Auf dem diesjährigen splash! trafen wir uns vor dem abendlichen Soundclash Beatgees vs. Cutcannibalz mit Sipo und David von den Beatgees, um über Berlin, das Produzieren und den bevorstehenden Auftritt zu sprechen.
RL: Am Anfang soll ich euch fragen, wann endlich das neue Peter Maffya Album rauskommt.
Sipo: Naja-in 1-2 Monaten will Peter Maffya nach Berlin ziehen-wann genau dann das Album kommt
steht noch in den Sternen, dazu kann man noch nix genaueres sagen.
David: Es sind aber auf jeden Fall schon ein paar Sachen unterwegs, also Material gibt es schon. Es soll halt guten werden und deswegen lässt er sich Zeit.
RL: Apropos Berlin, wie ist denn die Wohnsituation der Beatgees im Moment?
Sipo: Letztendlich wohnen alle in Berlin.
RL: Aber alles Wahlberliner oder?
Sipo: Ja wir kommen alle aus der schönen Stadt Freiburg-
RL: Wie ist denn euer Eindruck von der Stadt? Orgi hat ja mal gemeint, es sei eine Drecksstadt und überall läge nur Hundescheiße herum. Wie ist euer Eindruck als Zugezogener?
David: Ich will da nicht mehr weg, es sei denn ich will in 30-40 Jahren wieder mal ein bisschen ruhiger machen. Momentan will man dort nicht weg.
RL: Und warum, oder was gefällt dir an Berlin besser als zum Beispiel an Freiburg?
David: Vor allem wegen der Musik ist Berlin sehr vorteilhaft – es ist eben eindeutig Deutschlands Musikhauptstadt. Es passiert immer sehr viel und man trifft sehr oft neue Leute, was in der Musikbranche eben eine der wichtigsten Sachen ist.
RL: Connections, Connections.
Sipo: Ja aus musikalischer Hinsicht auf jeden Fall. Aber auch zum Leben ist es einfach eine traumhafte Stadt. Wenn man aus einer Kleinstadt kommt und dann auf einmal die Möglichkeit hat, sich um 12 Uhr noch was zu kaufen oder nicht um 2 Uhr aus dem Club geschmissen wird-für die Jugend ist das ganz toll. Zum groß werden, aufwachsen, ist es vielleicht nicht das richtige.
RL: Stichwort Jugend – Euer Altersdurchschnitt?
Sipo: 23. Wir sind alle 23.
RL: Ihr habt für F.R. produziert. Wie geht ihr mit Leuten um, die jünger sind als ihr? Habt ihr vielleicht eine andere Herangehensweise an solche Arbeiten, als bei jemandem der älter ist?
Sipo: Also ich kann jetzt nur für die Zusammenarbeit mit F.R. sprechen, weil er eigentlich die einzige junge Person ist, mit der wir zusammengearbeitet haben und bei ihm ist es so: er wirkt einfach nicht wie ein 18 Jähriger. Mit ihm kann man umgehen, als wenn er gleichaltrig wäre. Dadurch gibt es gar keine Probleme. So lange Leute talentiert sind und es Spaß macht mit ihnen zusammenzuarbeiten, sind sie für uns immer willkommen.
David: Ich glaube auch dadurch, dass er schon dabei ist seit er 12-13 ist, hat er sich einfach so viel Professionalität erarbeitet, das man den Unterschied echt nicht merkt. Es macht wirklich sehr viel Spaß mit ihm zu arbeiten.
RL: F.R. hat mit 12-13 angefangen, wann habt ihr denn angefangen produktiv zu werden?
David: Also bei uns ging es so mit 14-15 los.
Sipo: Echt?
David: Also bei mir auf jeden Fall, aber das war auch eher im kleinen Stil. Richtig los ging es dann eigentlich erst, als wir uns vor 2 Jahre zusammengetan haben. Dadurch hatten wir dann einfach mehr Material und du weißt ja: je mehr Leute, umso stärker ist man.
RL: Ich sag mal, gerade hier auf dem Splash und auch allgemein gibt es viele Leute die auch gern produzieren würden. Was war denn bei euch der ausschlaggebende Punkt zu sagen “Ich versuch mal selber was” und vor allem “das was ich hier mach, das ist gut genug es auch anderen Leuten vorzuspielen”?
David: Also ich stamme aus einer relativ musikalischen Familie, bei mir war immer Musik im Hause und ich hab dann irgendwann angefangen Klavierunterricht zu nehmen und Schlagzeug parallel und wollte das dann irgendwie kombinieren. Ich weiß das hört sich jetzt ein bisschen blöd an, aber so war es. Also hab ich mir ein Programm besorgt und damit angefangen.
Sipo: Also bei mir war es anders: Mein Bruder hat angefangen zu rappen, also hab ich die Beats gemacht. Zuerst hab ich mir Turntables gekauft, aber das hat mir keinen Spaß gemacht – irgendwie konnte ich damit nicht umgehen. Also hab ich angefangen Beats zu machen. Mit 16 oder so.
RL: Habt ihr auch mal versucht euch das Mikrofon zu schnappen?
