RSS

Archive for September, 2008

Zugegeben, Lines wie: „[...]Nein, kannst hier nicht einsteigen, mein Beileid/Schweig, dass hier bleibt mein Mic, mein Lifestyle/Mein, kann niemals Dein sein, kein „klein klein“/ Fein, dann zieh dir meins rein[...]“ strotzen nicht unbedingt vor lyrischem Tiefgang oder virtuoser Reimkunst. Nichtsdestotrotz zieht einen die Debütplatte des Wiener Künstlers Deph Joe sofort in den Bann.

Aus dem Waxolutionists Umfeld kommend, hat der 31-jährige bereits vor ein paar Jahren mit der Maxi ‘Bohemian Rhapzodeez’ für ordentlich Umdrehungen auf den Plattentellern von DJs mit feinem Musikgeschmack gesorgt. Deph Joe setzt weniger auf ausgeklügelte Reimschemata oder sonstigen Spitter-Unsinn sondern überzeugt durch eine eigenständige Mischung aus lässigem Rap, der mitunter in Spoken Word Gefilde abdriftet, und Soulgesang. In Verbindung mit seinem sympathischen „Wiener Schmäh“ darf man ihm zweifelsohne eine gehörige Portion Swagger attestieren. Besonders wertvoll macht ‘Hey Playa’ jedoch die Instrumentierung. Das Wiener Kollektiv Soulcats, bestehend aus den Produzenten Brenk und Fid Mella, sowie den Waxolutionists bestechen auf den insgesamt 15 Songs durch ein einheitlich sphärisches Soundgewand. Gäbe es eine Beat-Akademie, dann hätten die Herren sicherlich die Kurse der Dozenten Questlove, OhNo, Pete Rock und J Dilla belegt. So vermischen Sie die Einflüsse zu einem bunten Potpourri das zum Tanzen, Abschalten oder zu einer Autofahrt durch die dunklen, leeren Straßen der Stadt einlädt. Passend dazu unterhält Deph Joe den Hörer mit Clubstories (‘Hey Playa’), Liebesbekundungen an seine Angebetete (‘Wie Macht Sie Das’, ‘Allein Zu Zweit’, ‘Partygirl’), stoischem Geprotze (‘Genesis’, ‘M.A.R.S.’) oder feinsinniger Lebensreflexion (‘Wege Die Wir Gehen’).

Deph Joe gelingt mit seinem Solowerk ein Novum. Er hat eine reife, eigenständige und absolut unpeinliche deutschsprachige Rapplatte mit Clubappeal erschaffen, die Ihre musikalischen Referenzen aus der Stadt mit dem „capital D“ nicht verleugnet und in unseren Breiten ein neues HipHop-Subgenre begründet.

DEPHJOE – HEY PLAYA
VÖ: 03.10.08
Label: Supercity
Producer: Brenk, Fid Mella, DJ Buzz, Main Loop,
Features: L´Enfant Terrible
URL: www.myspace.com/dephjoe
  • Share/Bookmark
29 Sep 2008

DEPHJOE – HEY PLAYA

Author: Benson | Filed under: CD / LP Reviews, Reviews

Mangelndes Selbstbewusstsein kann man DJ Revolution nicht unterstellen, schließlich krönt er sich im Titel seines zweiten Soloalbums (die zahlreichen mixtapeähnlichen Veröffentlichungen einmal ausgenommen) selbst zum König der Plattendreher. Nicht zu Unrecht, denn fragt man HipHop-DJs von Tokio bis London nach Ihrem „favourite DJ“ fällt mit großer Wahrscheinlichkeit der Name Revolution.

Das Grundmotiv seines neuen Albums ist jedoch weniger eine ausschweifende Selbstbeweihräucherung, statt der Versuch, den DJ wieder stärker in den HipHop-Kontext zu setzen. Um dieses Vorhaben erfolgreich umzusetzen, stehen dem frischen Duck-Down-Signing neben halb Duck Down (Sean Price, Special Teamz, KRS-One, Boot Camp Clik) und befreundeten Rappern (Dilated Peoples, Planet Asia, Defari) auch aktuelle Hype-MCs (Termanology, Guilty Simpson, Bishop Lamont) zur Seite. Ein amtliches Lineup, dass dem einen oder anderen Rapfan sicherlich feuchte Augen beschert. Im Vergleich zu seinem Erstling ‘In 12“ We Trust’ ist das Sequel also deutlich raplastiger ausgefallen, wohl ein Versuch das Album massentauglicher zu gestalten. Trotz dieser geballten MC-Flut gibt es auf den 15 Raptracks selbstverständlich auch die obligatorischen Chorus-Cuts in Kombination mit traumhaften Turntablism-Terror. Schlüsseltrack des Albums ist, die längst überfällige Hymne an die Erfinder der HipHop-Kultur, ‘The DJ’ mit KRS-One, denn schon auf dem oben genannten ersten DJ Revolution Album hieß es im Song ‘The Backbone’: „discjockeys created HipHop“. Beat und Message gab es in ähnlicher Form jedoch auch schon auf ‘The MC’ von KRS’ 97er Platte ‘I Got Next’. Die BCC-Kollabo ‘Start The Revolution’ oder das giftige NY-Boom-Bap-Veteranentreffen ‘Damage’ mit Blaq Poet und Bumpy Knuckles sind amtliche Banger, doch generell lassen Revolutions Instrumentale oft die nötige frische oder das zwingende Überraschungsmoment vermissen, was ‘King Of The Decks’ eher zu einem netten Häppchen für Zwischendurch werden lässt. Deutlich kreativer und langlebiger geht es auf den reinen DJ-Songs und Skits zu, bei denen Whoo Kid, Clue und Co. Ihr Fett weg bekommen (‘Scratch Nerds’), Revolution die Props von DJ Premier als Steilvorlage zum Cutten perfekt annimmt (‘The Biggest Up’), DJ Qbert zum einem Chirp-Talk auf Planet Scratch einlädt (‘Invaders From The Planet Scratch’) und es zu einem Rückspiel im Cut-Battle mit seinem Kumpel DJ Spinbad kommt (‘The Re-Match’). Weiterhin erwähnenswert, dass Revolution auf dem von Marco Polo produzierten ‘Casualties Of Tour’ (gibt es 2008 eigentlich ein Indie-Rap Album ohne Marco Polo Beat?) sogar die erste Strophe selbst einrappt und sich trotz der hölzernen Vortragsweise recht achtbar schlägt.

