Er legt seit 1988 auf und gehört zu den Pionieren der HipHop-Bewegung in Deutschland. Ob als langjähriger Battle Of The Year-DJ, Bühnenbegleiter von Spax, dem Langen und Dendemann oder Mixtapelieferant feinstem Undergroundraps – Mirko hat seine dues schon lange gepaid. Wenn er nicht gerade neugierigen Kids raffinierte DJ-Tricks verrät oder mit seinem Kumpel DJ Premier über die gute alte Zeit philosophiert, dann beweist Mirko auf seinen zahlreichen Clubgigs warum er zu Deutschlands Elite hinter den “ones and twos” gehört. Im Rahmen seines Auftritts im Leipziger Club Conne Island, Anfang September, trafen wir uns zu einem ausführlichen Gespräch mit der lebenden HipHop-Legende. Kids, respect the oldschool!
RL: Hallo Mirko, willkommen in Leipzig. Im Bulletin Deiner myspace-Seite habe ich heute den Satz “All the way back to Conne” gelesen. Stecken da besondere Erinnerungen an das Conne Island dahinter?
Das ist zum einen ein Zitat aus dem Film “The Warriors”, der sich um eine Gang von der New Yorker Halbinsel Coney Island aus dem Viertel Brooklyn dreht. Das passt natürlich auch zum Conne Island, zudem war ich Mitte der Neunziger mit der “Klasse von 94″-Tour ein paar Mal hier, das war immer richtig fresh. Leipziger hatte schon damals eine gute Posse und die Leute hatten Bock auf Party, es war ein geiler Sound im Conne und es hat immer Spaß gemacht hier aufzutreten.
RL: Da Du heute mit der Bahn angekommen bist, schließe ich darauf, dass Du mit Laptop und Serato auflegen wirst?!
Ja klar, ich bin da mittlerweile recht faul geworden und Programme wie Serato erleichtern das Reisen als DJ ungemein. Manchmal habe ich noch meinen eigenen Mischer dabei, aber heute bin ich mit diesem kleinen Mops hier angekommen [zeigt auf seine Laptoptasche].
RL: Wie siehst Du jedoch diesen technischen Fortschritt in Bezug auf die Lebensdauer von Vinyl? Hier und da hört man schon wieder Unkenrufe wie: “Vinyl ist tot”.
Nein Quatsch, wenn neue Entwicklungen da sind, wird es immer diese Typen geben. In den neunziger Jahren hat es so etwas Ähnliches auch mit der CD gegeben. Als die CD vermehrt auf den Markt kam, wollten uns alle erzählen, die Schallplatte sei tot. Letztlich hat die Schallplatte dies überlebt, also ist es im Endeffekt heutzutage sehr ähnlich. Natürlich erleichtert es vielen Leuten den Einstieg. Einen Computer hat mittlerweile jeder und sich solch ein Programm zu besorgen ist günstiger, als sich die Sachen alle auf Schallplatte zu kaufen. Wenn ich mir jedoch überlege, dass ein ordentlicher PC oder Laptop samt DJ-Programm auch um die 2000 € kostet, dann könnte ich mir andernfalls auch einen richtig ordentlichen Backstock an Vinyl zulegen. Ein DJ ist natürlich Vinyl, nichtsdestotrotz darf man nicht vergessen, sich auch Platten zu kaufen. Ich gebe der Sache noch drei Jahre und dann wird es Retro-Partys geben, wo auf den Flyern stehen wird: “strictly vinyl”. Da legen halt die Typen mit den Schallplatten auf und wenn manche DJs nun all Ihre Platten verkaufen, dann sind sie dann halt raus aus dem Spiel. Überhaupt, die Ipod-Generation hat doch keine Ahnung von Funk. Wer die ganze Zeit über einen Knopfkopfhörer Musik hört, der hat noch nie fetten Sound gehört. Auch wenn 80 % der Leute soundtechnisch keinen Unterschied zwischen Serato und Vinyl feststellen, die Schallplatte liefert definitiv ein breiteres Soundspektrum.
RL: Warst Du Anfangs jedoch eher “hardliner” was Serato anging?
Ich hab es mir tatsächlich erst sehr spät gekauft, was hauptsächlich daran lag, dass ich keinen Laptop hatte und einzig wegen diesem Programm wollte ich mir halt lange Zeit keinen Laptop kaufen.
