauskam: LSD: “Watch out for the third rail”.
Zeal: Stimmt nicht, ist ne Re-Issue, war schon früher mal draußen. Nur vergriffen.
RL: Nach dem letztjährigen Erfolg von Huss&Hodn, Dilemma etc, die auch alle vom Sound dieser Epoche beeinflusst sind, denkt Ihr, dass die Raphörer nun wieder nach Inhalten, Skills und dem klassischen Rapsound sehnen?
Dexter: Die MCs kommen zurück!
Jaques: Gloob ick nich wa.
Zeal: Die Raphörer werden sich genauso nach Gangstaklisches, wacken, künstliche klingenden Pianobeats und anderem Dreck sehnen. Vielleicht kommt für manche der MC zurück, aber ich wage nicht, hier einen Trend zu prognostizieren. OK, diese ganz wacke “ich mach auf Business”-Kacke und trage Billo-Schmuck wird aussterben, aber was noch alles kommt, weiß ich nicht. Rap wird wahrscheinlich wieder in alle Richtungen etwas offener, aber dadurch wird die Szene auch aufgesplitterter. Das heißt, du musst Gangsta, Studenten und Partypeople befriedigen, wenn du den ganz großen Erfolg willst. Dann Mal viel Spaß beim Album recorden.
Obi: Ich versuch mal ne These: In einer allgemeinen Krisen-und Jammer-Stimmung in D.
haben viele nach Figuren gesucht, die den Hitler markieren. Die haben den Karren vollends in den Dreck gefahren. Und jetzt kommen wir, die Adenauer-MCs. Bullshit.
RL: Seht Ihr Euch als Gegengewicht zum gegenwärtigen “Gangster”-Sound bzw. zur Generation-Dipset?
Dexter: Nö. Ich liebe Dipset, Vögel, rosa Klamotten, XXXXXXXL und alles was dazugehört.
Jaques: Quatsch. Das Gewicht auf der andren Seite der Wippe ist eh viel zu groß. Somit sitzen wir ständig oben.
Obi: Liebe und Respekt für diese Metapher.
Zeal: Ach so viele sind das nicht mehr. Die Dipset Rapper haben sich ja selbst zerfleischt, hätten sie mal genauer auf den Clan geschaut und was gelernt. Jetzt ist ihre Generation führerlos, was sie zu willigen Schäfchen macht, die wir nur einsammeln und in unsere Herde aus hungrigen Wölfen integrieren müssen. Das wird ein Fest.
RL: Wie entgegnet Ihr Kritikern, die euch vorwerfen, letztlich auch nur den Sound einer gewissen Epoche zu re-animieren?
Dexter: Hat mir persönlich jetzt noch niemand vorgeworfen.
Jaques: Lass uns n Bier trinken und über die alten Zeiten reden.
Zeal: Ne, Kritiker nennen uns Öko. Da fehlen mir dann aber die Worte. Es gibt wirklich Hängos, die diesen Sound von früher bis heute machen und mit ihren Beats langweilen. Aber not us.
Obi: Frag’ das mal Ugly Duckling und Jurassic 5. Aber mit dem gleichen Recht wie diese Gruppen können wir, glaube ich behaupten, dass wir nicht in der Vergangenheit stehengeblieben sind. Außerdem werden wir es nie schaffen, uns anzuhören wie die Ami-Acts, über die wir sprachen, weil die Sprachbarriere allein schon den Sound völlig verändert.
RL: Staiger hatte ja vor kurzem dieses Youtube-4-Elemente-Battle gegen Franky Kubrick, denkt Ihr dass dieses Old-School-4-Elemente Movement wieder zurück kommt?
Dexter: Das glaube ich nicht. Das alles ist einfach viel zu groß geworden. Ich kenne Graffiti Leute, die Techno hören und eher wenig mit HipHop zu tun haben. Trotzdem malen sie geil. Mir ist das gar nicht so wichtig, dass das alles zusammen gehört.
Jaques: Im Gegenteil. Die 4 Elemente verselbstständigen sich immer mehr. Für die Kids spielt das ohnehin keine Rolle mehr. Für die gehört auch BMX-fahren dazu und smsen und weiße Air Force tragen und Jimi Blue Fotzenknecht hören. AAAAArgh. Purer Hass!