Aktive Turntablism-Freaks finden auf ‘King Of The Decks’ Material zum studieren und nacheifern, Indie-Rap-Dogmatiker Futter zum Austausch am HipHop-Stammtisch. Persönlich finde ich das Gros der Rapsongs belanglos und daher fühle ich mich bei den vereinzelten, puren Scratchtiteln besser unterhalten. Im Vergleich zum, vor acht Jahren erschienenen, Werk ‘In 12“ We Trust’ demnach ein Rückschritt.

DJ Revolution – King Of The Decks
VÖ: 19.09.08
Label: Duck Down / groove attack
Producer: DJ Revolution, Marco Polo, DJ Numark
Features: Sean Price, Tash, KRS-One, Guilty Simpson, Royce da 5’9“, Bishop Lamont, Crooked I, Styliztik Jones, Special Teamz, Boot Camp Clik, DJ Qbert, Joell Ortiz, Termanology, Rakaa Iriscience, Blaq Poet, Bumpy Knuckles, Kbimean, DJ Premier, Strong Arm Steady, Planet Asia, Defari, Evidence, Sway & King Tech, DJ Spinbad, DJ Raid
URL: http://www.djrev.net
  • Share/Bookmark
26 Sep 2008

DJ Revolution – King Of The Decks

Author: Benson | Filed under: CD / LP Reviews, Reviews

Der Magdeburger Vit-Armin B konnte das letzte 1on1 Freestyle Finale für sich entscheiden und macht zur Zeit mit seinem Mixtape “Spittersport 3″ von sich reden. Wir baten zum Telefongespräch.

RL:  Hallo Armin, schön dich zu erreichen, ich hoffe dir geht es gut?

Vit-Armin B: Wir sitzen hier geraden, hören ein paar Platten durch, weil wir noch ein paar Scratches
aufnehmen für die jetzt kommende EP und-joah, alles bestens auf jeden Fall.

RL:  Dadurch dass wir uns so oft verpasst haben, könnte man schließen ihr seid im Stress-

Vit-Armin B: Oh ja doch, auf jeden Fall. Das man mal verschnaufen kann ist eher selten. Wir sind jetzt
eigentlich seit Anfang des Jahres immer täglich mit Mucke am Schaffen.

RL:  Das hat wahrscheinlich auch mit dem Gewinn des 1on1 Freestyle Battles zu tun oder? Du hast ja damit auch sehr viel Aufmerksamkeit auf dich gezogen. Wie gehst du damit um, ist dir das vielleicht sogar schon lästig?

Vit-Armin B: Naja, man muss ja sagen, dass die Freestyle-Sache in der ganzen Szene mittlerweile leider eher unterbewertet ist. Insofern ist das mit der Aufmerksamkeit nicht so krass wie man sich das vorstellt. Dann schon eher von den wirklichen Insidern, von dem Durchschnittsfan, der sich sonst nur mit Aggro und Ersguterjunge beschäftigt, kommt natürlich nichts. Die Leute die selber rappen schauen natürlich und da kommen auch mehr Feature-Anfragen als vorher. Das ist aber jetzt nicht lästig, sondern eher OK.

RL:  Die Erwähnung in den HipHop-Medien, Juice & Backspin, dass du als Gewinner des 1on1 Freestyle-Battles feststehst, gab es natürlich schon und deswegen denke ich, dass da schon eine etwas breitere Masse auf dich aufmerksam geworden ist.

Vit-Armin B: Ja, ich werde durchaus wenn ich irgendwo außerhalb auftrete angesprochen, aber es gab eben nicht viel über den direkten Draht, außer von Magazinen halt. Sicher wird man auch von Fans über Myspace angeschrieben, aber sonst ist nicht viel passiert. Ich denke mal, dass das auch noch zunimmt wenn die 1on1-DVD veröffentlicht wird.

RL:  Was auch sehr gut passt ist der nächste Teil von “Spittersport”, der jetzt, 4 Jahre nach dem letzten Teil, veröffentlicht wird. Viele Leute hätten das Release vielleicht noch näher an das Finale gezogen, damit habt ihr aber nicht kokettiert?

Vit-Armin B: Naja ich hatte ja vor 2 Jahren die “Dick und Dope” veröffentlicht, aber viele Leute aus dem Umfeld haben dazu gedrängt noch einen Teil von “Spittersport” zu veröffentlichen. Eigentlich war es gar nicht als Trilogie geplant, aber dann haben wir eben gesagt machen wir noch einen. Fertig war die CD eigentlich schon Ende letzten Jahres. Dadurch das wir aber mit unserem Label DopeEntertainment soviel zu tun haben und auch viele junge Leute hier in und um Magdeburg fördern, ist halt viel dazwischen gekommen. Es fehlte halt die Zeit uns nochmal hinzusetzen und fertig abzumischen. Wir wollten ja auch nichts Halbgares releasen und schon gar nicht nach dem 1on1, wo die Leute schon mal eher rein hören. Also haben wir uns darauf geeinigt lieber nochmal 2-3 Monate uns Zeit zu lassen und fertig abzumischen. Die Aufnahmen standen alle schon im November, das Konzept, also das es ein Doppel-Mixtape wird, war auch schon alles zu Ende gedacht, nur die finale Umsetzung fehlte halt noch.

RL:  Du hast eben selbst gesagt: “Das Ende der Trilogie”. Damit hat sich “Spittersport” also. Unabhängig von Erfolg oder Misserfolg wollt ihr auch nichts mehr nachschieben?

Vit-Armin B: Es wird auf jeden Fall kein Mixtape mehr geben, bei dem ich ausschließlich über Bootlegs rappen werde. Wir werden, denke ich mal, schon noch Mix-CDs machen, vielleicht sogar mit dem gleichen Charakter, das es gemixte Sachen sind. Im Gegensatz zu 70% der anderen Sachen die sich Mix-CDs nennen war ja “Spittersport” wirklich gemixt und hatte auch ein Konzept hinter der Trackreihenfolge. Es ist aber auf jeden Fall das letzte Mal, dass wir for free so eine Sache raushauen und ich mich ausschließlich auf Ami-Beats beschränke. Wir haben eine gute Auswahl an Produzenten bei uns im eigenen Team und auch so gibt es in der Region viele junge Talente und Beatbastler. Ich denke das wird auch für den Zuhörer interessanter.