Vor 6 oder 7 Jahren, als Final Scratch [Anm.d.Red.: DJ-Programm der Firma Stanton] auf den Markt kam, bin ich mit meinem Freund aus Dortmund, DJ Brocke, nach Frankfurt zur Messe gefahren um diese Neuheit auszuchecken. So ganz überzeugen konnte uns Stanton mit Final Scratch jedoch nicht. Aber drei Stände weiter waren Typen, die hatten so ein Plug-In am Stand, welches zwar noch nicht als System zur Verfügung stand, trotz allem aber schon richtig gut funktioniert hat. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das damals schon diese Typen von Serato waren. Ich war nun nicht derbe euphorisch, mir das unbedingt kaufen zu müssen, aber man hat schon gesehen, dass diese Technik besser funktioniert als dieser komischer CD-DJ-Kram. Ich wusste halt lange Zeit, dass es diese Neuerung gibt, gekauft habe ich mir das Serato-System dann schlussendlich vor ca. 1,5 Jahren. Nachdem ich in eine Wohnung im vierten Stock gezogen bin, hatte ich einfach keinen Bock mehr zwei 25 Kilo Plattenkisten hoch und runter zu schleppen. Zudem sind mir einige Platten einfach zu schade geworden um Sie im Clubeinsatz abzunutzen.
RL: Macht Sinn diese Schätze zu Hause im Schrank zu schonen…
…guck mal, alles was ich auflege habe ich auch wirklich selber zu Hause, ich lade halt keine Musik runter, das geht voll gegen mein Denken. Klar habe ich auch ein paar Sachen, die mir Kollegen aus Amerika schicken, aber diese Sachen gibt es halt auch noch nicht…
RL: …Problem ist aber mittlerweile, dass viele Sachen gar nicht mehr auf Vinyl veröffentlicht werden.
Mein Glück ist halt, dass ich DJ Premier recht gut kenne und wenn der Typ halt ‘nen neuen Track fertig hat, schickt er mir den per E-Mail. Gestern habe ich Ihn in Münster getroffen und da hat er mir auch wieder Songs zugesteckt. Aber wenn die Sachen auf Platte kommen, kauf ich mir die sowieso und von der Sache her kaufe ich genau so viel Platten wie früher, auch wenn es mittlerweile weniger Rapsachen gibt, die mich wirklich interessieren. Von der Häufigkeit her, würde ich sagen, ich kaufe eine Platte am Tag, das ganze Jahr durch.
RL: Bekanntlich machen immer mehr Plattenläden dicht. Wo kaufst Du hauptsächlich Dein Vinyl?
Nö, in Hamburg haben wir noch genug. Zum Beispiel Groove City oder Checkout Records und dann logisch bei hiphopvinyl, die Boys sind einfach gut. Die haben immer die neuesten Sachen und einfach einen riesigen Backstock. Ansonsten ebay, ich kaufe viel in den Staaten. Jede Woche kommen Pakete an.
RL: Bereitest Du Dich auf einen Clubgig wie heute Abend mit all Deiner Erfahrung eigentlich noch besonders vor?
Das ist eigentlich genauso wie früher, nur dass ich das nicht mehr unbedingt zu Hause machen muss. Ich bin heute drei Stunden mit dem Zug her gefahren und hab mittlerweile an die 700 Lieder auf meinem Laptop. Dann setze ich mich in den Zug und mach mir ‘nen Ordner mit Songs für den Gig fertig. Serato ist halt wie Zeitung lesen und ich sage mal 98 % der DJs sind visuelle Typen. Ich kann dir nicht alle Namen der Tracks sagen, aber ich kann dir sagen, dass Track drei auf der B-Seite der grünen Platte ein richtig fetter Song ist. Das fällt halt bei Serato weg. Bei dem Überangebot an zur Verfügung stehenden Titeln, nervt mich dieses Gesuche und Gescrolle, daher mache ich mir vorher einen Ordner fertig. Zur Trackauswahl, also eine Stunde kann man schon vorbereiten, aber ein ganzer Abend wird schon schwieriger. Man muss sich auch ein wenig nach dem Publikum richten, wenn die eher Bock auf ein paar Originals haben, dann mach ich halt damit weiter.
RL: Gab es schon einmal die Situation, dass der Veranstalter sich nicht vorher über Deinen Stil aufzulegen informiert hat und es so zu Missverständnissen beim Publikum kam?