Zeal: Ich will’s ja kurz machen, aber geht nicht. Diese 4 Elemente kann man heute getrost weg lassen. Die Sache mit Staiger war ja auch eher ‘ne witzige Angelegenheit. Klar, es ist cool und angebracht, die Elemente zu würdigen und nicht zu vergessen, was da mal war. Aber heute davon zu reden, du musst die können oder ganz toll finden, ist endlos dogmatisch. Braucht kein Mensch. Hallo in 08. Man muss klar sehen, dass sich die ganze Gesellschaft entwickelt- So auch Rap, denn wir sind ja ein Teil vom großen Ganzen. Die 4 Elemente müssten nicht nur durch die im letzten Popstar-Casting erwähnten Elemente ergänzt werden. Was war das noch, Producing und so was. Es war jedenfalls voll Knowledge. Zurück zum Thema:
Was ist denn mit dir, oder nimm prominente Medienvertreter wie Falk oder die Chefredakteure der Juice und Backspin, keine Ahnung, jeden relevanten HipHop-Schreiberling, der sich Nächte, um die Ohren haut, Rezensionen verfasst oder Interviews führt. Das ist für mich genauso ein Element: Medien. Wir leben in einer Mediengesellschaft, das Internet ruled. Jugendhausjams machen dich nicht mehr bekannt, Myspace und Youtube tut es, Rapjam tut es. Die Juice, Backspin und all die Web-Präsenzen. Kurz: die Medien tun es. Das ist für mich genauso ein HipHop-Element, weil dort Menschen Zeit opfern, etwas bewegen und darüber hinaus auch kreativ sind.
RL: Habt Ihr neben der Musik euch auch in anderen HipHop-Disziplinen betätigt bzw. seid heute noch darin aktiv?
Dexter: Ich rappe, leg auf und produziere. Das ist so schon viel zu viel um allem die gleiche Aufmerksamkeit zu widmen…
Jaques: Tuff-Color von Sparvar haben geil gerochen. Montanas riechen ähnlich.
Zeal: Ich habe zwei Beats in meinem Leben gemacht. Die waren wack. Ah das is ja nicht mal ein Element.
Obi: Ich mache kantige Oldschool-Moves, hab es aber nie zum Breaker gebracht. Basketball war für mich von Anfang an ein wichtigeres Element als Sprayen oder Breaken. Liebe ich auch weiterhin.
RL: Welche weiteren Projekte stehen bei Euch an und gibt es bereits Planungen zu Sampler Nr. 2?
Dexter: Wenn wir Major gehen, kommt der Wortsport Sampler Teil 2. Mit Nelly Furtado, Akon, Lil´Wayne und Will Smith. Nee, also im Ernst: Im Moment ist kein zweiter Sampler geplant. Wir wollen jetzt erstmal mit komplett eigener Musik rauskommen. Das nächste wird ein Konzeptalbum von Jaques und mir namens “Schelle” sein. Kommt im Spätsommer!
Ach ja, dazwischen gibts wahrscheinlich noch ‘ne EP von Elemental Force, meiner eigenen Gruppe.
Jaques: Ich mach ein Mixtape mit Sternenstaubinstrumentalen und bewerb mich für Feuer über Deutschland – als Moderator.
Zeal: Wir planen eine Doppel EP von Dennis Da Menace und Elemental Force zum Splash! aber mal schauen, ob’s klappt.
RL: Wird der Sampler eventuell mit einer Tour begleitet?
Dexter: Leider nein, nur von einer grandiosen Releaseparty in Heilbronn mit Huss & Hodn, Damion Davis, Morlockk Dilemma und uns natürlich. Aber wenn ihr das lest, dann ist die bereits Geschichte! Ein Stück HipHop Geschichte in Heilbronn.
Jaques: Nein!
Zeal: Wenn uns jemand bucht. Wobei buchen klingt immer so nach großer Sache. Wir würden gerne touren und spielen gerne live.
RL: Alles Klar, vielen Dank für das ausführliche Interview!