RL:  Du hast das Konzept erwähnt, die Seiten des Mixtapes sind aufgeteilt in “Osten Powers” und “La dolce vita”, kannst du kurz erklären was dahinter steckt?

Vit-Armin B: Ja also im wesentlichen war es so, das ich schon 2006 mit recorden angefangen habe und ich habe gedacht, ich mach das einfach so wie bei den ersten beiden Teilen: 30 Tracks, wir suchen die Besten raus und dann wird’s rausgehauen. Da hieß das Mixtape, so als erste Idee, schon “La dolce vita”. Später, Ende des Jahres kam ich dann auf die Idee es “Osten Powers” zu nennen, da die Mixtapes ab “Spittersport 2″ immer einen Untertitel hatten und 2007, als ich gesagt habe wir müssen das jetzt mal konkret machen, hab ich festgestellt das ich schon über 40 Tracks gesammelt hatte, wovon auch ein paar für den 2007er Weihnachtskalender, den ich auf meiner Homepage hatte verbraten wurden. Naja und dann war es halt schwer zu sagen von welchen Tracks man sich jetzt genau trennt, denn es lagen immer noch sehr viele unreleaste Sachen auf meiner Festplatte rum. Also hab ich auf “Osten Powers” die Tracks gesammelt, die sich ausschließlich mit Battlerap beziehungswiese dem Representing unserer Region beschäftigen und auf “La dolce vita” sind es eben die Partystories und Frauengeschichten, die ich schon auf den älteren Mixtapes sehr gerne erzählt habe.

RL:  Das merkt man auch: 1. Seite Battlerap, 2. Seite fast schon die Clubschiene.

Vit-Armin B: Ja wenn man mal von den Leuten ausgeht, die sich die CD aus dem Internet runtergeladen haben, soll die A-Seite eben zeigen das der Typ spitten kann, die Skills sozusagen und auf der B-Seite wird das Ganze eben mehr angewandt und mit Story und Thematik unterlegt. Wenn auch mit ziemlich einseitiger Thematik werden viele meinen. Aber ich sag ja immer man kann aus einem Aspekt immer viele verschiedene Sachen rausziehen, wenn man nur genug Ideen hat.

RL:  Wie schon die anderen Teile ist das Ganze auf deiner Homepage runterzuladen. Wie sieht’s aus, kann man die CD auch bei euch bestellen irgendwie?

Vit-Armin B: Wenn jemand Interesse hat, schreibt mich oder DJ Taip an und wir können eine Hardcopy verschicken. Das würde dann vielleicht 3-4 Euro kosten, Herstellung und Versand halt. Wir haben ja auch 1000 Hardcopies gemacht, die wir bei Konzerten verteilen, beziehungsweise gibt es ja auch Leute die sagen “Nee ich will das nicht for free, ich geb euch jetzt n paar Euro”. Und ich find es schon cool, wenn man dem Fan überlassen kann seine eigene Wertschätzung zu zeigen. Und ich finde es schon gut, dass es auch ein paar Leute gibt, die uns etwas Geld dafür gegeben haben, denn das zeigt ja schon dass die Leute unsere Mühe und Arbeit die wir da reingesteckt haben zu würdigen wissen.

RL:  Was ist das Konzept hinter DopeEntertainment?

Vit-Armin B: Ich hatte die Idee, neben der Musik, die ich auch ohne jegliche Labelstruktur veröffentlicht hatte, etwas weiterzugeben und Leute in unserer näheren Umgebung zu finden, bei denen es sich lohnt ein bisschen Starthilfe zu leisten. Ich könnte jahrelang nur Solotracks aufnehmen, aber so eine richtige Session mit mehreren Leuten ist natürlich cooler. Da ich in der Vergangenheit schon sehr schlechte Erfahrungen mit Features gemacht habe, mit Leuten mit denen man kein persönliches Verhältnis hat, war meine Idee so eine Art Crew aufzubauen, einen gemeinsamen Vibe zu finden. Wenn man dann halt Künstler und Releases hat, war das Label der nächste logische Schritt. Den Vertrieb, die Vermarktung, die Promotion hab ich dann halt übernommen. Finanzielle Hintergründe haben wir da eigentlich nicht, wir arbeiten eigentlich immer schon mit Plusminus null. Die einzigen Sachen die heutzutage rentabel sind, das muss man leider sagen, sind halt Auftritte. Da schaut eben jeder Künstler wo er was rankriegt und ich vermittel halt auch ein bisschen. Man muss halt sehen: man kann keinem Newcomer, der ein halbes Jahr rappt eine 300 Euro Gage pro Abend verschaffen, das muss man schon in Relationen sehen. Aber man kann sie eben ein bisschen ins Spotlight rücken und das haben wir dieses Jahr auch schon mit 2 Künstlern aus unserer Crew gemacht, die haben bei einem Nachwuchscontest mitgemacht. Die Sachen ergeben sich dann eben, da bekommt mal einer Aufmerksamkeit durch regionale Presse und ist dann halt gefragt bei Auftritten. Wir sehen uns da mehr in der Vermittlerposition und bauen uns eine Basis auf. DopeEntertainment hat sich so in Sachsen-Anhalt, Brandburg, vielleicht sogar schon bis Leipzig runter einen Namen gemacht und genau das ist wichtig: Einen Trademark haben, eine Identifikation mit Magdeburg. Alles andere ist nicht planbar – wir können nicht sagen, dass wir in 2 Jahren schwarze Zahlen haben und jedem eine 1000er Auflage finanzieren können.

RL:  Es wird ja immer viel übers Internet geschimpft, dass es dafür verantwortlich sei, dass die Musikindustrie den Bach runtergeht. Wenn man jetzt sieht, dass ihr den Großteil der Releases für lau ins Internet stellt, habt ihr dazu wahrscheinlich eine andere Meinung.