Die Veranstalter wissen im Grunde schon was Sie wollen wenn sie mich buchen. Schlechte Erfahrungen hatte ich bislang erst zweimal. Beide Male muss dass in Großraumdiskos in Süddeutschland gewesen sein. Direkt nach diesen Negativerlebnissen habe ich mir auch angewöhnt, die Clubs im Vorfeld zu fragen, was bei Ihnen für Sound läuft und ob Sie überhaupt wissen, was ich mache. Einmal sollte ich auch in Polen auflegen, Geld natürlich kein Problem und dann fragen mich die Leute: “Ey, spielst du auch Techno?” Ich so: “Hä? Digger Hallo?!”
RL: Hast Du beim Auflegen auch den Anspruch die Leute zu erziehen?
Wir haben mittlerweile gut 40 Jahre Musik, auf die wir zurück greifen können. 30 Jahre Rapmusik und dann ca. 10 Jahre die Musik, aus der Rap entstanden ist. So 70er Funk, Jazz und Rocksachen, da sind einfach die meisten Samples her. Also bin ich nicht auf die typischen Hits angewiesen. Ich merke jedoch, dass die Leute schnell gelangweilt werden, wenn Sie mal zwei, drei Tracks nicht kennen. Also gebe Ihnen mal ‘nen Song den Sie nicht kennen und dann spiele ich wieder Sachen die Sie kennen. Ich werde ja selbst auch wahnsinnig, wenn ein DJ ‘nen Song von Platte spielt, den ich geil finde aber selbst nicht kenne und das geht zum Beispiel an Serato und den mp3s verloren. Die meisten DJs sind ja auch Angeber mit Ihren ganzen raren Vinyls und für mich zählt auch nur die originale Platte. Sample Musik von “Dusty Fingers” oder “Strictly Breaks” [Anm.d.Red.: Compilation Serien rarer Soul und Funk Classics] zu spielen ist nicht diggen gehen.
RL: Du hast vorhin auch erwähnt, dass Du auch aktuelle Songs spielen wirst. DJ Sepalot sagte mir kürzlich, dass er HipHop-Musik im Club zur Zeit sehr problematisch findet. Seiner Meinung nach, sind viele DJs sehr faul geworden und diggen nicht mehr aktuelle Indie-Releases, die durchaus beachtenswert seien. Dadurch läuft in den Clubs entweder die klassische Nineties-Retro-Sause oder im anderen Extrem nur Jiggy-Kram. Siehst Du diese Entwicklung ähnlich?
Rap music is break music, it started from the break, demnach interessieren mich Jiggy und Dirty South einfach nicht. Wobei Rapmusik in den letzten Jahren vom Sound her schon anders geworden ist. Auch das was man “Boom-Bap-Style” nennt klingt teilweise komisch, da keiner hat mehr Geld hat ins Studio zu gehen und so hört man, dass viele Beats am Computer entstanden sind. Viele Independent-Platten klingen mitunter recht langweilig. Wenn man viel durch die Gegend fährt, ist es ziemlich schwierig den Leuten über eine lange Zeit, immer neue Sachen vorzuspielen, da man immer der Einzige ist, der dies gerade dort macht. Wenn ich aber ehrlich bin, gibt es von den richtig neuen Sachen vielleicht zwei Handvoll Künstler, die mich wirklich interessieren.
RL: Was mir bei zahlreichen neuen Releases auffällt, dass sich kaum noch Cuts und Scratches auf den Songs befinden und der DJ als Teil von HipHop-Musik eher ein Schattendasein fristet. Was denkst Du, worauf dies zurück zu führen ist?
Richtig gute DJs mit Skills gibt es wohl einfach zu wenig und es existieren zuviel Leute, die einfach nur Sound machen. Viele MCs haben beim Schreiben eines Textes wohl einfach schon die Hook fertig und so ist es ihnen zu mühsam einen DJ um Cuts zu fragen. Dadurch gibt es auch einfach nicht mehr diese Einheit zwischen MC und DJ.
(Der Leipziger DJ-DFekt gesellt sich vom Nachbartisch kurz zu uns und so wird gleich von DJ zu DJ über die Rolle des DJs bei den Aufnahmen zu einer Rap-Platte gefachsimpelt. Beide tauschen Ihre Meinungen zu den Skills von DJ Revolution und D-Styles aus und schwören auf die guten alten “one take” Mixtapes.)