David: Ja, aber nur für Spaßprojekte und die werden immer geheim bleiben.
RL: Heute Abend (Freitag) bestreitet ihr das Soundclash gegen die Cutcannibalz. Ihr habt die “Internetbotschaft” bestimmt schon gesehen, was ist eure Meinung dazu und warum seid ihr eine Antwort schuldig geblieben?
Sipo: Also ich fand’s recht amüsant auf jeden Fall. Man konnte es halt nicht richtig ernst nehmen und für eine Reaktion blieb einfach keine Zeit. Warum sollte man im Internet auch groß was ankündigen, es entscheidet sich ja im Endeffekt sowieso alles vor Ort.
RL: Das Internet ist im Endeffekt aber schon die erste Anlaufstelle wenn es darum geht Promo oder Stimmung zu machen.
Sipo: Ja aber es geht uns eben auch gar nicht darum groß Promo zu machen. Wir sind die Beatgees, halten uns eben lieber im Hintergrund und produzieren einfach. Ich hab jetzt keine große Lust im Rampenlicht zu stehen und zu sagen “Hey guck mal ich bin der Produzent von dem und dem und ich bin von den Beatgees.”.
RL: Ok, aber heute Abend wird das alles eintreten oder?
Sipo: Ja aber wir haben uns auch DJs aus unserem Umfeld geholt, die auf der Bühne stehen werden. Wir schauen uns das an, haben natürlich Dubplates vorbereiten, aber…zumindest ich werde mir das gemütlich aus dem Publikum heraus anschauen.
RL: Das hätte ich jetzt nicht gedacht. In den letzten Jahren war es doch mehr Gang und Gäbe auf der Bühne zu stehen und den Leuten Feuer unter dem Hintern zu machen.
David: Ja, werden wir schon machen.
Sipo: Hatte ich jetzt eigentlich nicht vor.
David: Ja, er ist jetzt ein bisschen schüchtern, aber nach 2-3 Bier wird er schon mit auf die Bühne kommen. Er muss.
RL: Wie geht ihr an die Sache heran, steht für euch der Spaß im Vordergrund oder seht ihr das schon sportlich und seid mit dem Siegeswillen angereist?
David: Also es ist schon eine Ehre da spielen zu dürfen, ganz klar und natürlich freut man sich wenn man gewinnt, aber ich bin mir jetzt nicht sicher ob wir da sooo traurig wären würden wir verlieren. Aber sicher, wir haben jetzt auch Zeit in die Vorbereitung gesteckt, deswegen will man auch gewinnen.
RL: Viele Leute hat die Wahl von Euch als Gegner der Cutcannibalz auch überrascht. Logischer wäre es gewesen ein Soundsystem gegen ein anderes antreten zu lassen.
David: Ja, das hat Sipo vorhin auch falsch formuliert, die DJs die auftreten werden sind vom Beatgees DJ-Team. Wir sind nicht nur Produzenten, sondern haben eben auch DJs im Team.
RL: Wie viele Leute sind denn dann jetzt letztendlich Teil der Beatgees?
David: Also wenn man die DJs dazu nimmt dann sind wir sechs Leute. 4 Produzenten, ein Elektroproduzent/DJ und ein DJ.
RL: Stichwort Elektro.
Sipo: Yeah. Elektro – Techno! Ach nein, Gregor hat mir vorhin erklärt ich solle nicht Techno dazu sagen, es sei nicht das gleiche. Elektro soll die poppige Variante von Techno sein.
RL: Wie erklärt ihr euch den HipHop Schwung zu Elektro?
David: Ja es hat einfach sehr viel miteinander zu tun. Guck dir zum Beispiel Justice an. Die nehmen Samples, zerhacken die, genauso wie es vor 2-3 Jahre noch im HipHop der Fall war. Heutzutage leider seltener. Dieser Schmutz in der Musik und diese angezerrten Sachen, das ist eben sehr miteinander verbunden.
RL: Also nicht mit Abkehr vom ausgelutschten Standard?
David: Nein, jetzt kommt ja F.R. und dann geht’s wieder.
RL: Ich war letztens auf eurer Myspace Seite und ich hab mich gefragt, ob viele Leute in ihrer Diskographie Lieder für den Orgi-Pörnchen Soundtrack und für Bravohits aufweisen können.
David: Nun das liegt ganz einfach daran, das wir so viele Leute sind und manche eben mehr in diese Schmuserichtung gehen und andere eben mehr in den Bereich Hardcore HipHop. Ich sehe da kein Problem und diesen Realness-Faktor, den haben wir schon längst abgeschüttelt. Man macht ganz einfach worauf man Bock hat.
RL: Klingt nach Manuellsen.
David: Ja es gibt halt schon glaube ich ein bisschen “Hate von den Heads”. (lacht)
RL: Ihr bleibt bis Sonntag hier auf dem Splash, werdet euch wahrscheinlich auch den einen oder anderen Auftritt anschauen, wer ist denn euer Favorit?