Vit-Armin B: Also zu diesem Standpunkt gibt es auch einen interessanten Blog von Staiger, der über diesen Wirtschaftszweig Musik spricht. Ich finde dieses Berufsbild Musiker verschwindet halt immer mehr. Man sollte schauen das man von den Leuten überhaupt gehört wird. Wenn etwas gut ist, setzt es sich meiner Meinung nach durch. Wenn wir jetzt unsere Sachen verschenken und es hören statt 200 Leuten, die es sich kaufen würden 10.000, dann haben wir doch viel mehr davon, weil von denen wieder ein paar sagen “oh, die Jungs guck ich mir jetzt mal live an”. Wir bauen auf dieser Sache auf, machen unseren Namen publik und bekommen gute, lukrative Bookings. Wir sind natürlich keine Vollzeitmusiker und können uns nicht den ganzen Tag auf die Musik konzentrieren. Ich studiere nebenbei und mach das halbtags, was aber meiner Meinung nach gut ist, weil man dadurch nicht die Bodenhaftung verliert. Man produziert nicht auf ein bestimmtes Ziel hin, sondern auf den fetten Klang. Wir haben so halt einen Sound, der für die Region einzigartig ist und mit dem wir uns von anderen abheben können. Ich hoffe dass die Leute das dann anerkennen und auch sehen wenn sie sich so ein Mixtape runterladen.

RL:  Stichwort “Sound aus der Region”, ihr habt auf dem Mixtape auch zwei “Magdeburg”-Hymnen, “Dopeanthem” und “MDMasters”, bei denen viele Künstler aus der Region vertreten sind. Ist das der Querschnitt durch die Szene? Wie ist die Verbindung zu den anderen Leuten?

Vit-Armin B: So sind die Tracks definitiv gedacht: als Querschnitt. Wir wollen halt zeigen das viele unterschiedliche Styles vertreten sind. Wir haben Oldschool-Flows, wir haben krasse Spitter mit 3fach, 4fach Reimen. Leute die ihren Bezirk representen. Ich hab die Leute halt angesprochen das sie was machen sollen, was sie am Besten repräsentiert und dadurch eben auch die Stadt und die Szene reflektiert. Was mir immer auffällt wenn ich durchs Internet oder Myspace surfe: jeder featured jeden und es spielt überhaupt keine Rolle mehr, ob derjenige gut ist oder überhaupt Persönlichkeit hat oder hinter der Sache steht. Wir in Magdeburg müssten uns gar nicht nach außen wenden, wenn wir irgendwas machen wöllten, was nach außen dringt. Wir haben untereinander einfach so viele Ressourcen und Möglichkeiten coole Mucke zu produzieren, das wir auch mit eigenen Kräften die Leute dazu bringen können uns ihr Ohr zuzuwenden: Wir brauchen kein Hammerfeature aus Berlin, Frankfurt oder woher auch immer.

RL:  Du warst in letzter Zeit auch bei vielen Projekten dabei, zumindest was ich jetzt an News mitbekommen habe, das J.R. Jersey Mixtape zum Beispiel.

Vit-Armin B: Ja, also das war zum Beispiel so eine Sache, die nach 1on1 kam, da wurde ich angefragt ob ich da einen Shout machen kann. Ich hab jetzt auch schon auf mehreren Seiten gelesen dass ich gefeatured wäre, aber ich bin wirklich nur mit einem Shout gefeatured. Ich find’s aber auf jeden Fall schon cool wenn er oder sein Manager, was weiß ich wie das da gehandhabt wird bei ihm, mich in der Pressemitteilung hervorhebt. Ich bin aber nicht mit ´nem Verse vertreten – Ich hab reingehört, fand’s ganz cool und hab ihm einen Shout gegeben.

RL:  Du bist Featureanfragen also nicht abgeneigt?

Vit-Armin B: An und für sich schaue ich ob es ein persönliches Feedback gibt. Wenn ich jetzt einen Track nur des Styles willen mache und später feststelle “das ist voll das Arschloch”, dann würde ich mich noch mehr ärgern, als wenn ich nur einen schlechten Track produzieren würde. Deswegen bin ich bei Features eher vorsichtig, suche mir die Leute eher selber aus oder greife auf Leute zurück die ich persönlich kenne und mit denen mich ein gewisser Background verbindet. Sonst hätte ich auch kein Gefühl dabei, würde einfach nur den Text runterschreiben, der mir aber im Endeffekt gar nichts bedeutet und ich denke das würde man auch raushören, wenn ich nicht hinter dem Song stehe.

RL:  Was steht in Zukunft bei dir an? Ein richtiges Album mit eigenen Beats?

Vit-Armin B: Auf jeden Fall, wir sitzen wie gesagt gerade an den Scratchaufnahmen zur EP “Eloquente Demagogen”. Das wird eine EP von DJ Taip und mir. Ich übernehm den Rap-Part er die Beats, ich hab selber 2 Beats gebaut, er hat einen koproduziert. Ansonsten haben wir viele Kollegen dabei, auch Nicht-HipHop-Produzenten. Einer zum Beispiel macht sonst Trance, das wird sehr interessant. Und dann mal gucken. So um die Weihnachtszeit rum soll eine LP von mir kommen, mit eigenen Beats, vielleicht produzier ich die sogar komplett alleine, das wird sich noch zeigen in den nächsten paar Wochen und die wird “Emoshooter” heißen und wieder was komplett anderes. Die EP wird jetzt n bisschen ernst und die Leute überraschen, die das Mixtape gehört haben und mich als Battle-Party-Rapper eingeschätzt haben. Die LP wird das neue Bild dann aber wieder komplett umdrehen.

RL:  Steht für die EP schon ein Zeitplan?

Vit-Armin B: Wir haben das eben schon durchgesprochen, eigentlich wollten wir sie Ende September releasen, da wir aber alles selbst machen und einen straffen Zeitplan haben, peil ich jetzt mal Mitte Oktober an. Ich soll ja keine Daten nennen aber ganz vorsichtig sag ich jetzt mal 10. Oder 17. Oktober. Die Aufnahmen sind alle im Kasten, den Mix mach ich mit ´nem Kollegen zusammen und dann schauen wir mal wo wir die pressen lassen.

  • Share/Bookmark
22 Sep 2008

Vit-Armin B Interview 22.09.2008

Author: holzkohle | Filed under: Interviews

Als langjähriger Bühnenbegleiter von Morlockk Dilemma und geschätzter und emsiger Dauergast in Clubs in und um Leipzig sollte DJ D-Fekt aufmerksamen Rapfreunden mittlerweile ein Begriff sein. Im Verbund mit seinem Snuffpro DJ Kollegen Conquista, legt er nun das seit längerem angekündigte Mixtape ‘I Got No Papers’ vor.