RL: Mirko, bist Du eigentlich noch im MC-DJ Verbund unterwegs?
Momentan gar nicht, da habe ich aber auch gar keine großen Ambitionen zu, da es zurzeit auch keinen MC gibt, den ich Bock hätte live zu supporten. Wenn es ein cooler Rapper mit coolen Beats ist, dann bockt mich das auf jeden Fall. Eine Live-Rapshow bedeutet immer Fun und als DJ ist eine Livetour eigentlich immer recht entspannt. Zuletzt war ich mit dem Langen auf Tour und davor längere Zeit mit Dendemann.
RL: Bist Du selbst denn noch am aktuellen HipHop-Geschehen interessiert und falls ja – wie informierst Du dich?
Also zu Magazinen aus Deutschland…[überlegt]…also wenn ich jetzt was sage, dann heulen Sie alle wieder rum. Also, so ein Magazin hat ja auch die Möglichkeit gewisse Sachen zu lenken, aber die machen eigentlich auch nur das, was alle hören wollen. Und das ist wack! Von daher interessieren mich HipHop-Magazine nicht. Selbst wenn ich mal darin blättere, bekomme ich nach einer halben Seite keine Lust mehr den Artikel zu lesen, weil der Schreiberling das irgendwie nicht kann und der Typ, der Ihm gegenüber sitzt auch nur Schrott erzählt. Ey, ich bin 39, das kann ich mir einfach nicht mehr geben. Wenn dann auch noch so eine Rapwurst erzählt, dass er auf Oldschool scheißt…Alter, den würde es heute nicht geben, hätte es die Typen früher nicht gegeben. Respect the Oldschool! Ob man das mag oder nicht ist etwas anderes, aber du kannst nicht sagen, dass die Oldschool wack sei.
RL: Ich denke, hier muss man auch werbliche Aspekte im Hinterkopf haben, auch wenn die Magazine immer betonen, dass Anzeigen rigoros von redaktionellen Themen getrennt werden.
Natürlich Alter, wer für Anzeigen bezahlt bekommt auch einen guten Platz in der Zeitung.
RL: Mirko, was steht denn bei Dir demnächst an? Ich habe gelesen, Du hast mit Ill Will ein Projekt am Laufen.
Ja, das “Illmachine” Projekt, das zurzeit leider etwas vor sich hin dümpelt, obwohl es bereits seit ca. 1,5 Jahren fertig ist. Es könnte noch einen Rundschliff vertragen. Ich bin halt auch im letzten Jahr Vater geworden und da haben sich logischerweise gewisse Prioritäten verschoben. Ansonsten bin ich regelmäßig am Auflegen und hab auch seit 2 Monaten wieder eine Radioshow auf ByteFM, die jeden zweiten Donnerstag 23.00 Uhr läuft. Das läuft via Internet, da die Kids heutzutage ja nicht mehr auf alt herkömmliche Weise Radio konsumieren. Die surfen halt im Netz und haben nebenher die Radiostreams laufen. Damals in meiner Heimatstadt Oldenburg hatte ich auch ein paar Jahre eine Radioshow bei einem lokalen Sender, aber als ich nach Hamburg gezogen bin, wollte ich nicht im offenen Kanal auflegen.
RL: Sind auf dem “Illmachine” Projekt auch MCs drauf oder ist es ein reines Instrumentalalbum?
Das hat die Sache auch ein bisschen ins stottern gebracht. Wir waren eigentlich fertig was die Produktionen anging und hatten den MCs, die Bock drauf hatten, auch die Beats geschickt. Nur sind die, wie ich, nicht aus dem Arsch gekommen. Als ich nach gut einem halben Jahr das Projekt finalisieren wollte und die MCs nach Ihren Parts angefragt hatte, kamen Antworten wie: “Was? Du willst jetzt schon den Text?!” Da merkt man dann schon, wer wirklich Bock drauf hat. Wer es immer wieder schiebt, dem ist es halt nicht wichtig genug.
RL: Welche MCs hast Du da angefragt?
Ey, das ist egal, sonst fühlt sich nachher wieder einer auf den Schlips getreten.
RL: Wer wären, rein theoretisch, deine Wunschgäste auf dem Album, wenn Du zwischen drei deutschen Rappern und drei Amis auswählen könntest?
