
Der Grund für das Interview ist natürlich euer Song „Wahlwerbespot“, den ihr jetzt im Internet publik gemacht habt. Ihr ruft im Grunde dazu auf, an der bevorstehenden Wahl teilzunehmen – ist das deiner Meinung nach gut zusammengefasst?
Das ist die Kernaussage, ja.
Was war der Grund für einen solchen Song? Schlechte Wahlbeteiligungen haben wir in Deutschland schon länger.
Der konkrete Anlass war, dass die Bundeszentrale für politische Bildung uns gefragt hat, ob wir nicht so ein Statement zur Wahl machen wollen und ob wir nicht Lust hätten, dieses Statement in Rapform abzugeben. Das haben wir uns dann überlegt und uns entschieden wir machen das.
Es war also eine Auftragsarbeit.
Ja in dem Sinne, dass du sagst wir wurden gebeten das zu machen, aber nicht in dem Sinne dass es hieß macht bitte einen Song in dem das und das und das vorkommt. Es hieß wir sollten ein Statement machen, wählen zu gehen und den Rest haben wir dann einfach so gemacht wie wir Bock hatten.
Es gibt ja zurzeit auch viele Wahlwerbespots und Kampagnen im TV die dazu aufrufen zur Wahl zu gehen. Im Moment denk ich da an diese Kampagne mit Stefan Raab und anderen Prominenten. Denkst du, dass das der richtige Weg ist, um die Jugend zu erreichen?
Ich denke, dass Stefan Raab von seinem Publikum her auf jeden Fall das Potential hat viele Leute zu erreichen, die eventuell nicht zur Wahl gehen. Die Möglichkeit da etwas zu bewirken ist mit Stefan Raab also auf jeden Fall da.
Seht ihr euch da in einer ähnlichen Position, nur eben mit dem Fokus auf die Hip-Hop-hörenden Jugendlichen?
Also ich seh mich jetzt vom Impact nicht so tragend oder wichtig wie Stefan Raab. Aber wenn mich jemand fragt ob ich einen kleinen Beitrag leisten möchte und ich stehe zu der Sache, dann warum nicht?
Und welchen Einfluss schreibst du Hip-Hop-Songs im Vergleich zu den TV-Spots zu?
Ich muss sagen ich habe die TV-Spots nicht gesehen, deswegen kann ich schlecht einen Vergleich ziehen wie gut oder effektiv die sind. Wir haben unser Video ja bei Youtube reingestellt und da sieht man schon an den Klick-Zahlen, dass wir ein paar Leute erreichen.
Denkst du das Hip-Hop allgemein zu wenig wichtige Themen anpackt?
Ich seh da jetzt nicht die Verantwortung von Hip-Hop als Kunstform das zu tun, sondern es liegt in der Verantwortung von den Leuten die Hip-Hop machen das zu tun oder nicht zu tun. Wenn ich denke das ist wichtig als jemand der Hip-Hop macht und das so macht, dann ist das sozusagen mein Beitrag dazu zu zeigen, dass man das mit Hip-Hop tun kann. Ich finde da sollte jeder Künstler die Freiheit haben zu entscheiden tu ich das oder tu ich das nicht. Man kann in Rapsongs erzählen was man will. Man macht ja nicht Hip-Hop wegen der Message, sondern man macht Hip-Hop in erster Linie wegen Hip-Hop und worauf man Bock hat.
Aber das die Bundeszentrale für politische Bildung mit so einem Auftrag an euch heran tritt, zeigt ja dass der Stellenwert von Hip-Hop als Medium, das eine gewisse Message rüberbringt, ziemlich weit oben ist.
Ja was heißt ziemlich weit oben. Wenn du dir überlegst, dass da jemand auf einer Behörde oder irgendeinem Amt sitzt und sich fragt wie er Jugendliche erreicht, dann ist die Idee auf Hip-Hop zu kommen nicht die allerabwegigste. Ich meine die haben jetzt auch nicht nur uns gefragt, sondern ganz viele Prominente, von Dieter Hildebrant bis Oliver Pocher oder Polarkreis 18 haben die da alle mögliche Leute gefragt und wir sind halt ein paar davon.
Gab es als Reaktion auf den Song auch Politiker, die gesagt haben das ist gut, sowas brauchen und wollen wir öfter haben?