Bereits nach den ersten Hörminuten wird man an Zeiten erinnert, in denen ein Mixtape das Wort „Mixtape“ auch sprichwörtlich verdient hat. Saubere und technisch versierte Cuts wechseln sich mit Blends, Backspins und Shoutouts diverser HipHop Größen ab. Auf dem zweigeteilten Mixtape zeigt sich DJ D-Fekt für die ersten 19 Tracks verantwortlich und widmet sich Songs, die sich vornehmlich mit dem Thema „Mary Jane“ beschäftigen. Hier zeigt er sein breit gefächertes Musikverständnis und nimmt den Hörer mit Künstlern wie Cypress Hill, Krayzie Bone und Eligh auf eine spannende Reise durchs HipHop Universum. Ich hätte mir vorher nicht vorstellen können, Madlib fast direkt nach einem Lil Flip Track zu hören, aber es funktioniert hier blendend. Die einzelnen, zur Auflockerung eingestreuten, Funk- und Soul-Classics fügt D-Fekt gekonnt ins Gesamtkonzept ein.

DJ Conquista geht die Sache auf der zweiten Hälfte dann etwas geradliniger und raplastiger an. Auf den 18 Tracks treffen MCs aus dem Boot Camp Click Umfeld im entspannten Mix, auf fast vergessene Eastcoast-Klassiker von Nine, Jeru Tha Damaja oder Blahzey Blahzey. Beste Untermalung, um die Champion Hoodies und Timberlands aus dem Schrank zu kramen und sich genüsslich einen Blunt zu rollen, vorausgesetzt man hat Papers parat…

Dass aus dem Hause Snuffpro nicht nur fähige Rapper kommen, beweisen Conquista und D-Fekt hier eindrucksvoll. Das CD-only Release ‘I Got No Papers’ steht in der Tradition der fast zu Grabe getragenen Mischkassetten-Kultur. Gunshot-Sounds, aggressive DJ Shoutouts und sonstigen heutigen “Standard” such man hier glücklicherweise vergebens. Dieses detailverliebte und unaufgeregte Mixtape ist schlichtweg empfehlenswert.

DJ D-Fekt & DJ Conquista – I Got No Papers
VÖ: draussen
Label: Snuffpro
Producer: -
Features:
URL: www.myspace.com/defektone
  • Share/Bookmark
19 Sep 2008

DJ D-Fekt & DJ Conquista – I Got No Papers

Author: Benson | Filed under: CD / LP Reviews, Reviews

“We’re saying fuck you, we’re not going to follow a format. It’s just us putting up a middle finger up to everybody. We’re coming from that N.W.A attitude. This is rebellious music.” Zitat Muggs, DJ und musikalisches Gehirn hinter Cypress Hill, Soul Assassins Patriarch und Mann mit einem Gespür für obskure musikalische Stimmungen. So wie auf ‘Pain Language’, seinem aktuellen Projekt mit Planet Asia, Bay Area Rapper in 2. Generation und deren Aushängeschild.

Nachdem die zahlreichen youtube-Ankündigungen die Erwartungshaltung gehörig steigen ließ, liegt die Platte nun endlich vor. 16 Tracks pures Gift, die die frühe Vermutung völlig bestätigen. Muggs bedient sich bei seiner musikalischen Konzeption noch immer bei den bekannten Zugaben aus knusprigen Drums und oft simplen, aber packenden Fanfaren-, Trompeten-, Piano- oder Streicher-Loops und weckt unweigerlich Erinnerungen an ‘Enter the Wu-Tang’ oder die erste Soul Assassins Platte aus dem Jahre 1997. Seine fesselnden “melodic, hypnotic productions…” (wie es Prodigy einst so treffend formuliert hat) strahlen eine, für heutige Verhältnisse recht selten gewordene, fühlbare Intensität und Homogenität aus. Entgegen dem gegenwärtigen Trend, alles auszuproduzieren und die Musik synthetisch aufzublasen, trimmt Muggs die Sounds absichtlich auf Lo-Fi. Auf dem bluesigen ’9mm’ verzerrt er Planet Asias Stimme sogar, um den Anschein zu erwecken, er rappe durch ein ausgedientes Mikrofon ein. Das Planet Asia in puncto Flowpatterns und Metaphorik in der oberen Liga rangiert beweist er aufs Neue. Auf ‘Pain Language’ transportiert er seine Texte zudem oft auf den, mit Querverweisen aus der Sagenwelt des Nahen Ostens gespickten, zweideutigen Soul Assassins Sprachstil. Songs wie das apokalyptische ‘Shadows of Hell’, ‘Drama’, die 88er-Fast-Rap-Skillschau ‘Lions In The Forest’ oder das majestätische ‘That’s What It Is’ kommen der Perfektion erstaunlich nahe.

Ich erfreue mich seit langem mal wieder daran, ein Album durch zu hören, das voll und ganz meinen Erwartungen entspricht. Eine Platte, so extravagant wie Menschen mit einem Bausparvertrag, herrlich altbacken! Hörer auf der Sinnsuche zwischen Hipster-Rap und Autotune, die die alten Wu-Tang und Mobb Deep Scheiben ganz vorn im Regal stehen haben, können bei ‘Pain Language’ getrost einen Blindkauf tätigen. In einem Jahr ohne bisher wirklich bemerkenswerte Releases wird sich der Tonträger gewiss auf der einen oder anderen Endjahreschartsliste wiederfinden.

DJ Muggs & Planet Asia – Pain Language
VÖ: 12.09.08
Label: Gold Dust Media/!K7/Alive
Producer: DJ Muggs
Features: Sick Jacken, Cynic, Scratch from the Roots, Prodigal Sunn, Tri State, Turban, Chace Infinite, GZA
URL: www.pain-language.com
www.myspace.com/djmuggs
  • Share/Bookmark
12 Sep 2008

DJ Muggs & Planet Asia – Pain Language

Author: Benson | Filed under: CD / LP Reviews, Reviews

Auf dem diesjährigen splash! trafen wir uns vor dem abendlichen Soundclash Beatgees vs. Cutcannibalz mit Sipo und David von den Beatgees, um über Berlin, das Produzieren und den bevorstehenden Auftritt zu sprechen.

RL:  Am Anfang soll ich euch fragen, wann endlich das neue Peter Maffya Album rauskommt.

Sipo: Naja-in 1-2 Monaten will Peter Maffya nach Berlin ziehen-wann genau dann das Album kommt
steht noch in den Sternen, dazu kann man noch nix genaueres sagen.