Auf die Stiebers habe ich immer Bock, dann Wasi sowie Flipstar von Creutzfeld und Jakob. Und von den Amis…[überlegt]…A.G. finde ich immer klasse. Kev Brown gefällt mir gut. Wen noch…also O.C. und Lord Finesse sind natürlich immer reizvoll, aber im Grunde könnte ich die ganze D.I.T.C.-Crew nehmen. Ah, mit Blaq Poet hätte ich auch Lust auf ein Feature.
RL: Wie steht es um ein neues Mixtape?
Aktuell nichts in Planung, aber da wird auch wieder was kommen.
RL: Sagt Dir denn eigentlich noch das Video “HipHop-Skills” [Anm.d.Red.: Workshop Video zu den vier HipHop-Elementen mit Too Strong, Spax, MC Rene, Can2, DJ Mirko Machine, Storm und Swift] etwas?
Ja, weil ab und zu davon wieder etwas auftaucht und dann lach ich mich tot.
RL: Ein Kumpel von mir hatte das damals zum Zeitpunkt, als wir mit der HipHop-Kultur in Berührung kamen. Hast Du denn eigentlich noch Kontakt mit den Jungs aus dem Video?
Ich mach mit Spax seit ca. einem Jahr in einem Hamburger “Problemstadtteil” einen HipHop-Workshop. Die haben im letzten Sommer auch eine Art HipHop Akademie ausgerufen. Storm, Metin und Dallas haben einen Workshop für die Breaker gemacht, Sleepwalker für die Producer, Spax für die MCs und ich hatte einen Workshop für die DJs.
Den Langen sehe ich leider seltener, Fedor [Anm.d.Red.: Can 2] hab ich richtig lange nicht mehr gesehen, der macht sein Ding in Mainz. Da es die klassische Jam-Kultur nicht mehr gibt, findet man nicht mehr so geballt zusammen. Mit Reen habe ich vor kurzem erst telefoniert aber es ist nicht so, dass man sich wöchentlich oder monatlich trifft, doch wenn man sich mal wieder sieht, ist es so, als hätte man sich erst gestern gesehen.
RL: Hast Du Dir eigentlich einmal Gedanken darüber gemacht, wohin Dein Lebensweg geführt hätte, wenn Du nichts mit HipHop zu tun gehabt hättest?
Nee, keine Ahnung. Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht, da ich nie von HipHop leben wollte. Die Entscheidung davon zu leben, kam kurz bevor ich 30 geworden bin. Für mich war das immer so “just for fun”, zumal auch damals nicht die Summen zu machen waren, wie heutzutage. Klar hatte ich auch früher einen schönen Nebenverdienst, den ich dann aber gleich in neue Platten umgemünzt habe. Ich war von ’95 bis 2000 jedes Wochenende unterwegs, doch irgendwann wurde mir das zu viel. Die ganze Woche zu arbeiten und dann am Wochenende mitunter bis in die Schweiz zu reisen war Stress pur. Ich entschied, von der Arbeit eine Auszeit zu nehmen und wollte ein Jahr pausieren. Mein Arbeitgeber meinte jedoch, ich müsse kündigen, was ich dann auch tat. Ja und aus diesem Jahr sind nun schon zehn Jahre geworden. Ich mach das nun noch so lange, wie das weiter funktioniert. Ich erinnere mich, als ich 20 Jahre alt wurde, da fragte ich mich, ob ich in zehn Jahren wohl immer noch in den Clubs hinterm DJ Pult stehe. Meinen 30. Geburtstag habe ich dann in Afrika beim Auflegen gefeiert. Da habe ich auch überlegt, wie das mit 35 sein wird. Nun gut, das hab ich dann auch geschafft und mittlerweile mache ich mir keine Gedanken mehr. Man kann das auch sicher noch machen wenn man 50 ist, HipHop ist halt nur so extrem jung und viele Leute springen davon ab, wenn Sie 25 oder 30 sind. Das ist letztlich diese Partykultur. Klar, einen 60 jährigen der auf Gangster macht, will man nicht mehr auf der Bühne sehen, aber hey, das ist Knowledge. Jazz Musiker sind auch 70 und stehen noch auf der Bühne. Solange ich das körperlich machen kann und solange mich noch jemand sehen will, werde ich auch weiter machen. Also – why not?!
RL: Gutes Schlusswort. Mirko, vielen Dank für das Interview, einen gelungenen Abend hinter den 1210ern und alles Gute weiterhin!