Sipo: Ganz klar: The Cool Kids. Das ist das Beste was ich seit Jahren gehört habe. Und natürlich Jay-Z.
David: Von deutschen Sachen natürlich F.R., weil da viele Beats von uns laufen werden-
RL: Also steht ihr auch mit Gänsehaut im Hintergrund und guckt, ob die Beats live funktionieren?
David: Auf jeden Fall, das ist immer spannend.
RL: Wie setzt ihr eigentlich das, was ihr euch vorstellt als Musik um? Wie ist eure Herangehensweise an einen Beat? Konzept oder ein paar Bier und mal gucken was passiert?
Sipo: Bei mir ist es schon so, dass ich meistens weiß, wie ein Beat klingen soll. Ich hab einen Beat im Kopf und muss dann nur noch abarbeiten. Ich bin nicht derjenige der einen Beat hinjammt, sondern ich habe meist schon ein Bild im Kopf.
RL: Gerade bei Youtube öffnen viele Produzenten die Tür und zeigen wie sie an so ein Projekt herangehen-
Sipo: Natürlich inspiriert man sich schon wenn man irgendein Lied gerade gehört hat-der Groove, die Drums, da findet man schon Sachen an denen man sich orientieren will.
RL: Bei eurem Altersdurchschnitt ist es denke ich schwierig einen großen Backkatalog haben oder?
David: Einer von uns hat mal Platten gesammelt und die stehen jetzt alle bei uns rum. Natürlich sitzen wir dann auch mal 3 Stunden rum und hören irgendwelche Sachen durch.
RL: Also die mühselige Produzentenarbeit.
Sipo: Ja aber das ist echt eine große Hilfe, man hat halt wirklich sehr viele Samples wie auf dem Silbertablett, man muss sie nur noch nehmen und verarbeiten. Es ist echt eine große Hilfe.
RL: Wie ist das bei euch mit Samples? Es gibt Leute die sagen “wenn dieses Sample schon einmal irgendwo benutzt wurde, nehm ich es auf keinen Fall”.
Sipo: Das ist halt die Art und Weise, wie man das benutzt. Man kann aus dem Sample doch einen ganz anderen Beat machen. Ich mein, es gibt zum Beispiel so viele Premo-Beats. Ich hab schon 2 Samples benutzt die auch Premo benutzt hat, aber man hört es nicht heraus, weil ich es ganz anders verpackt habe.
David: Man macht halt im Endeffekt worauf man Bock hat und wenn man, wie er schon gesagt hat, das ganz anders verpackt-
Sipo: Ich kann ein Beispiel nennen: Spezializtz “Big Babaz” soll das gleiche Sample haben wie auf irgendeiner D.I.T.C. Platte, deswegen wurde im Internet auch sehr viel gehated. Ich sehe das echt nicht so kritisch, wenn man das anders macht, vielleicht sogar besser macht-
David: Ja, “besser” ist immer Geschmackssache, aber es war halt frischer irgendwie. 7 Jahre später, komplett anders, moderner gemacht.
RL: Wie sieht es aus mit Leuten, die eure Beats haben wollen? Sucht ihr die aus, suchen die euch aus? Wie bringt ihr eure Beats unters Volk?
David: Es ist so, dass einmal im Monat eine Beat-CD rausgeht, mittlerweile an relativ viele Leute hier in Deutschland und auch im Ausland. Und meistens ist es so das der, der zuerst pickt den Beat bekommt. Dadurch, dass wir jetzt unser eigenes Studio haben, kommen auch viele Leute vorbei und hören dort exklusiv Sachen an, können gleich ein paar Ideen mit einbringen.
RL: Von einem gemeinsamen Studio wusste ich ja noch gar nichts-
David: Ja jeder hat auch sein eigenes Setup zu Hause, aber wir haben jetzt auch ein eigenes Studio, das meist 24 Stunden in Betrieb ist und in dem die Sachen aufgenommen werden. Ist aber relativ neu, eine Studiogemeinschaft mit anderen Leuten-macht Spaß.
RL: Lasst ihr euch von anderen Produzenten speziell hier in Deutschland inspirieren, gibt es da Einflüsse?
David: Also eigentlich keine speziellen, halt viel 70s-Kram und ein paar Amerikaner, aber so spezielle deutsche Produzenten nicht.
Sipo: Also bei mir gibt es einen, da hab ich mich für 1-2 Beats inspirieren lassen und den find ich auch am Besten hier in Deutschland, zusammen mit den Beatgees, und das ist Phrequincy. Also wer einen Phrequincy Beat hat, der kann sich wirklich glücklich schätzen.
RL: Gut, dann wäre ich durch mit meinen Fragen, gibt es noch etwas, das ihr loswerden wollt?
Sipo: Kauft das F.R. Album, das ist gute Musik.
RL: “Vorsicht Stufe”. Gibt es sowas wie Lieblingstracks auf dem Album?
Sipo: “Erwachsen werden”. Ich find’s sehr krass wie jemand der 5 Jahre jünger ist als ich einen Text schreiben kann, mit dem ich mich Zeile für Zeile identifiziere. Großes Kino.