David: Es sind aber auf jeden Fall schon ein paar Sachen unterwegs, also Material gibt es schon. Es soll halt guten werden und deswegen lässt er sich Zeit.

RL:  Apropos Berlin, wie ist denn die Wohnsituation der Beatgees im Moment?

Sipo: Letztendlich wohnen alle in Berlin.

RL:  Aber alles Wahlberliner oder?

Sipo: Ja wir kommen alle aus der schönen Stadt Freiburg-

RL:  Wie ist denn euer Eindruck von der Stadt? Orgi hat ja mal gemeint, es sei eine Drecksstadt und überall läge nur Hundescheiße herum. Wie ist euer Eindruck als Zugezogener?

David: Ich will da nicht mehr weg, es sei denn ich will in 30-40 Jahren wieder mal ein bisschen ruhiger machen. Momentan will man dort nicht weg.

RL:  Und warum, oder was gefällt dir an Berlin besser als zum Beispiel an Freiburg?

David: Vor allem wegen der Musik ist Berlin sehr vorteilhaft – es ist eben eindeutig Deutschlands Musikhauptstadt. Es passiert immer sehr viel und man trifft sehr oft neue Leute, was in der Musikbranche eben eine der wichtigsten Sachen ist.

RL:  Connections, Connections.

Sipo: Ja aus musikalischer Hinsicht auf jeden Fall. Aber auch zum Leben ist es einfach eine traumhafte Stadt. Wenn man aus einer Kleinstadt kommt und dann auf einmal die Möglichkeit hat, sich um 12 Uhr noch was zu kaufen oder nicht um 2 Uhr aus dem Club geschmissen wird-für die Jugend ist das ganz toll. Zum groß werden, aufwachsen, ist es vielleicht nicht das richtige.

RL:  Stichwort Jugend – Euer Altersdurchschnitt?

Sipo: 23. Wir sind alle 23.

RL:  Ihr habt für F.R. produziert. Wie geht ihr mit Leuten um, die jünger sind als ihr? Habt ihr vielleicht eine andere Herangehensweise an solche Arbeiten, als bei jemandem der älter ist?

Sipo: Also ich kann jetzt nur für die Zusammenarbeit mit F.R. sprechen, weil er eigentlich die einzige junge Person ist, mit der wir zusammengearbeitet haben und bei ihm ist es so: er wirkt einfach nicht wie ein 18 Jähriger. Mit ihm kann man umgehen, als wenn er gleichaltrig wäre. Dadurch gibt es gar keine Probleme. So lange Leute talentiert sind und es Spaß macht mit ihnen zusammenzuarbeiten, sind sie für uns immer willkommen.

David: Ich glaube auch dadurch, dass er schon dabei ist seit er 12-13 ist, hat er sich einfach so viel Professionalität erarbeitet, das man den Unterschied echt nicht merkt. Es macht wirklich sehr viel Spaß mit ihm zu arbeiten.

RL:  F.R. hat mit 12-13 angefangen, wann habt ihr denn angefangen produktiv zu werden?

David: Also bei uns ging es so mit 14-15 los.

Sipo: Echt?

David: Also bei mir auf jeden Fall, aber das war auch eher im kleinen Stil. Richtig los ging es dann eigentlich erst, als wir uns vor 2 Jahre zusammengetan haben. Dadurch hatten wir dann einfach mehr Material und du weißt ja: je mehr Leute, umso stärker ist man.

RL:  Ich sag mal, gerade hier auf dem Splash und auch allgemein gibt es viele Leute die auch gern produzieren würden. Was war denn bei euch der ausschlaggebende Punkt zu sagen “Ich versuch mal selber was” und vor allem “das was ich hier mach, das ist gut genug es auch anderen Leuten vorzuspielen”?

David: Also ich stamme aus einer relativ musikalischen Familie, bei mir war immer Musik im Hause und ich hab dann irgendwann angefangen Klavierunterricht zu nehmen und Schlagzeug parallel und wollte das dann irgendwie kombinieren. Ich weiß das hört sich jetzt ein bisschen blöd an, aber so war es. Also hab ich mir ein Programm besorgt und damit angefangen.

Sipo: Also bei mir war es anders: Mein Bruder hat angefangen zu rappen, also hab ich die Beats gemacht. Zuerst hab ich mir Turntables gekauft, aber das hat mir keinen Spaß gemacht – irgendwie konnte ich damit nicht umgehen. Also hab ich angefangen Beats zu machen. Mit 16 oder so.

RL:  Habt ihr auch mal versucht euch das Mikrofon zu schnappen?

David: Ja, aber nur für Spaßprojekte und die werden immer geheim bleiben.

RL:  Heute Abend (Freitag) bestreitet ihr das Soundclash gegen die Cutcannibalz. Ihr habt die “Internetbotschaft” bestimmt schon gesehen, was ist eure Meinung dazu und warum seid ihr eine Antwort schuldig geblieben?

Sipo: Also ich fand’s recht amüsant auf jeden Fall. Man konnte es halt nicht richtig ernst nehmen und für eine Reaktion blieb einfach keine Zeit. Warum sollte man im Internet auch groß was ankündigen, es entscheidet sich ja im Endeffekt sowieso alles vor Ort.

RL:  Das Internet ist im Endeffekt aber schon die erste Anlaufstelle wenn es darum geht Promo oder Stimmung zu machen.

Sipo: Ja aber es geht uns eben auch gar nicht darum groß Promo zu machen. Wir sind die Beatgees, halten uns eben lieber im Hintergrund und produzieren einfach. Ich hab jetzt keine große Lust im Rampenlicht zu stehen und zu sagen “Hey guck mal ich bin der Produzent von dem und dem und ich bin von den Beatgees.”.

RL:  Ok, aber heute Abend wird das alles eintreten oder?

Sipo: Ja aber wir haben uns auch DJs aus unserem Umfeld geholt, die auf der Bühne stehen werden. Wir schauen uns das an, haben natürlich Dubplates vorbereiten, aber…zumindest ich werde mir das gemütlich aus dem Publikum heraus anschauen.

RL:  Das hätte ich jetzt nicht gedacht. In den letzten Jahren war es doch mehr Gang und Gäbe auf der Bühne zu stehen und den Leuten Feuer unter dem Hintern zu machen.