Ja, es gibt ja auch mittlerweile Politiker die im Internet ihre Blogs betreiben und so weiter. Und da waren schon einige die auf ihren Blogs das Video verlinkt haben. Es gab sogar Anfragen von einigen Parteien, ob sie denn den Song für ihre Internetseite hernehmen können, eine Partei hat sogar gefragt, ob sie die Erlaubnis bekommen den Song auf CD zu brennen und die CD’s zu verteilen. Aber es ist ja nicht das Ziel von unserem Song für irgendeine bestimmte Partei Position zu ergreifen und deswegen haben wir Zusammenarbeiten mit einer konkreten Partei einfach immer abgelehnt.
Gestern lief auf ingesamt 4 deutschen TV-Kanälen das TV-Duell der deutschen Kanzler-Kandidaten hast du da zugeschaut?
Ich hab’s nicht geschaut, ich habe nur heute in der Zeitung davon gelesen. Ich muss ganz ehrlich sagen ich hab mir das auch nicht wirklich ultimativ spannend vorgestellt. Ich habe einfach nicht gedacht, dass ich besonders viel erfahre was ich nicht schon wusste.
Die Informationen über Parteien und Programme kriegt man woanders her.
Naja wenn man sich überhaupt noch nicht informiert hat, dann bringt einem so ein TV-Duell vielleicht schon etwas. Ich glaube aber nicht, dass es in so einem Duell darum geht irgendwelche Inhalte zu manifestieren. Die Leute wollen doch nur sehen, wie sich die Kandidaten im Duell gegeneinander schlagen. Es geht ja dabei nicht um Inhalte, sondern nur um die Perfomance.
Der Stellenwert solcher Veranstaltungen liegt deiner Meinung nach also etwas weiter hinten.
Ja die Performance der Spitzenkandidaten ist ja schon eine interessante Sache, die man in seine Wahlentscheidung mit einbeziehen kann, aber für mich hat das jetzt nicht die Top-Priorität.
Ist da bei dir der im Text erwähnte „Wahlomat“ weiter vorn?
Klar ist natürlich, dass 15 Minuten Wahlomat und darauf dann die Wahlentscheidung basieren zu lassen auch nicht die Lösung ist. Es geht nur darum, dass der Wahlomat ein Tool ist das leicht ermöglicht, vielleicht auch ein bisschen spielerisch, die Thesen der Parteien zu bestimmten Punkten einfach mal im direkten Vergleich, im Überblick zu haben – da einfach ein bisschen Informationen zu verbreiten. Und dazu find ich das Ding schon sehr gut gemacht.
Ihr habt auch die EM-Songs zur Fussball-EM gemacht, jetzt der Wahlwerbespot zur Wahl. Kann man sagen, dass Blumentopf immer dann aktiv wird, wenn ein großes Ereignis stattfindet?
Also es ist jetzt nicht unser Ziel die öffentlich-rechtlichen Bedarfsrapper zu jedem Anlass zu werden. Dass die Bundeszentrale für politische Bildung auf die Idee gekommen ist gerade uns zu fragen, hat aber denke ich schon mit den Raportagen, die wir für die Fussballturniere gemacht haben, zu tun. Ich denke schon dass die deswegen auf uns und nicht auf irgendwen anders gekommen sind.
Ihr habt euch mit den Raportagen sozusagen ins Bewusstsein der Leute gerappt.
Dieser Leute, die sich sonst mit Hip-Hop nicht beschäftigen, auf jeden Fall.
Was wird denn das nächste Projekt von Blumentopf?
Es gibt 2 ganz konkrete Projekte. Einmal basteln wir gerade unser neues Album, was in der ersten Hälfte des nächsten Jahres rauskommen wird. Und zum zweiten gehen wir im November auf Freestyle-Tour, dass heißt wir gehen nur mit DJ, 4 Mics, 2 Turntables in kleine Clubs, 300er-400er Locations und machen den ganzen abend keine oder nur ganz wenige Songs und sonst alles Freestyle.
Klingt gut, sind die Locations schon gebucht?
Ja und die Termine gibt’s auf www.blumentopf.com schon anzuschauen. Geht hin – seid dabei.
Ein gutes Schlusswort, vielen Dank für das Interview.