David: Ja, werden wir schon machen.

Sipo: Hatte ich jetzt eigentlich nicht vor.

David: Ja, er ist jetzt ein bisschen schüchtern, aber nach 2-3 Bier wird er schon mit auf die Bühne kommen. Er muss.

RL:  Wie geht ihr an die Sache heran, steht für euch der Spaß im Vordergrund oder seht ihr das schon sportlich und seid mit dem Siegeswillen angereist?

David: Also es ist schon eine Ehre da spielen zu dürfen, ganz klar und natürlich freut man sich wenn man gewinnt, aber ich bin mir jetzt nicht sicher ob wir da sooo traurig wären würden wir verlieren. Aber sicher, wir haben jetzt auch Zeit in die Vorbereitung gesteckt, deswegen will man auch gewinnen.

RL:  Viele Leute hat die Wahl von Euch als Gegner der Cutcannibalz auch überrascht. Logischer wäre es gewesen ein Soundsystem gegen ein anderes antreten zu lassen.

David: Ja, das hat Sipo vorhin auch falsch formuliert, die DJs die auftreten werden sind vom Beatgees DJ-Team. Wir sind nicht nur Produzenten, sondern haben eben auch DJs im Team.

RL:  Wie viele Leute sind denn dann jetzt letztendlich Teil der Beatgees?

David: Also wenn man die DJs dazu nimmt dann sind wir sechs Leute. 4 Produzenten, ein Elektroproduzent/DJ und ein DJ.

RL:  Stichwort Elektro.

Sipo: Yeah. Elektro – Techno! Ach nein, Gregor hat mir vorhin erklärt ich solle nicht Techno dazu sagen, es sei nicht das gleiche. Elektro soll die poppige Variante von Techno sein.

RL:  Wie erklärt ihr euch den HipHop Schwung zu Elektro?

David: Ja es hat einfach sehr viel miteinander zu tun. Guck dir zum Beispiel Justice an. Die nehmen Samples, zerhacken die, genauso wie es vor 2-3 Jahre noch im HipHop der Fall war. Heutzutage leider seltener. Dieser Schmutz in der Musik und diese angezerrten Sachen, das ist eben sehr miteinander verbunden.

RL:  Also nicht mit Abkehr vom ausgelutschten Standard?

David: Nein, jetzt kommt ja F.R. und dann geht’s wieder.

RL:  Ich war letztens auf eurer Myspace Seite und ich hab mich gefragt, ob viele Leute in ihrer Diskographie Lieder für den Orgi-Pörnchen Soundtrack und für Bravohits aufweisen können.

David: Nun das liegt ganz einfach daran, das wir so viele Leute sind und manche eben mehr in diese Schmuserichtung gehen und andere eben mehr in den Bereich Hardcore HipHop. Ich sehe da kein Problem und diesen Realness-Faktor, den haben wir schon längst abgeschüttelt. Man macht ganz einfach worauf man Bock hat.

RL:  Klingt nach Manuellsen.

David: Ja es gibt halt schon glaube ich ein bisschen “Hate von den Heads”. (lacht)

RL:  Ihr bleibt bis Sonntag hier auf dem Splash, werdet euch wahrscheinlich auch den einen oder anderen Auftritt anschauen, wer ist denn euer Favorit?

Sipo: Ganz klar: The Cool Kids. Das ist das Beste was ich seit Jahren gehört habe. Und natürlich Jay-Z.

David: Von deutschen Sachen natürlich F.R., weil da viele Beats von uns laufen werden-

RL:  Also steht ihr auch mit Gänsehaut im Hintergrund und guckt, ob die Beats live funktionieren?

David: Auf jeden Fall, das ist immer spannend.

RL:  Wie setzt ihr eigentlich das, was ihr euch vorstellt als Musik um? Wie ist eure Herangehensweise an einen Beat? Konzept oder ein paar Bier und mal gucken was passiert?

Sipo: Bei mir ist es schon so, dass ich meistens weiß, wie ein Beat klingen soll. Ich hab einen Beat im Kopf und muss dann nur noch abarbeiten. Ich bin nicht derjenige der einen Beat hinjammt, sondern ich habe meist schon ein Bild im Kopf.

RL:  Gerade bei Youtube öffnen viele Produzenten die Tür und zeigen wie sie an so ein Projekt herangehen-

Sipo: Natürlich inspiriert man sich schon wenn man irgendein Lied gerade gehört hat-der Groove, die Drums, da findet man schon Sachen an denen man sich orientieren will.

RL:  Bei eurem Altersdurchschnitt ist es denke ich schwierig einen großen Backkatalog haben oder?

David: Einer von uns hat mal Platten gesammelt und die stehen jetzt alle bei uns rum. Natürlich sitzen wir dann auch mal 3 Stunden rum und hören irgendwelche Sachen durch.

RL:  Also die mühselige Produzentenarbeit.

Sipo: Ja aber das ist echt eine große Hilfe, man hat halt wirklich sehr viele Samples wie auf dem Silbertablett, man muss sie nur noch nehmen und verarbeiten. Es ist echt eine große Hilfe.

RL:  Wie ist das bei euch mit Samples? Es gibt Leute die sagen “wenn dieses Sample schon einmal irgendwo benutzt wurde, nehm ich es auf keinen Fall”.

Sipo: Das ist halt die Art und Weise, wie man das benutzt. Man kann aus dem Sample doch einen ganz anderen Beat machen. Ich mein, es gibt zum Beispiel so viele Premo-Beats. Ich hab schon 2 Samples benutzt die auch Premo benutzt hat, aber man hört es nicht heraus, weil ich es ganz anders verpackt habe.

David: Man macht halt im Endeffekt worauf man Bock hat und wenn man, wie er schon gesagt hat, das ganz anders verpackt-

Sipo: Ich kann ein Beispiel nennen: Spezializtz “Big Babaz” soll das gleiche Sample haben wie auf irgendeiner D.I.T.C. Platte, deswegen wurde im Internet auch sehr viel gehated. Ich sehe das echt nicht so kritisch, wenn man das anders macht, vielleicht sogar besser macht-

David: Ja, “besser” ist immer Geschmackssache, aber es war halt frischer irgendwie. 7 Jahre später, komplett anders, moderner gemacht.

RL:  Wie sieht es aus mit Leuten, die eure Beats haben wollen? Sucht ihr die aus, suchen die euch aus? Wie bringt ihr eure Beats unters Volk?

David: Es ist so, dass einmal im Monat eine Beat-CD rausgeht, mittlerweile an relativ viele Leute hier in Deutschland und auch im Ausland. Und meistens ist es so das der, der zuerst pickt den Beat bekommt. Dadurch, dass wir jetzt unser eigenes Studio haben, kommen auch viele Leute vorbei und hören dort exklusiv Sachen an, können gleich ein paar Ideen mit einbringen.

RL:  Von einem gemeinsamen Studio wusste ich ja noch gar nichts-

David: Ja jeder hat auch sein eigenes Setup zu Hause, aber wir haben jetzt auch ein eigenes Studio, das meist 24 Stunden in Betrieb ist und in dem die Sachen aufgenommen werden. Ist aber relativ neu, eine Studiogemeinschaft mit anderen Leuten-macht Spaß.

RL:  Lasst ihr euch von anderen Produzenten speziell hier in Deutschland inspirieren, gibt es da Einflüsse?

David: Also eigentlich keine speziellen, halt viel 70s-Kram und ein paar Amerikaner, aber so spezielle deutsche Produzenten nicht.

Sipo: Also bei mir gibt es einen, da hab ich mich für 1-2 Beats inspirieren lassen und den find ich auch am Besten hier in Deutschland, zusammen mit den Beatgees, und das ist Phrequincy. Also wer einen Phrequincy Beat hat, der kann sich wirklich glücklich schätzen.

RL:  Gut, dann wäre ich durch mit meinen Fragen, gibt es noch etwas, das ihr loswerden wollt?

Sipo: Kauft das F.R. Album, das ist gute Musik.

RL:  “Vorsicht Stufe”. Gibt es sowas wie Lieblingstracks auf dem Album?

Sipo: “Erwachsen werden”. Ich find’s sehr krass wie jemand der 5 Jahre jünger ist als ich einen Text schreiben kann, mit dem ich mich Zeile für Zeile identifiziere. Großes Kino.

  • Share/Bookmark
9 Sep 2008

Beatgees Interview 09.09.2008

Author: holzkohle | Filed under: Interviews

ba_boe

In den vergangenen Jahren gehörte es beinahe zum Standardleitmotiv einer Rapplatte aus dem rotten Apple, den typischen New-York-Sound zurück auf die HipHop-Landkarte zu setzen und damit das Übergewicht des Südstaaten-Raps auszupegeln. Allmählich scheint sich die schwere NY-Bürde auf die einzelnen Stadtteile zu verteilen. “So motherfuckers will bring Brooklyn on the map” wie es die reizende Jean Grae im Introsong des Brooklyn Academy Debütalbums ‘Bored Of Education’ prägnant formuliert.

Gleich im Folgetitel lässt es sich “NYs first lady” nicht nehmen, das Kollektiv um die verdienten Veteranen Pumpkinhead, Block McCloud und Mr. Metaphor auch am Mikrofon zu unterstützen und somit ihren Teil zur Auferstehung von Brooklyn beizutragen. Illmind schnitzte, das mit bedrohlichen Streichern versehene, Geschoss ‘Raise Ya Hands’, das dem Albumanspruch definitiv gerecht wird. Stirnrunzeln dann jedoch gleich im Anschluss auf dem misslungenen G-Unit-Klon ‘We Don’t Play’ während es auf Song 3 zurück zum Konzept heißt, denn im Verbund mit Ill Bill auf dem schlichten, aber wirksamen Kopfnicker ‘I’m From Brooklyn’ tönt es im Chorus schließlich “Br-Br-Br-Br-Br-Brooklyn”.

Mit der Entscheidung, auf zahlreiche Produzenten zu setzen haben sich Brooklyn Academy nicht unbedingt einen Gefallen getan und so skippe ich mich zum druckvollen Albumhöhepunkt ‘The Growler’, auf dem Produzent Marco Polo mit einem hypnotisierenden Orgelsample um die Ecke kommt. Ähnlich mitreißend die Streicher/Gitarren Kombi auf dem Endzeittune ‘Splash’ oder die Barrio-Hymne ‘Black Out’ aus dem Snowgoons-Labor, die auch gut auf die aktuelle Snowgoons Platte ‘Black Snow’ gepasst hätte.

So übersichtlich wie die Anzahl der herausragenden Tracks, gestaltet sich auch die thematische Ausrichtung auf ‘Bored of Education’. Battle- und Representer-Tracks gibt es hier en gros. Selbstredend zudem, dass Dauergast Jean Grae die männlichen Kollegen mit ihren aggressiven und sauberen Flowattacken ein ums andere mal wirkungsvoll aussticht. BlockMcCloud, Pumpkinhead und Mr. Metaphor bewerben sich, mit ihren soliden, aber wenig innovativen Skills, nicht unbedingt um die Krone des “Rapfürsten vom Herzogtum Brooklyn”.

‘Bored Of Education’ lässt den roten Faden vermissen und wirkt wie eine Anhäufung gesammelter Songs, die sich im Laufe der Jahre auf den Festplatten der drei MCs angestaut haben. Vielleicht ein Grund dafür, das Thema “bring Brooklyn back on the map” so stark zu betonen. Die genannten Anspielpunkte sollten Iihren Platz auf der iTunes-Boom-Bap-Playlist für die kommenden Monate sicher fest behaupten, auf Langspiellänge gelingt es aber nicht. Den Mangel an Inhalten kann man sehr wohl vom Albumtitel ableiten, doch letztlich beschäftigt mich einzig die Frage, was denn der “Teacher” Kris Parker vom Titel hält?

BROOKLYN ACADEMY – Bored Of Education
VÖ: 29.08.2008
Label: Gold Dust Media/!K7/Alive
Producer: Beat Geez, Illmindz, The Gyfted, J. Cardim, Al’Tarba, I-See-On, Marco Polo, Haze Attacks, Beat Brewers, Will Tell, MagOwl, Snowgoons, Scorpio61, Iry Ford, Black Milk, Block McCloud, Sicknature
Features: Jean Grae, Ill Bill, War Bixby, Killah Priest, Skam 2, Will Tell
http://www.myspace.com/brooklynac
  • Share/Bookmark
1 Sep 2008

BROOKLYN ACADEMY – Bored Of Education

Author: Benson | Filed under: CD / LP Reviews, News, Reviews